• Donnerstag, 08. März 2012

QIEZ-Lieblinge

Gut gebaut: Acht Berliner Architekten

  • Berliner Dom Palast der Republik
    Die Arbeit der Architekten: manchmal wird sie geschätzt, manchmal weniger Foto: dapd - ©Theo Heimann

Die Hauptstadt war in den Jahren nach der Wiedervereinigung eine riesige Baustelle. Es galt, Leerräume und Brachland zu füllen und jede Menge Altbauten zu sanieren. So wurde Berlin zu einem Eldorado für Architekten. Der Zustrom von jungen Studenten aus der ganzen Republik tat ein Übriges, um ein vielfältiges Spektrum an Architekturbüros entstehen zu lassen. QIEZ stellt acht Firmen vor, die jeder Bauherr kennen sollte.

Neulant van Exel

Axel van Exel und Marian Neulant lernten sich beim Architekturstudium kennen, ehe Letzterer zur Bildhauerei wechselte. So erklärt sich, dass die gemeinsame Firma, die die beiden in Kreuzberg gegründet haben, ein Architektur-Kunst-Hybrid ist. Neulant van Exel machen junge und innovative Innenarchitektur, von der Küche über das Bad bis zum Arbeitszimmer, und Möbel, darunter Betten, Sitzgelegenheiten und Regale. Darüber hinaus sind sie im Ausstellungsdesign tätig, gestalten Messe- und Ladenflächen. Zu ihren Kunden zählen die Modemesse Bread & Butter, Levi’s, Nokia oder der FC St. Pauli. Das Ausstellungsdesign ist eine Schnittstelle zur Kunst. Neulant van Exel waren unter anderem in New York, L.A., Island und Berlin künstlerisch tätig. Manche ihrer Projekte in diesem Bereich – darunter viele begehbare – wirken wie eine Spielwiese für Künstler und Besucher.

J. Mayer H.

Der 1965 geborene Jürgen Mayer H. gilt als einer der wichtigsten deutschen Architekten seiner Generation. Dabei dürfte eine Rolle spielen, dass er sich nicht festlegen lässt. In seinem Berliner Büro und an den jeweiligen Projektorten werden Aufträge aus den Bereichen Architektur, Objektdesign, Innenarchitektur und Kunst realisiert. Mayer H. und seine Mitarbeiter schlagen bei ihren architektonischen Projekten bewusst einen anderen Weg ein als die Vertreter der 'kritischen Rekonstruktion', nach deren Leitlinien Berlin in den letzten Jahrzehnten gestaltet wurde. Manche Werke sind gewagt-experimentell, doch sie kommen an. Ein Beispiel ist der Metropol Parasol, eine pilzähnlich aussehende, riesige Holzstruktur, die Mayer H. auf der Plaza de la Encarnacíon in Sevilla errichtete. Seine Kunstinstallationen beschäftigen sich häufig mit dem Sichtbarmachen von Technologie. Die Grenze zwischen den Arbeitswelten Architektur, Design und Kunst verschwimmt bei J. Mayer H. Architekten in Charlottenburg und die Bereiche beeinflussen sich gegenseitig.

Ortner & Ortner Baukunst

Ortner & Ortner Baukunst hat eine Vorgeschichte. Bereits in den 1970er Jahren waren Laurids und Manfred Ortner in Düsseldorf auf den Feldern Kunst und Architektur tätig. Seit 1987 bewegten sie sich mit der Gründung von Ortner & Ortner in Richtung konkreter Bauprojekte. Mit der Realisierung des Museumsquartiers in Wien machte sich die Firma bereits 1990 einen Namen. In den folgenden Jahren kamen zahlreiche Großprojekte aus den Bereichen Handel, Gewerbe und Kultur hinzu. In Berlin war Ortner & Ortner Baukunst am Einkaufszentrum "Alexa" ebenso beteiligt wie am ARD-Hauptstadtstudio und einem Geschäftshaus am Pariser Platz. Auch in Österreich ist die Firma nach wie vor gut im Geschäft und hat ein Büro in Wien. Zu den Projekten im Nachbarland gehört etwa das Europäische Design Depot in Klagenfurt. Weitere Büros existieren in Köln und im russischen Rostov am Don.

Chestnutt_Niess

Wer durch den Bahnhof Alexanderplatz läuft oder dort die U-Bahn besteigt, bewegt sich in einem Chestnutt_Niess-Projekt. Der Bahnhof ist ein Beispiel für eines der Spezialgebiete des Architekturbüros: der Restaurierung oder Erweiterung von historischen Bauten. Darüber hinaus ist Chestnutt_Niess im gesamten Spektrum der Branche tätig: Innenarchitektur, Wohnungen, Gewerbe- und Bürobauten, Städtebau. Das Amtsgericht im brandenburgischen Bad Liebenwerda ist ein Beispiel für ein öffentliches Gebäude, das die Architekten gemäß ihrem Spezialgebiet umgestalteten. In die historische Burganlage, von der nur noch einzelne Teile erhalten sind, wurden moderne Elemente integriert, die der Formensprache einer Burg nachempfunden sind. Ein Wechselspiel zwischen Alt und Neu findet sich auch in der Sporthalle, die die Architekten in Berlin-Prenzlauer Berg im Hausburgviertel errichteten.

