• Donnerstag, 25. Juli 2013

Theodor-Heuss-Platz

Angriff auf die Glaspyramide

  • Der Blaue Obelisk
    Himmelspyramide. Aus der Ferne sieht der Blaue Obelisk noch gut aus. Foto: Der Tagesspiegel - ©Thilo Rückeis

Westend - Beschossen, beworfen, bekleckert: Der Blaue Obelisk wurde einst aufgestellt, um den Theodor-Heuss-Platz aufzuwerten - heute ist er Ziel von Zerstörungswut. In Berlin ist das kein Einzelfall.

Die Angriffe kamen von allen Seiten. Jeweils mehr als 20 Treffer aus Süden und Westen, und aus Norden und Osten waren die Einschläge kaum weniger dicht. Mehr als 70 Löcher zählt man in den Glaswänden des "Blauen Obelisken" auf dem Theodor-Heuss-Platz in Charlottenburg, fast ausnahmslos im untersten, als Zielscheibe bequemsten Segment der sieben aufeinandergestapelten Quader - als sportliche Herausforderung haben die Kunstvandalen ihr zerstörerisches Treiben offenbar nicht begriffen.

Brunnen nach über 10 Jahren wieder eröffnet

"Sonst gibt es hier nichts mehr!"

Wedding
Ein Bild des Jammers. Im Internet findet man ein sogar fünf Jahre altes Foto, auf dem Spuren des Beschusses zu erkennen sind. Die Berliner Künstlerin Hella Santarossa, Schöpferin der 1995 der Öffentlichkeit übergebenen Brunnenanlage mit dem Obelisken als Mittelpunkt, hat aber den Eindruck, dass es immer mehr und die Risse größer werden. Kürzlich war sie wieder einmal auf dem Platz, hat ihr Werk inspiziert und war schockiert: "Schlimmer als gedacht."

Auch sonst ist die Anlage, einst Renommierobjekt zur Stadtverschönerung, in ihrer Ästhetik mittlerweile ziemlich eingeschränkt. Auf einer Seitenwand des Edelstahlsockels hat es erst kürzlich einen Einschlag gegeben, der das Metall zwar nicht beschädigte, aber der Inhalt des Wurfkörpers (Bier? Saft? Joghurt?) hat großflächige Spuren hinterlassen. Das Wasser des Brunnens ist von unappetitlichem Grün, und nicht mal ganz oben auf der blauen Spitze ist der Obelisk vor Verschmutzung sicher: Dort und an den Stufen der Glaspyramide haben Tauben ihren Stammplatz und kleckern alles voll.

Unklares Täterprofil

Einige der Löcher zeugen angeblich von einem Eifersuchtsdrama. Ein junger Mann hat Hella Santarossa vor einiger Zeit gestanden, die Pyramide beschossen zu haben, als sein Frust besonders heftig war. Aber die hohe Zahl der Treffer und vor allem ihr Ansteigen erklärt das nicht. Ausgelassene Teilnehmer früherer Loveparade-Umzüge vermutet die Künstlerin als Täter, vielleicht auch Fußballfans, die auf dem Weg vom Olympiastadion am Theodor-Heuss-Platz aus der U-Bahn quellen. Man kann sich da allerhand vorstellen: alkoholumnebelter Kopf, Enttäuschung über eine Niederlage - schnell möchte da der eine oder andere am liebsten etwas zerschmettern. Die naheliegende Vermutung aber, der Platz ziehe eine besondere, zu Vandalismus neigende Klientel an, wird von der Polizei zurückgewiesen. Aus ihrer Sicht sei er "kein Hotspot", heißt es.

Als der Obelisk am 22. September 1995 offiziell übergeben wurde, hatte er schon eine lange Vorgeschichte hinter sich. Bis 1980 reichten die Pläne zu einer Aufwertung des Platzes zurück, auf dem seit 1955 die Ewige Flamme des von den Landsmannschaften der deutschen Heimatvertriebenen aufgestellten Mahnmals brannte. Sie sollte bis zur Wiedervereinigung nicht verlöschen, wurde kurz danach aber erneut entzündet, zur Erinnerung an die Opfer von Flucht und Vertreibung. 1987 gewann Hella Santarossa den Wettbewerb für die Brunnenanlage, doch dauerte es noch einmal acht Jahre, bis der 15 Meter hohe Obelisk zu leuchten begann. Rund eine Million Mark kostete die Anlage, knapp ein Drittel hatte die Künstlerin über Sponsoren beschafft.

Die Künstlerin klagt auch über eine aus ihrer Sicht zu nachlässige Pflege der Anlage. So führt sie die Vorliebe der Tauben für ihr Werk auf die Verschmutzung der Absätze zwischen den sieben Quadern zurück. Sie habe dort extra schräge Aluminiumschienen angebracht, auf denen die Vögel keinen Halt finden sollen, was sie mittlerweile aber doch tun. Auch sollten die Bäume auf dem Platz mal wieder gestutzt werden, die den Blick auf ihr Werk behinderten.

Adresse

Theodor-Heuss-Platz
14052 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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