Interview Corona-Betroffene

Catering-Queen Ricarda Farnbacher: "Keiner sollte die Schwäche des anderen ausnutzen"

Frau mit Holzkiste und Essen in der Hand
Ricarda Farnbacher nutzt den Leerlauf und kocht für die Berliner Arche.
Ihre Catering- und Eventagentur hat Zwangspause. Was Ricarda Farnbacher jetzt aus der Krisensituation macht und wie du ihrer Branche beim Überleben helfen kannst, liest du im Interview ...

Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, müssen alle Bars, Cafés und Restaurants der Stadt bis auf Weiteres geschlossen bleiben. Für die meisten Gastronomen bedeutet das aktuell ein Leben in Existenzangst. Viele von ihnen suchen daher nach Ideen, um sich über Wasser halten zu können.

Catering-Unternehmerin Ricarda Farnbacher hat den Blick erstmal nicht auf sich, sondern auf Bedürftige gelenkt. Weil alle Arche-Standorte deutschlandweit geschlossen sind, fällt nämlich die kostenlose Versorgung mit warmem Essen für bedürftige Kinder und Familien weg. Ricarda und ihr Team kochen daher gerade kostenfrei für rund zehn Berliner Familien.

QIEZ: Ricarda, warum trifft dich die Corona-Krise?

Ricarda Farnbacher: „Wir richten überwiegend größere Caterings und Events aus. Unsere Kunden sind international und kommen meistens aus vielen Ländern in Berlin zu Konferenzen, Messen oder Firmenveranstaltungen zusammen. Durch die Grenzschließungen, Einreiseverbote und das Versammlungsverbot haben wir aktuell 100 % Umsatzeinbußen bis Ende Mai. Erst wenn die Maßnahmen aufgehoben oder gelockert werden können wir unsere Arbeit wieder aufnehmen. Das kann sich noch bis Herbst ziehen. Keiner weiß aktuell, wie es weitergeht.“

 

 

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Ein Beitrag geteilt von Event Catering Location (@ricarda_farnbacher) am Mär 27, 2020 um 4:04 PDT

Was war das schwerste Erlebnis in den letzten Tagen auf der Arbeit und was das schönste?

„Ich fange mit dem Schönsten an. Viele Kollegen und enge Wegbegleiter haben von Anfang an ihre Loyalität bekundet. Viele haben sich bei mir gemeldet und haben gefragt wie es mir geht und zugesagt, dass wir zusammenhalten und gemeinsam durch die Krise gehen. Auch Kunden haben geschrieben und angeboten, dass ich mich melden kann, wenn ich reden will. Das gibt Kraft und motiviert.

Das Gegenteil habe ich leider auch erlebt. In guten Zeiten versteht man sich blind und dann kommen der Umsatzeinbruch und die Absagen, da schauen einige nur auf sich. Das war in letzter Zeit somit ein Wechselspiel der Gefühle, zwischen sich unwahrscheinlich geliebt fühlen und unwahrscheinlich einsam sein.“

Wie kann man deine Branche im Moment unterstützen?

„Viele Caterer und Restaurants beginnen gerade mit Lunch-Catering, Takeaway und anderen kreativen Ideen. Das sollte unbedingt viel genutzt werden. Firmen sollten an geplanten Events und Caterings in 2020 festhalten und abwarten, wie die politischen Entscheidungen Ende April aussehen. Es wird weitergehen! Nicht aus Angst einfach mal die Firmenfeier ausfallen lassen. Das wäre fatal! Wichtig ist auch, dass die Branche sich jetzt gegenseitig unterstützt und keiner die Schwäche des anderen nutzt, um dessen Kunden abzugreifen. Aktuell ist Solidarität gefragt!“

Dankeschön für das Gespräch!

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