Durch den Kiez

Patric Scott: Charlottenburg ist nicht so spießig wie sein Ruf

Patric Scott: Charlottenburg ist nicht so spießig wie sein Ruf
Patric Scott im Obergeschoss vom Schwarzen Café, von wo aus wir unseren Spaziergang durch seinen Kiez starten: die City West. Zur Foto-Galerie
Patric Scott wurde schon als Ziegenpeter und Vampir gefeiert und hat mit zwölf seine erste eigene Platte auf den Markt gebracht. Wir haben mit dem Sänger und Musicaldarsteller in der City West über seine Liebe zu Berlin gequatscht und machen ihn hiermit zu unserem persönlichen Weihnachtselfen.

Was kann uns ein Schweizer, der seine Ausbildung in Hamburg und L.A. gemacht hat, schon über Berlin erzählen? Eine ganze Menge – jedenfalls wenn er so ein Tausendsassa ist wie Patric Scott! Und damit meinen wir nicht nur seine Reiselust, sondern auch wie er seine Talente einsetzt: Der Startschuss von Patrics Karriere fiel (sehr passend für einen Schweizer) auf der Bühne eines Heidi-Musicals, wo er als Ziegenpeter sein Debüt gab. Bald zog es ihn aber als Sänger und Produzent weiter in die Studios dieser Welt, er ist außerdem Schauspieler, Synchronsprecher, zertifizierter Vocal-Coach und selbsternannter Coffee-Junkie. Es ist also kein Zufall, dass wir uns im Schwarzen Café in Charlottenburg treffen: Jahrelang hat der gebürtige Schweizer hier regelmäßig seinen Koffeindurst gestillt – und der ist enorm: „Früher habe ich 24 Tassen am Tag getrunken, jetzt sind es nur noch 13 bis 14 Tassen.“ Trotzdem erzählt der 32-Jährige ganz ruhig von den zwölf Jahren, in denen er in der deutschen Hauptstadt gewohnt hat – erst in Neukölln, bis dort in seine Wohnung eingebrochen wurde, dann nahe dem Schloss Charlottenburg. „Ich habe neun Jahre lang allein in einer Maisonette-Wohnung im Hinterhof gewohnt. Diese Wohnung habe ich geliebt“, erzählt er – und auch, dass er dort sogar vieles selbst gestaltet und gebaut hat.

Patric Scott und eine blonde QIEZ-Redakteurin lachen gemeinsam auf einer Bank am Savignyplatz.

Als er noch in Charlottenburg wohnte, hat Patric Scott auf dem Savignyplatz oft vorbeieilende Berliner beobachtet.

Auch Charlottenburg ist dem Musiker ans Herz gewachsen, selbst wenn es laut Patric seinem Ruf nur zum Teil gerecht wird: „Es ist schon ein bisschen spießig hier. Aber nicht so sehr, wie man es allgemein vermutet. Charlottenburg ist eher cool-spießig.“ Als Wohnort gewählt, hat er den Bezirk damals erst einmal ganz pragmatisch: Ausschlaggebend war die Nähe zum Stage Theater des Westens, wo Patric nach seiner Ankunft in Berlin im Musical Tanz der Vampire unter der Regie von Roman Polanski mitgespielt hat. „Es war nicht geplant, dass ich weiter Musicals mache. Aber wenn Roman Polanski anfragt, dann sagt man nicht nein„, erklärt Patric.

Patric Scott auf der Kantstraße mit dem Theater des Westens im Hintergrund.

Für das Theater des Westens ist Patric überhaupt erst nach Berlin gezogen.

Dabei war eine Rolle im Berliner Stage Theater nur die logische Konsequenz aus Patrics Lebenslauf… Aufgewachsen ist er in der Schweizer Gemeinde Gams, ganz in der Nähe zu Liechtenstein und Österreich. Nach der klassischen Mitgliedschaft im Chor und privatem Gesangsunterricht, brachte Patric mit zwölf Jahren (!) sein erstes Album heraus. Damals ging er schon mit Hit-Maschinen wie La Bouche und den A*Teens auf Tour, die Kinder der Neunziger in guter Erinnerung haben dürften. Er wusste spätestens ab diesem Zeitpunkt, dass er beruflich auf der Bühne stehen will. Und weil man damals wie heute gerade in der Schweiz schwer von jetzt auf gleich weltberühmt wird, musste Patric diesen Plan ernsthaft angehen – er entschied sich dafür, mit zarten 15 Jahren in die Welt hinaus zu ziehen, um als bis dato jüngster Student überhaupt eine Ausbildung an der Hamburger Stage School zu absolvieren. „Den ersten Tag werde ich nie vergessen. Ich bin in eine Bäckerei gegangen und habe gesagt ‚Ich hätte gern ein Kipferli‘. Und die Verkäuferin hat geantwortet: ‚Wat willste?‘ Da dachte ich, ich kann das mit der Sprache nie schaffen.“

