Neue Überwachungskameras an Bahnhöfen

Scharfe Bilder von Straftätern

Scharfe Bilder von Straftätern
Alles im Blick? Kameras überwachen die U-Bahnhöfe. Ob sie bei der Aufklärung von Straftaten helfen können, hängt auch von der Auflösung ab.
Die BVG installiert an weiteren Bahnhöfen hochauflösende Kameras, insbesondere dort, wo viele Menschen umsteigen. Diese sollen der Polizei bei der Identifikation von Straftätern helfen.

Die Ermittler hoffen, mit besserer Videotechnik Straftäter schneller dingfest machen zu können. Denn bei der Fahndung nach Kriminellen sind sie in vielen Fällen auf die Veröffentlichung von Bildern aus Überwachungskameras auf U-Bahnhöfen angewiesen. Bisher ist die Qualität der Aufnahmen jedoch häufig mäßig. Das soll sich nun ändern. Derzeit statten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) etliche U-Bahnhöfe mit hochwertigen Kameras aus. Auf sieben Bahnhöfen sei dies bereits geschehen, sagt BVG-Sprecherin Petra Reetz. Bis zum Jahresende sollen die neuen Kameras, die eine sehr hohe Auflösung haben, in 14 weiteren Stationen hängen.

Den Fahndern der Polizei sollte dies die Arbeit erleichtern, denn das Auswerten von vorhandenen Videobildern gehört bei ihnen zur Routine. Erst am Dienstag gelang den Ermittlern auf diese Weise ein Erfolg: Mithilfe von Videobildern konnte sie zwei 17 und 22 Jahre alte Männer identifizieren, die am 22. April dieses Jahres einen 39-jährigen Mann auf dem U-Bahnhof Frankfurter Allee brutal zusammengeschlagen haben sollen. Die mutmaßlichen Täter wurden am Dienstagmorgen in ihren Wohnungen in Hellersdorf und Kreuzberg gefasst.

Fahndungserfolg durch Verfolgungsdruck

Einen Erfolg konnte die Polizei auch in einem Vergewaltigungsfall von vor einem Jahr verbuchen. Nachdem kürzlich Bilder von Überwachungskameras veröffentlicht worden waren, stellten sich drei der vier Gesuchten selbst. Sie stehen unter Verdacht, am 3. Juni 2011 eine 20-Jährige gegen ein Uhr früh auf dem U-Bahnhof Hermannstraße in Neukölln angesprochen zu haben. Laut Polizei wurde die Frau bedrängt und zum Alkoholkonsum genötigt. Gegen 1.45 Uhr zerrten die Männer sie dann auf einen Spielplatz an der nahe gelegenen Silbersteinstraße und vergewaltigten sie. Das Opfer zeigte die Tat noch am selben Tag an, sodass die Videoaufnahmen rechtzeitig gesichert und von der Polizei gesichtet werden konnten. Ein Senatsbeschluss zur Ausweitung der Speicherzeit von 24 auf 48 Stunden wird erst seit einigen Wochen umgesetzt.

Dass die Polizei erst nach einem Jahr mit den Videos an die Öffentlichkeit ging, erklärt sie so: Alle dringlichen Maßnahmen, wie die Sicherung von DNA-Spuren an der Kleidung des Opfers habe man sofort durchgeführt. Doch die Geschädigte sei so traumatisiert von der Tat gewesen, dass es ihr erst nach einem halben Jahr möglich war, detaillierte Aussagen zur Tat zu machen. Diese seien jedoch entscheidend für weitere Ermittlungsansätze gewesen. Da es zudem keine Anhaltspunkte für eine Serie gegeben hätte, sei auch eine Warnung der Öffentlichkeit nicht zwingend angebracht gewesen.

Hohe Bildqualität erleichtert Identifizierung

Auch der 32-jährige Christopher O., der sich seit vorigem Mittwoch wegen Vergewaltigung vor Gericht verantworten muss, wurde von seinem Opfer auf Überwachungsbildern wiedererkannt. Der frühere Modedesigner und Botschafter der Tourismus-Kampagne „be berlin“ soll eine 65-Jährige am U-Bahnhof Mendelssohn-Bartholdy-Park vom Zug nach draußen verfolgt und im Park vergewaltigt haben. Möglicherweise gelingt auch die Überführung des „Halsketten-Räubers“, der am 11. Januar einer Frau in der U7 an der Haltestelle Bismarckstraße einen goldenen Kettenanhänger geraubt hat. Seit Dienstag sucht die Polizei öffentlich nach dem Mann – die Bilder stammen allerdings noch aus älteren Kameras.

Die hochwertigen Modellebefinden sich auf den Stationen Kottbusser Tor, Schönleinstraße, Frankfurter Tor, Alt-Tegel, Friedrichstraße, Johannisthaler Chaussee und Gesundbrunnen. Die 14 zusätzlichen Bahnhöfe, an denen neueste Technik zum Einsatz kommen soll, seien Stationen mit „viel Umsteigeaufkommen“, sagt Sprecherin Reetz – so wie die Bahnhöfe Zoologischer Garten, Alexanderplatz, Mehringdamm oder Berliner Straße. 2011 konnten durch die Auswertung von Bildmaterial 107 Verdächtige überführt werden.

Scharfe Bilder von Straftätern, Hermannstraße 108, 12051 Berlin

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