• Freitag, 22. März 2013

Experten erwarten lange Untersuchungen

Hubschrauber-Unglück am Olympiastadion

  • Hubschrauberunglück
    Hubschrauberwrack am Olympiastadion. Foto: dapd - ©Axel Schmidt

Im April soll ein erster Bericht zur Ursache des Hubschrauber-Unglücks am Berliner Olympiastadion vorliegen. Zwei Hubschrauber der Bundespolizei waren bei einer Anti-Hooligan-Übung verunglückt, dabei gab es mehrere Verletzte und einen Toten.

Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) will im April einen ersten Bericht zur Hubschrauber-Kollision am Berliner Olympiastadion vorlegen. Die Untersuchung zur Ursache werde aber längere Zeit dauern, sagte ein Sprecher der Behörde in Braunschweig am Freitag. Die BFU versuche, sie innerhalb von zwölf Monaten abschließen zu können. Die Pilotenvereinigung Cockpit hält Schneeverwirbelungen für einen möglichen Auslöser der Kollision.

Bei einer Großübung der Bundespolizei sind am Donnerstagvormittag zwei Hubschrauber mit mehreren Dutzend Beamten am Olympiastadion in Berlin verunglückt. Ein Pilot starb, vier Polizisten wurden schwer verletzt, mehrere weitere leicht.

Das Unglück ereignete sich gegen 10.30 Uhr auf dem Maifeld, gleich neben dem Olympiastadion. Drei Hubschrauber der Typen Puma und Eurocopter waren im Anflug, um eine Spezialeinheit der Bereitschaftspolizei abzusetzen, die gegen sich prügelnde Hooligans auf dem S-Bahnhof Olympiastadion vorgehen sollte - so sah es das Drehbuch vor. Zunächst landeten zwei Pumas kurz nacheinander auf dem Platz, auf dem etwa 20 Zentimeter Schnee lagen, sie wirbelten eine ungeheure Schneemasse auf, die Augenzeugen völlig die Sicht nahm. In jedem Helikopter saßen 20 bis 25 Polizisten.

Verhängnisvoller Fehler

Die letzte landende Maschine vom Typ Eurocopter 155 wartete offensichtlich nicht, bis sich das Schneegestöber nach den vorherigen Landungen gelegt hatte und versuchte ebenfalls zu landen. Dabei setzte sie höchstwahrscheinlich auf der zuerst gelandeten Puma auf. Über den genauen Hergang gibt es aber noch keinen genaueren offiziellen Informationen - jedoch kam der Pilot des Pumas, der zuerst gelandet war, dabei ums Leben.

Durch die Kollision der Maschinen kam es zu einem lauten Knall. Da sich die Rotoren der Maschine noch drehten, brachen diese auseinander und flogen in Fetzen viele Meter weit. Die Puma kippte um. Herumfliegende Hubschrauber-Teile zerstörten sogar einige Fensterscheiben des Olympiastadions. Aus dem Pulk der wartenden Beamten und Journalisten wurde ein Reporterin leicht verletzt.

Erst am Nachmittag konnte der getötete Pilot geborgen werden. Gestorben ist der Pilot der zweiten Maschine, 42 Jahre alt, der den Unfall nicht selbst verursacht hat. Die Feuerwehr sorgte den Tag über mit Löschschaum dafür, dass sich das ausgelaufene Kerosin nicht entzündet, am Abend räumte das Technische Hilfswerk die Unglücksstelle. Der dritte, unbeschädigte Helikopter konnte von dort weggeflogen werden. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), der sofort zur Unfallstelle geeilt war, sprach von einem "schrecklichen Unglück".  Auch Innensenator Frank Henkel und Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt informierten sich am Olympiastadion. Die Übung, an der 400 Polizisten teilnahmen, wurde abgebrochen, die Feuerwehr löste einen Großeinsatz aus.

Großeinsatz der Sicherheitskräfte

60 Kräfte der Feuerwehr sind im Einsatz gewesen, ebenso Sanitäter, die ohnehin zu den Hundertschaften der Bundespolizei gehören. Auf dem Maifeld musste ausgelaufenes Kerosin gesichert werden. Der große Kranwagen der Feuerwehr kam auch aufs Maifeld, um den Helikopter aufzurichten. Da die Unfallstelle erst von Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) begutachtet werden muss, wurde der Kran nicht eingesetzt. Das Olympiastadion ist bis auf Weiteres komplett gesperrt. Wie Innenminister Friedrich sagte, habe die Untersuchung der Absturzursache bereits begonnen.

Unter Flugexperten ist es ein bekanntes Problem, dass bei Landeanflügen oft so viel Schnee aufgewirbelt wird, dass dadurch die Sicht stark eingeschränkt wird. Hierzu gibt es sogar ein eigenes Forschungsprojekt. Möglicherweise sei es - im Vorhinein betrachtet - sogar sinnvoll gewesen, die Übung heute durchzuführen, da Helikopter auch bei grenzwertigem Wetter aufsteigen müssen, sagte ein Mitarbeiter der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung im Braunschweig, die den Unfall untersucht. "Wir tragen derzeit die Fakten zusammen, einen ausführlichen Bericht wird es aber erst in zwei Monaten geben."

Beide Hubschrauber sind allwetter- und nachtflugtauglich. Das schlechte Wetter am Donnerstag sei keine Hindernisgröße für den Einsatz der Maschinen bei der Übung gewesen, sagen Experten. "Dass Transportflüge auch bei schlechtem Wetter stattfinden müssen, ist selbstredend." Thomas Weber, der Polizeireporter von Radio Eins, war bei der Übung vor Ort. Er berichtete live im Radio von seinen ersten Eindrücken: "Es hat einen Zwischenfall gegeben." Während das Unglück passierte, hatten Hertha-Profis auf dem Olympiagelände trainiert. "Wir haben davon nichts mitbekommen", sagt Herthas Kapitän Peter Niemeyer.

Olympiastadion

Olympischer Platz 3
14053 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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