Buschkowsky-Nachfolge

Franziska Giffey: Die Überfliegerin

Franziska Giffey: Die Überfliegerin
Zupackend und strukturiert. Franziska Giffey, 36, hat sich als Bildungsstadträtin viel Respekt verschafft.
Eine steile Karriere liegt schon jetzt hinter der 36-jährigen Franziska Giffey. Ihren Master und ihre Promotion hat sie nebenbei gemacht. Ob sie jetzt nach Neukölln zieht?

Wenn alles nach Plan geht, ist das nächste Neuköllner Bezirksoberhaupt eine Frau: Bildungsstadträtin Franziska Giffey steht schon lange als Nachfolgerin von Heinz Buschkowsky fest. Die SPD hat sich nie die Mühe gemacht, entsprechende Vorhersagen, die seit langem kursierten, zu bestreiten – zu unangefochten ist ihre Kreisvorsitzende, die seit 2002 gut mit Buschkowsky zusammengearbeitet hat – zunächst als Europabeauftragte und seit 2010 als Bildungsstadträtin.

„Er war mein Mentor“

Buschkowsky hat eine glückliche Hand bewiesen, als er die damals noch parteilose 24-jährige Diplom-Verwaltungswirtin in sein Bezirksamt holte. „Heinz Buschkowsky war mein Ratgeber und mein Mentor. Ich habe unglaublich viel von ihm gelernt“, sagte sie am Mittwoch. Über ihre hervorragenden Aussichten auf seine Nachfolge wollte sie nicht so gern reden: „Heute ist der Tag, an dem die Arbeit Heinz Buschkowskys gewürdigt werden muss.“ Über diese Lebensleistung dürfe man „nicht so leicht hinweggehen“.

Seinen Rückzug hatte der 66-Jährige kurz davor mit seiner 80-Stunden-Woche begründet. Davon ist seine potentielle Nachfolgerin schon jetzt nicht weit entfernt: „Meine Wochen sehen nicht viel anders aus: zwölf Stunden von Montag bis Freitag und dann noch Wochenendtermine“, rechnet sie vor. Zudem hat sie – zusammen mit ihrem Mann – noch ein kleines Kind zu versorgen: Ihr Sohn kommt im Sommer zur Schule. Die Familie wohnt in Friedrichshain. Über einen Umzug Richtung Neukölln ist noch nichts bekannt.

Zweifel daran, dass sie der neuen Aufgabe nicht gewachsen sein könnte, hat kaum einer, der Giffey als Bildungsstadträtin erlebt hat. Anders als viele ihrer Amtskollegen ist sie präsent für die Schulen, die sich entsprechend ernst genommen fühlen. Beschwerden sind nicht zu hören. Im Gegenteil: Wer Schulleiter auf die Arbeit ihrer Stadträtin anspricht, bekommt sehr positive Reaktionen. Das allein grenzt schon an ein Wunder.

Wegen der Roma fuhr sie nach Rumänien

So kann nur jemand agieren, der schnell denkt und extrem strukturiert vorgeht. Da wird nichts einfach aufgeschoben. Dazu passt, dass sie während ihrer Zeit als Europabeauftragte auch noch ihren Master machte, promovierte und als Referentin unterwegs war. Sie geht die Dinge an – zuletzt den verstärkten Roma-Zuzug: Da fuhr sie kurzerhand nach Rumänien, um sich über die Lage der Roma zu informieren. Zudem hat sie den Mut, auch mal gegen ihre Genossen auf Landes- oder Senatsebene zu argumentieren. Auch da ist sie nahe bei Buschkowsky, der sich gern mit der Parteispitze anlegt. Wenn Giffey eine andere Meinung als ihre Parteifreundin, Bildungssenatorin Sandra Scheeres, hat, hält sie damit nie lange hinter dem Berg. Das war etwa beim Thema Früheinschulung der Fall: Giffey war dagegen, nachdem sie entsprechende Hilferufe aus ihren Neuköllner Schulen gehört hatte.

Das Bildungsressort muss jetzt jemand anders übernehmen

Als Bürgermeisterin wird sie das Amt allerdings abgeben und stattdessen die Bereiche Finanzen und Wirtschaft übernehmen. Auch in diesem Punkt folgt sie dem Vorbild ihres Ziehvaters.
Aber alles der Reihe nach. Erstmal muss sie als Kreisvorsitzende den Übergang organisieren. Noch am Dienstagabend hat sie den geschäftsführenden Kreisvorstand zusammengerufen, um „das Verfahren zu besprechen“. Aber daran, dass sie tatsächlich kandidieren wird, geht kein Weg vorbei für die 36-Jährige, deren Wurzeln in einem Dorf bei Fürstenwalde liegen.


Quelle: Der Tagesspiegel

Rathaus Neukölln, Karl-Marx-Straße 83, 12043 Berlin
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