• Donnerstag, 03. Mai 2012

Geplanter Neubau

Turbulenzen ums Ku’damm-Karree

  • Das Ku’damm-Karree
    Das Ku’damm-Karree soll für rund 500 Millionen neu gestaltet werden. Nun hat der Investor allerdings finanzielle Probleme und sucht einen neuen Partner. Foto: Der Tagesspiegel - ©Doris Spiekermann-Klaas

Seit Jahren wird um den geplanten Neubau des mängelbehafteten Ku’damm Karrees in Charlottenburg diskutiert. Jetzt gibt es weitere Schwierigkeiten: Investor Ballymore ist in finanzieller Not. Ein Shoppingcenter-Konzern könnte als möglicher neuer Hauptgeldgeber fungieren. Am neuen Theater soll gespart werden.

500 Millionen Euro kostet die Neugestaltung des Ku’damm-Karrees mit dem Theater und der Komödie am Kurfürstendamm. Doch nach Tagesspiegel-Informationen gibt es neue Turbulenzen um das Projekt: Wegen möglicher Änderungen am Umbaukonzept ist es zum Bruch zwischen dem irischen Investor Ballymore und dem deutschen Projektsprecher Armin Huttenlocher gekommen, der vier Jahre lang bei Gesprächen mit Bezirkspolitikern, der Kulturverwaltung und Theaterintendant Martin Woelffer vermittelt hatte.

Aufgrund der Wirtschaftskrise ist Ballymore finanziell stark angeschlagen und sucht seit Dezember einen Co-Investor. Dieser sollte dem Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf bis Ostern präsentiert werden. Doch das passierte nicht. In der Zeitung "Irish Times" gab Ballymore-Vorstand Paul Keogh den Juni als Termin an. Sein Unternehmen werde Minderheitsgesellschafter. Laut dem Bericht macht die staatliche irische "Bad Bank" Nama, die Kredite des Investors verwaltet, Druck.

Mehr Geld für Shoppingflächen, weniger fürs Theater

Pläne des Stararchitekten David Chipperfield für das Ku’damm-Karree sehen vor, die zwei Boulevardtheater abzureißen. Den Entwürfen zufolge erhielte Woelffer eine neue Bühne in der dritten Etage und einen Eingang unten am Ku’damm. Eine Freiluftpassage mit Läden und Lokalen soll in die Uhlandstraße münden und eine weitere Passage im Inneren entstehen. Die neuen Interessenten wollen die Einzelhandelsfläche dem Vernehmen nach vergrößern. Beim neuen Theater sollen hingegen Kosten gespart werden. Wie der Tagesspiegel erfuhr, steht Ballymore unter anderem in Verhandlungen mit der ECE-Gruppe. Die ist Europas größter Shoppingcenterkonzern und betreibt in Berlin bereits neun Zentren von den Potsdamer-Platz-Arkaden bis zu den Gropius-Passagen. "Wir prüfen grundsätzlich immer alle den Einzelhandel betreffenden Investitionsmöglichkeiten in Berlin“, man wolle diese aber "nicht im Einzelnen kommentieren", sagte ein ECE-Sprecher.

Laut Baustadrat Marc Schulte (SPD) handelt es sich "auch um eine Neuorientierung, alle bisherigen Planungen stehen auf dem Prüfstand". Der Bezirk werde sich dazu "bis zum Sommer deutlich äußern". Den Bühnen müsse laut einem BVV-Beschluss ein geeigneter Neubau errichtet und eine Ersatzspielstätte für die Umbauzeit gefunden werden. Schulte bestätigte, dass sich Ballymore und Huttenlocher nicht einvernehmlich getrennt haben.