Vom Klo-Putzer zum Workaholic

Das Schwitzerdütsch hat Patric, zumindest bei unserem Termin, weitestgehend abgelegt und sich offensichtlich nicht nur gegen den Hamburger Schnack und später gegen die Berliner Schnauze behauptet. Vielleicht, weil ihm das harte Arbeiten früh beigebracht wurde: „Ich bin ein Gastro-Kind. Ich musste früher im Restaurant meiner Eltern die Klos putzen oder bedienen. Das ist der Hauptgrund dafür, dass ich ein fleißiger Mensch bin und dass ich weiß, dass man dafür arbeiten muss, wenn man etwas erreichen möchte.“ In seiner rar gesäten Freizeit ein Vier-Gänge-Menü für Freunde zu kochen, ist übrigens kein Problem für den Gastro-Spross. Trotzdem isst der Wokoholic lieber im Restaurant, wenn er einen Arbeitstag mal wieder ohne Pause durchgezogen hat. „Wenn du deinen Job liebst, kennst du keine Grenzen“, sagt Patric dazu nur. Neben dem Frühstück und Kaffee im Schwarzen Café oder einem Gin Tonic in der Hefner Bar lässt Patric sich in Berlin besonders gern Sushi schmecken – erst recht, weil das an seinem aktuellen Wohnsitz nahe der Familie in der Schweiz weniger verbreitet und viel teurer ist als in Berlin. Die beste Anlaufstelle dafür in der City West sei für ihn das Kuchi in der Kantstraße.

Patric Scott mit QIEZ Redakteurin an einem Tisch im Schwarzen Cafe in Berlin.

Im Schwarzen Café erzählt Patric Scott von seinem Weg aus dem Schweizer Dorf über Berlin bis nach Los Angeles.

Nicht nur das Lokal vermisst Patric, wenn er seine freien Stunden und Tage wieder in den Bergen verbringt. Auch die Anonymität, die besonderen Schließzeiten und die Tatsache, dass in Berlin einfach alles zu haben ist, führten dazu, dass Patric sich einfach in die Hauptstadt verliebt hat und regelmäßig hier ist. „Jede Stadt hat ihre Geschichte, aber es hat mich immer wieder nach Berlin gezogen“, sagt er. Er fühlt den Vibe der Stadt bei jedem hier geschriebenen Song, wenn er ihn auf der Bühne performt. Und das sind einige – vom letzten Album Scarless und auch viele vom aktuellen und bisher fünften Album Paint me back, das im September in Deutschland erschienen ist. Patrics poppiger Soul ist inspiriert von großen Stimmen wie Whitney Houston, Stevie Wonder oder Prince. Als wir am Savignyplatz auf einer Bank Zwischenstopp machen, auf der der Sänger in seiner Zeit in Berlin viel Zeit mit dem Beobachten der vorbeieilenden Leute verbracht hat, schwärmt er davon, dass er während der aktuellen Aufnahmen in L.A. auch Rose Ann Dimalanta dafür gewinnen konnte, mit ihm Musik zu machen. Die hat auch schon mit Prince persönlich gearbeitet. Bei ihrer Zusammenarbeit ist nun unter anderem die aktuelle Weihnachts-Single von Patric Scott herausgekommen:

Während sich andere Sänger nur einmal während ihrer Karriere zu einem Weihnachtssong hinreißen lassen, findet man in Patrics Diskografie schon die beiden Weihnachtsalben Pocket full of Christmas und Real Christmas und einige andere festliche Singles. Sogar eigene Weihnachtsshows hat der Schweizer in seinem Heimatland erdacht und selbst auf die Bühne gebracht. Klar, das passt musikalisch zu Patrics souligem Stil. Aber es passt auch zum Familienmenschen Patric, der es gern gemütlich und unaufgeregt mag: „Ich liebe Weihnachten! Das ist die einzige Zeit, in der man all seine Liebsten sieht. Das ist zwar eigentlich traurig, aber auch schön.“ Wenn man schon so viel Zeit fern der Heimat verbracht hat und so viel Spaß daran hat, kreativ und unterwegs zu sein wie der Mann, der in Hamburg, L.A. und der City West verwurzelt ist, tut das Fest mit den Liebsten sicher doppelt gut. Und mindestens in diesem Jahr sind wir Berliner nicht nur im Herzen von Patric Scott, wenn er Songs aus seiner Zeit in Berlin singt, sondern wir holen uns zu Weihnachten mit seinem besonderen Weihnachtssound auch ein bisschen Patric Scott nach Hause.

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