• Mittwoch, 21. November 2012
  • von Nikolaus Triantafillou

Runder Tisch zum Stutti

Das alte Lied mit den Drogen

  • Stuttgarter Platz Charlottenburg
    Auf den ersten Blick ganz harmlos: Der Stuttgarter Platz am Bahnhof Charlottenburg. Foto: QIEZ - ©QIEZ

Am Stuttgarter Platz wird seit Jahrzehnten Rauschgift konsumiert, häufig ist das Problem für die Öffentlichkeit sichtbar. Bei einem Runden Tisch im Rathaus Charlottenburg wollten sich Verantwortungsträger, Sozialarbeiter und Anwohner über das zukünftige Vorgehen verständigen - was sich als nicht einfach erwies.

Im ehemaligen BVV-Saal des altehrwürdigen Rathauses Charlottenburg fanden sich am Mittwochnachmittag über 40 Menschen ein, um ein ebenfalls nicht mehr ganz junges Thema zu diskutieren: die Drogenszene am Stuttgarter Platz. Unter den Teilnehmern des Runden Tisches waren die Drogenbeauftragte des Senats Christine Köhler-Azara, Bezirkspolitiker, Vertreter der Polizei, Sozialarbeiter und betroffene Anwohner, die sich teilweise in Bürgerinitiativen mit der Problematik auseinandersetzen. In einem Punkt herrschte Einigkeit: Die Situation hat sich in den vergangenen Jahren verschlimmert, nachdem die Drogenszene vom Bahnhof Zoo weitgehend vertrieben wurde. Der Stuttgarter Platz ist ein überregional genutzter Drogenumschlagplatz; am örtlichen Spritzenautomaten wird mehr umgesetzt als am Kottbusser Tor.

Nach Angaben der Polizei-Vertreter findet die Verteilung des Rauschgifts vor allem über die U-Bahnlinie U7 statt, die Charlottenburg in Nord-Süd-Richtung durchkreuzt. In den angrenzenden Grünflächen würden die Drogen im Sommer konsumiert. Über die Einschätzung dieser Tatsache gab es jedoch Meinungsverschiedenheiten: Während Anwohner den halb-öffentlichen Drogenkonsum in Büschen und am Bahndamm als ein Problem der gefühlten Bedrohung anprangerten, zweifelte der für Stadtentwicklung und Ordnungsangelegenheiten zuständige Bezirksstadtrat Marc Schulte (SPD) das tatsächliche Gefahrenpotenzial für Unbeteiligte an. Er selbst fühle sich eher von einer Gruppe alkoholisierter Jugendlicher bedroht als von den Fixern.

Gegenseitige Vorwürfe

In der Diskussion tauchten weitere Differenzen auf, die eine Einigung erschwerten. Während die Drogenbeauftragte Köhler-Azara darauf hinwies, dass der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf viele soziale Angebote für Abhängige nicht mehr finanziere, forderten anwesende Bezirkspolitiker Geld vom Senat für einen Druckraum zum sicheren Drogenkonsum. Bestärkt wurden sie von Astrid Leicht vom Verein Fixpunkt, der zweimal pro Woche mit seinem 'Konsum-Mobil' am Stuttgarter Platz präsent ist und die Süchtigen betreut. Leicht sprach von einem Landesproblem. Es gebe viel zu wenige soziale Angebote: "Mit unserem Mobil sind wir nicht mehr als ein Feigenblatt."

Doch selbst praktische Hilfen wie der örtliche Spritzenautomat sind umstritten, mehrere anwesende Anwohner forderten dessen Abschaffung. Ein Vertreter der Bürgerinitiative Gervinusstraße ging so weit, eine komplette Verlagerung der Drogenszene mit Unterstützung der Polizei zu verlangen - die Anwohner am Stuttgarter Platz hätten mit der Situation schon viel zu lange, 20 Jahre, leben müssen.

Kritik an der Bahn

Auf einen Mitschuldigen konnten sich jedoch alle einigen: Die Deutsche Bahn als Betreiberin des Bahnhofs Charlottenburg täte zu wenig, um den Problemen Herr zu werden. Sozialstadtrat Carsten Engelmann (CDU) rügte, die Bahn kümmere sich nicht genug um das Erscheinungsbild von Bahndamm, Gleisanlagen und der Unterführung Wilmersdorfer Straße. Statt beispielsweise zügig für mehr Beleuchtung zu sorgen, würde über technische Details diskutiert. Die Stadträte Engelmann und Schulte waren sich einig, dass Helligkeit und ein ordentliches Straßenbild helfen könnten, den öffentlichen Drogenkonsum zu reduzieren. Die Bahn hatte ihre Teilnahme am Runden Tisch wegen einer Terminüberschneidung abgesagt.

Norbert Wittke (SPD), Moderator der Veranstaltung und Vorsitzender im Sozial- und Gesundheitsausschuss der Bezirksverordnetenversammlung, zeigte sich nicht zufrieden mit den Ergebnissen der Diskussion. Das greifbarste Resultat dürfte die wohlwollende Prüfung der Einführung eines Drogen-Konsumraums sein. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass der Senat die Finanzierung in seinen Haushalt 2014/15 einfließen lässt.

 

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Adresse

Stuttgarter Platz
10627 Berlin

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Quelle: QIEZ
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