Checkpoint Charlie

Kulturkampf entbrannt

Kulturkampf entbrannt
Aktuell steht auf dem Grundstück eine Black Box. Das Infocenter informiert über das geplante Museum
Die CDU will kein Museum des Kalten Krieges am Checkpoint Charlie. Stattdessen haben sie einen Ideenwettbewerb für alle Bürger ausgerufen. Die SPD hingegen befürwortet das bisherige Konzept.

Um die Gestaltung des Areals Rund um den ehemaligen Checkpoint Charlie ist ein Kulturkampf zwischen den Regierungsparteien SPD und CDU ausgebrochen. Am Freitagabend lehnte der Landesparteitag der CDU die bisherige – von der SPD bevorzugte – Planung für das historische Gelände Friedrich-, Ecke Zimmerstraße offiziell ab. In der vom Parteitag verabschiedeten Erklärung heißt es, dass die Union „bezweifelt, dass das von der Senatskulturverwaltung mit Steuergeld geförderte Museum des Kalten Krieges mit seiner Einstiegsbox eine tragfähige und angemessene Lösung für den Checkpoint Charlie darstellt.“

Zank um das Touristen-Mekka

Am Samstag wollen den historischen Ort so viele Touristen sehen, dass Autofahrer dort angesichts der Massen fast Schrittgeschwindigkeit fahren. Feixende Jugendliche posieren vor jüngst bemalten Mauerteilen, Reisebusse stauen sich, Urlauber kaufen fliegenden Händlern Militärmützen ab. „Das ganze Souvenirangebot überrumpelt einen aber“, sagt Daniel Barth, 38, aus dem Emsland. „Der Ort schafft es nicht, einem bewusst zu machen, was hier früher passiert ist.“ Der Meinung ist auch die CDU. „Angesichts des trostlosen Zustandes“ beschloss die Union einen Ideenwettbewerb, bei dem Bürger Vorschläge machen können, wie das Areal am Checkpoint Charlie gestaltet werden soll. Zudem soll der geplante Umzug des Alliierten-Museums von Zehlendorf zum alten Flughafen Tempelhof dafür genutzt werden, dieses Museum zu einem „Museum der Freiheit“ weiterzuentwickeln, in dem Ost-West-Konflikt und Kalter Krieg stärker im Vordergrund stehen.

Der Koalitionspartner reagiert verärgert auf die Absage an das geplante Museum am Checkpoint Charlie. „Wir werden dafür kämpfen, dieses Museum an diesem Ort zu bekommen“, sagt die kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Britte Lange. Aktuell ist auf dem Grundstück östlich der Friedrichstraße ein Black Box genannter und vom Land finanzierter temporärer Veranstaltungsbau zu finden. Er ist ein Vorläufer des bislang vom Senat geplanten Museums zur Ost-West-Konfrontation.

Das ist doch auch keine Zwischenlösung

Die argentinische Touristin Marta Pozas findet die Infotafeln im Black-Box-Areal jedenfalls zu dürftig, „um die Geschichte nachvollziehen zu können“. Die Architektin würde hier ein deutsch-deutsches Museum bauen mit einem „Park zum Ausruhen“. Irische Urlauber wünschen sich ein Visitor Center wie in den USA. Ab Mitte Juni sollen in der Black Box Events stattfinden, im Landeshaushalt 2012 sind dafür 100.000 Euro veranschlagt. SPD-Politikerin Lange: „Das wird auch so realisiert.“

Die CDU möchten den Ort allerdings anders nutzen. Sie hält das Checkpoint-Charlie-Museum für ausreichend. Es habe sich als „international anerkanntes und erfolgreiches privat finanziertes Museum“ einen Namen gemacht. Die zeitweilige Nutzung des Areals westlich der Friedrichstraße durch Imbisscontainer war der Union aber ein Dorn im Auge. Diese hat der Bezirk jetzt verboten, weil sie ohne Baugenehmigung aufgestellt wurden. „Wir können uns aber eine repräsentativere Zwischenlösung mit Gastronomie vorstellen“, meinte Baustaatssekretär Ephraim Gothe (SPD). Am Sonnabend stehen Touristen enttäuscht vor den sechs Snackcontainern aus Glas. Bubble-Tee, Asiagerichte, Currywurst – nichts zu holen, überall sind die Rollläden heruntergelassen. Stefano Pieroni, 32, und Pierpaolo Pietrini, 33, aus Mailand sind enttäuscht, dass keiner mehr die Fahrräder vermietet. „Klar, ästhetisch überzeugen die Pavillons nicht, aber der Service muss doch trotzdem geboten werden.“


Quelle: Der Tagesspiegel

Mauermuseum - Haus am Checkpoint Charlie, Friedrichstraße 43-45, 10969 Berlin

Telefon 030 2537250
Fax 030 2512075

Webseite öffnen
E-Mail schreiben


täglich 9 bis 22 Uhr

Mauermuseum - Haus am Checkpoint Charlie

Weitere Artikel zum Thema

Sehenswürdigkeiten
Iren geben sich nicht geschlagen
Die irische Cannon Kirk-Group will um zwei Gelände am Checkpoint Charlie kämpfen. Die drohende Zwangsversteigerung […]
Sehenswürdigkeiten
Stiefkind Grenzposten
Eine Zwangsversteigerung bedroht die Pläne für ein Museum des Kalten Krieges an der Friedrichstraße. Dem […]
Essen + Trinken | Shopping + Mode | Kultur + Events
Top 10: Wildfleisch kaufen in Berlin
Es ist eine besondere Spezialität und liegt nicht bei jedem Supermarkt in der Theke: Wildfleisch […]