Burning Bär-Festival

Burning Man in Berlin: Hier brennt der Bär

Burning Man in Berlin: Hier brennt der Bär
Am Ende wird das große Kunstwerk verbrannt, so ist es Brauch bei allen Burning Man-Ablegern. Beim Burning Bär hat es natürlich auch die Gestalt eines Bären.
Der Mythos des "Burning Man" Festivals aus dem amerikanischen Nevada ist in Berlin angekommen, die Nachfrage nach sogenannten Burns ist groß, auch in Berlin. Über die Sehnsucht nach persönlicher Freiheit, Miteinander und Selbstverwirklichung.

Wir treffen Thilo in einem Café im Zentrum Berlins und erkennen ihn erst auf den zweiten Blick – so seriös sieht jemand aus, der ein Festival für „radikale Selbstdarstellung“ organisiert? In unserem Gespräch erfahren wir vom Mitgründer des Burning Bär, einem Ableger des legendären Burning Man, abseits aller Gerüchte, um was es denn wirklich geht bei diesem Burning Bär – einem Event, das Ende Februar mit fast 500 Leuten in einem Schloss in Ostdeutschland stattfinden wird. Was war der Ansporn für Thilo, ein vom Burning Man inspiriertes Event bei Berlin zu organisieren? „Es fing an als schöner Ausgleich zum täglichen Leben, wo man oft mit Hierarchien und schlecht gelaunten Leuten zu tun hat. Der Burning Bär zeigt, dass es eben auch anders geht.“

Das Motto: Radikale Selbstverwirklichung

Für jeden Neuling sind die zehn Prinzipien des Burning Man-Gründers Larry Harvey essenziell, darauf bauen die meisten Burns auf: Radikale Offenheit (jeder ist willkommen), Schenken (kaufen kann man dort nichts), keine kommerzielle Vermarktung, radikale Selbstverwirklichung und Selbstvertrauen, Gemeinschaftssinn, gemeinsame Verantwortung füreinander und für die Umwelt (Prinzip: keine Spuren hinterlassen), Partizipation und Unmittelbarkeit. Eigentlich ist das Burning Man Festival schon mehr als ein Festival: der Versuch einer kleinen, gesellschaftlichen Utopie, die für einen kurzen Zeitraum Wirklichkeit wird. Denn wie sonst ist es zu erklären, dass es laut Thilo nach einem Burning Man auf dem Gelände sauberer ist als davor, weil jeder seinen Dreck wegräumt – etwas, das weder in WG-, Arbeitsküchen oder auf anderen Festivals zu funktionieren scheint. Aber beim Burning Man geht es doch – und dass, obwohl beispielsweise in Nevada fast 7000 Menschen acht Tage lang feiern.

Randalierer oder Schlägereien gäbe es auf Burns laut Thilo eigentlich nie. Vorsichtshalber stehen aber trotzdem Freiwillige als Sicherheitsmänner, Ärzte und sogar als eine Art Seelsorger parat. Und ein, zwei Faustregeln gibt es auch. „Damit da alle Leute in Frieden ausrasten können, so wie sie es für richtig halten“, so der Burner, wie sich Burning-Man Fans selbst nennen, der selbst schon seit 2011 weltweit zu Burns reist. So darf beispielsweise niemand fotografieren, außer den professionellen Fotografen – denn niemand habe Lust, ungefragt in den sozialen Medien aufzutauchen. Außerdem sind hier alle gleich: „Jeder muss sich selbst ein Ticket kaufen, es gibt keine Ausnahme. Selbst die DJs, die auftreten oder wir als Mitorganisatoren.“ Es gibt keine Extrawurst, obwohl gerade das das diesjährige Motto ist. Es kommt mir vor, als ob das Burning Bär ein eigenes Universum ist, ein sicherer Kokon, in dem man sich selbst finden, darstellen und ausleben kann. Thilo bestätigt das: „Es ist eine kostbare Bubble, die darf man nicht kaputt machen – zum Beispiel in dem man sie vermarktet.“

 

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Ein Beitrag geteilt von Andy Retinafunk (@retinafunky) am Feb 16, 2018 um 4:55 PST

„Es ist ein riesiges, soziales Experiment.“

Die Berliner Bubble schwebt noch – seit fünf Jahren findet der Burning Bär schon statt. Das erste Event in einem verlassenen Kino in Berlin „war wie eine sehr lange, sehr geile Party“, so Thilo. Schnell wurde aber klar, dass eine größere Location her musste, am besten außerhalb der Stadt. „Das ist eine andere Atmosphäre, dann sind da nur wir für ein ganzes Wochenende“, so der sympathische Burner. „Wir sind kein klassisches Festival. Ja, wir haben Musik und wir haben bestimmt eine der besten Partys der Stadt, aber das ist eigentlich ein Abfallprodukt. Die Grundidee ist: Burning Bär ist ein Kunstfestival.“ Thilo erzählt von ungefähr 40 bis 50 Künstlern, die mit ihren Kunstwerken kommen.

Beim diesjährigen Burning Bär, dem vierten bisher, wird es 30 bis 40 Workshops aller Art geben: Das reicht vom Schach-Workshop über Nacktyoga und Talentwettbewerb bis zur Sauna-Party. Wer auf etwas Lust hat beim Burning Bär, stellt es einfach selbst auf die Beine. Alles ist erlaubt, solange man sich gegenseitig in seiner Einzigartigkeit respektiert, denn am wichtigsten ist das Miteinander. Und so kommen zu diesem Event nicht nur tanzwütige Jugendliche, sondern auch ältere Menschen und Kinder, Hippies und Fetisch-Liebhaber. „Wir sind ja keine homogene Gruppe. Es kommen alle möglichen Leute, die da ihre Freiheitsblase finden. Und was die da dann machen, ist uns relativ egal – ob Musik, Kunst, kinky Zeug oder Yoga. Soll jeder so glücklich werden, wie er es für richtig hält.“

Hier treffen fremde Welten aufeinander, die aber nicht explodieren, sondern verschmelzen – zu einem einzigartigen Schmelztiegel an Energie, Kreativität und Spiritualität. Und nach dem Wochenende, nachdem der riesige Holzbär in einer feierlichen Zeremonie verbrannt ist? „Da hast du 500 glückliche Leute, die da rausreiten“, so Thilo. Voller Glitzer, Seifenblasen und neuen Freunden.

Dieses Jahr ist das Burning Bär leider schon ausverkauft – innerhalb von zwei Minuten –, aber es wird garantiert nicht das letzte sein.

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