Mit einem baldigen Neubau ist nicht zu rechnen

Nach außen hin wahren alle Beteiligten die Form: Auf Nachfrage erklärte Huttenlocher, der das Berliner Büro der PR-Agentur Fleishman-Hillard leitet, er habe einen Konflikt "zu einer Lösung gebracht, von der viele gesagt hatten, sie sei nicht erreichbar." Chipperfield setze architektonisch und städtebaulich "faszinierende Akzente". Nach der von Ballymore akzeptierten Lösung würde der Theaterbetrieb "für mindestens 20 weitere Jahre gesichert". Ballymore teilte mit, man habe Huttenlocher "nur als Lobbyisten engagiert", das Arbeitsverhältnis sei beendet. Auch das Berliner Büro des Architekten Chipperfield reagierte wenig auskunftsfreudig. Zu Gerüchten, man halte seit Monaten keinen Kontakt mehr mit Ballymore, erklärte eine Sprecherin: "Wir stehen nach wie vor in Kontakt mit unserem Bauherrn". Weitere Auskünfte seien dessen Angelegenheit.

Ein baldiger Neubau des großenteils leer stehenden Gebäudekomplexes aus den 70er Jahren ist also kaum absehbar. Woelffer hat eine "normale Spielzeitplanung" bis 2013 und erste Stücke für 2014 organisiert. Der Intendant bleibt gelassen angesichts der Entwicklung. "Wir werden sehen." Allerdings gibt es Probleme mit der Bausubstanz, da Reparaturen ausbleiben.

Ballymore soll das Karree 2007 für mindestens 155 Millionen Euro gekauft haben, in der Immobilienbranche galt dies als überteuert. Auf der anderen Seite kann der Wert steigen, da der Ku’damm mit seinen vielen Bauprojekten einen Aufschwung erfährt. Die Iren sollen sich in ihren Verhandlungen mit Finanzierungspartnern ein Rückkaufrecht für die Mehrheit der Anteile erbeten haben – im Falle, dass sie später wieder zahlungskräftiger sind.

Ku’damm-Karree

Kurfürstendamm 206-209
10719 Berlin

Zum Eintrag

Entdecke deinen Kiez mit unserer Karte! aufklappen

 
Quelle: Der Tagesspiegel
Möchten Sie einen Beitrag schreiben oder eine Bewertung vornehmen?
Weitere Artikel zum Thema "Wohnen & Leben"

Wohnen & Leben

Dein Urlaubsplaner für die Brückentage

Dein Urlaubsplaner für die Brückentage

Die erste gute Nachricht ist, dass jeder Feiertag 2018 auf einen Werktag … mehr Berlin

Wohnen & Leben

Darum ist der Teutekiez am schönsten

Darum ist der Teutekiez am schönsten

Oderberger Straße, Kastanienallee und Weinbergspark kennt doch eigentlich … mehr Mitte, Prenzlauer Berg

Grünes Berlin

Diese Insel ist noch lange nicht out!

Diese Insel ist noch lange nicht out!

Die Pfaueninsel hat Besucher verloren. Viele Besucher. Wir konnten uns … mehr Zehlendorf

Wohnen & Leben

Geniale Arbeitserfahrungen im Ausland

Geniale Arbeitserfahrungen im Ausland

Jeden Tag werden zwei Start-ups in Berlin gegründet. Damit du die … mehr Berlin

TOP-LISTEN

Urban Gardening in Berlin

Urban Gardening in Berlin

Mit den ersten Sonnenstrahlen startet endlich die Gartensaison. Auch wer … mehr Berlin

Wohnen & Leben

Sex-Boxen und Dixis statt Sperrbezirk: ein Anfang?

Sex-Boxen und Dixis statt Sperrbezirk: ein Anfang?

Der Senat will keinen Sperrbezirk, der Bezirksbürgermeister Stephan von … mehr Schöneberg

Artikel versenden

Geben Sie hier die E-Mail-Adresse des Empfängers ein (z.B. name@xyz.de).
Mehrere Empfänger werden durch Kommata getrennt.

* Pflichtfelder

Hast Du bereits ein QIEZ-Benutzerkonto? Melde Dich hier an.

ODER
Falls Sie sich mit Ihrem Facebook-Konto auf Qiez.de registriert haben, klicken Sie auf den nebenstehenden Button, um sich mit Ihrem Facebook-Konto anzumelden.

Passwort zurücksetzen