Eike Becker Architekten

Eike Becker Architekten, die Firma von Namenspatron Eike Becker und seinem Kompagnon Helge Schmidt, sind häufig erste Ansprechpartner, wenn es um große private Bauvorhaben in Berlin geht. Obwohl das Architekturbüro erst kurz vor der Jahrtausendwende gegründet wurde, gehört es bereits zu den renommiertesten Vertretern seiner Zunft in Deutschland. Eike Becker Architekten stehen für eine Verbindung von modernen Fassaden mit künstlerischen Einflüssen. Zur Philosophie des Büros gehört es, Gebäude mit Persönlichkeit zu schaffen, die gleichzeitig an die Bedürfnisse der Umgebung angepasst sind. Im Idealfall stärkt das Bauvorhaben sein Umfeld. Konkret bedeutet diese Ausrichtung, dass Eike Becker Architekten beispielsweise für genügend öffentlichen Freiraum bei ihren Projekten sorgen. Zu den vielen prestigeträchtigen Aufträgen, die die Firma in Berlin realisiert hat oder noch realisiert, gehören der Umbau des Ostbahnhofs, die Wohnanlage "The Garden" an der Chausseestraße und der Komplex "Am Zirkus 1" neben dem Berliner Ensemble, in dem Büros, Wohnungen und ein Hotel entstehen.

GRAFT

Die Architekten von GRAFT gelten als Innovatoren und sogar Popstars – was nicht nur mit ihrer langfristigen Zusammenarbeit mit Brad Pitt zusammenhängen dürfte. Die drei Deutschen Lars Krückeberg, Wolfram Putz und Thomas Willemeit gründeten die Firma 1998 in Los Angeles und haben seither weitere Büros in Berlin und Peking eröffnet. Wagnisse einzugehen um Innovation zu ermöglichen gehört zum Credo von GRAFT. Durch die Mischung verschiedener kultureller Disziplinen und Stile soll Neues entstehen. Die Architekten haben bereits zahlreiche Projekte in China und den USA realisiert und Preise gewonnen. In Berlin haben sie mit dem "Hotel Q" am Kurfürstendamm die Fachwelt überzeugt. Neben mehreren Wohnhäusern soll demnächst der "Boulevard der Stars" auf der Potsdamer Straße umgesetzt werden. Mit Hilfe einer Trickprojektion können sich die Passanten zukünftig zusammen mit ihren Filmstar-Lieblingen fotografieren lassen.

Sauerbruch Hutton

Die internationale Ausrichtung des Architekturbüros spiegelt sich sowohl bei der Besetzung der Geschäftsführung als auch beim Mitarbeiterstab: der Deutsche Matthias Sauerbruch, die Engländerin Louisa Hutton und der Argentinier Juan Lucas Young leiten die Firma, deren rund 100 Mitarbeiter aus ca. zwölf Ländern stammen. Derzeit werden Projekte in einer Reihe von Ländern geplant oder bereits gebaut: in Paris, Mailand, Genf, dem englischen Sheffield, dem niederländischen Tilburg und mehreren deutschen Städten. In Deutschland haben Sauerbruch Hutton für das bunte Brandhorst Museum in München und das besonders nachhaltig gebaute Umweltbundesamt in Dessau viel Anerkennung erhalten. Das Büro achtet in besonderer Weise darauf, die Umgebung der Bauprojekte in ihre Planung einzubeziehen und sparsam mit Ressourcen umzugehen. So entsteht Architektur, die sich einpasst, aber dennoch innovativ und stilbildend ist.

Hascher Jehle Architektur

Mit der geballten Kompetenz der Professoren Rainer Hascher und Sebastian Jehle sowie ihrer rund 70 Mitarbeiter hat dieses Architekturbüro in den letzten 20 Jahren eine Reihe von Großprojekten realisiert. Zu den meistbeachteten Bauten gehört das gläserne Kunstmuseum auf dem Stuttgarter Schlossplatz. Gleich nebenan gestalteten Hascher Jehle die Königsbau-Passagen ebenfalls mit viel Glas. Das Stadtteilzentrum "Storkower Bogen" in Lichtenberg gehört zu den frühen Projekten des Büros in Berlin. Es folgte der Neubau des Ärztekammer-Hauses an der Friedrichstraße. Die enge Zusammenarbeit mit dem Bauherrn in allen Phasen der Planung und des Baus gehört zu den Grundpfeilern der Bürophilosophie und dürfte ein Grund für den Erfolg von Hascher Jehle Architektur in Berlin sein. Aus dieser Überzeugung folgt die Orientierung an den Bedürfnissen der Menschen, die die Bauprojekte einmal nutzen. Die Architekten verzichten auf überflüssige Technik, nutzen sie jedoch da, wo sie innovativ eingesetzt werden kann. Ein Augenmerk liegt dabei stets auf der Nachhaltigkeit der Gebäude.

Charlottenburg

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Quelle: QIEZ
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