• Montag, 09. Januar 2012

Brotspezialitäten in Charlottenburg

Modernes Kiezrestaurant

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  • Brot & Salz
    Foto: QIEZ
  • Brot & Salz
    Foto: QIEZ

Kein Wunder bei der Namensgebung, dass Brote mit originellem Belag fest zum Repertoire gehören. Das Lokal "Brot und Salz" in der Uhlandstraße gibt es seit dem frühen Sommer 2011. Bereits wenige Monate später eilt ihm ein sehr guter Ruf voraus, und es ist Zeit für einen Besuch.

Das Interieur trägt die Handschrift eines Restaurantbetreibers für das gehobene Bürgertum: gediegene, braune Holzmöbel und bequeme, mit rotem Kunstleder überzogene Bänke, abgeschliffener Parkettboden, an den Wänden eine Galerie zum Verkauf stehender Kunstwerke, auf einer Empore ein großzügig geschnittener ovaler Tisch und zu guter Letzt schön anzuschauende Lampen mit Blumenmuster. Anton Scholten, der Koch und Inhaber, war zuvor in Wien tätig, blickt aber auch auf Erfahrungen in etablierten Berliner Lokalen wie dem "Lubitsch" oder dem "Engelbecken" zurück.

Hausgemachtes Brot als Antwort auf den Crostini-Trend

Mit ihrer langen, burgunderfarbenen Schürze unterstützt die souveräne Serviceleiterin die Wahl des Aperitifs mit der nötigen Ernsthaftigkeit. Der venezianische Frizzante ist leicht, beinahe sommerlich (0,1 l = 2,80 Euro), der kräftige und kräutrige Silvaner Secco sprudelt kräftiger. Unseren Start in den Abend begleiten zwei Sorten des hausgemachten Brots, gebacken mit Kräutern und gerösteten Kürbiskernen, zum hellgelben, knoblauchhaltigen Kichererbsen-Dip.

Die Kürbiscremesuppe ist erwartungsgemäß cremig, vor allem aber schön inszeniert mit grob gemahlenem bunten Pfeffer und Bröseln der gerösteten Kürbiskerne, ein simpler, aber überraschender Effekt, das dazu passende Öl verstärkt den Geschmack. Die Hausbrote genossen wir in der Variante mit Wacholderschinken und Maronencreme, wobei die Creme großzügig aufgestrichen war (3,80 Euro). Die knusprig-krustigen Brote sind eine gelungene Reaktion auf die Crostini-Mode.

Pfiffige Geschmäcker und sorgfältige Zubereitung

Unter den Hauptgerichten überzeugte uns die saftige Lachstranche, die mit Haut auf einem delikaten Muschel-Curry mit Kokosmilch serviert wurde. Dazu passten der Blattspinat und die mit Kardamom und Cumin gewürzten Reispuris. Wenn jedes Gericht vom Koch mit einen derartigen kleinen Extrapfiff oder einem Überraschungseffekt versehen wird, darf man dem Lokal wohl berechtigt eine stabile Zukunft vorhersagen (13,50 Euro). Der Sauerbraten vom Brandenburger Reh, der nur selten zu finden ist, wurde in Würfeln serviert; das Fleisch war zart und von sehr gutem Geschmack. Die große Portion hatte dank Quitten eine fruchtige Note. Obwohl für diese Speise Spätzle vorgesehen sind, wurde uns anstandslos auch ein Kartoffelpüree mit angenehmen Stücken dazu gereicht (14,50 Euro).

Zum Abschluss probierten wir den geschmorten Lavendelpfirsich, der leider etwas zu viel Saft verloren hatte. Allerdings war er hübsch anzusehen in seiner Nachbarschaft mit der grünen Minzsauce und den zwei Kugeln blauroten Waldbeerensorbets, die sehr gut und frisch zubereitet schmeckten. Wenn das Niveau der Sorgfalt in diesem Lokal gleich bleibt, hat es gute Aussichten, auf die Liste der Lieblingsorte in der Nachbarschaft zu gelangen.

Authentisches Berliner Nachbarschaftsrestaurant

Die Standardkarte ist aus naheliegenden Gründen äußerst klein, was ja eher als gutes Zeichen zu betrachten ist. Die Auswahl an Getränken ist ebenfalls nicht gerade übertrieben, zeigt aber denselben Sinn für das Besondere. Das herbe Eschenbräu Pils vom Fass aus der Weddinger Privatbrauerei M. Eschenbrenner wird Connaisseure mit Lust auf etwas Berlinerisches wohl kaum enttäuschen. Die Brauerei liefert ebenso den Birnen- und Apfelbrand als Digestif. Likörfreunden wird eine Auswahl der Preußischen Spirituosen-Manufaktur geboten. Abseits von Berliner Weiße und Eisbein könnte man hier seinen Hauptstadtbesuchern auf moderne und zivilisierte Art etwas Authentisches angedeihen lassen.

Die Weine des hiesigen Kreuzbergs fehlen zwar, jedoch vermissten wir sie nicht weiter beim frischen, offenen Rosé aus dem Languedoc-Roussillon (0,5 l = 9 Euro) und genauso wenig bei dem kräftigen südafrikanischen Merlot. Flaschenweine gibt es auch. Um ein solches Restaurant zu betreiben, ist Leidenschaft nötig. Wahrscheinlich sind hier auch Demonstranten gegen die sich immer weiter verbreitende Convenience-Kost gern gesehene Gäste. Wenn sich diese Art von Nachbarschaftsrestaurant weiter ausbreitete – das wäre erfreulich. Beinahe käme dann französisches Lebensgefühl auf.

Charlottenburg

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Quelle: Der Tagesspiegel
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