Schachboxen

Chess Boxing Club: Aus Berlin in die ganze Welt

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Schachboxen ist eine noch recht junge Sportart, die trotzdem bereits eine große Fangemeinde hat. Die Faszination liegt vor allem in der Kombination zweier so unterschiedlicher Disziplinen.

Der Berliner Chess Boxing Club ist nicht nur der Geburtsort dieses außergewöhnlichen Sportes, sondern auch heute noch ein zentraler Schauplatz für beliebte Events dieser außergewöhnlichen Sportart.

Schach und Boxen: Passt das zusammen?

Auf den ersten Blick haben Schach und Boxen nicht viel gemeinsam. Eine kombinierte Sportart aus beiden Disziplinen scheint wenig sinnvoll. Und doch hat sich das Schachboxen seit seiner Entstehung von Berlin aus in die ganze Welt verbreitet.

Jede Disziplin ist ein Klassiker. Das heutige Boxen geht auf die antiken Faustkämpfe zurück, für die es bereits 3.000 v. Chr. im antiken Ägypten erste Nachweise gibt. Der heute bekannte Sport basiert auf dem so genannten Queensberry-Boxen, das sich im England des 17. und 18. Jahrhunderts entwickelt hat. Der endgültige Durchbruch als Profisport gelang bei den Olympischen Spielen 1904 in St. Louis, wo das Boxen erstmals als Olympische Disziplin vertreten war. Heute gehört der Boxsport zu den verbreitetsten Disziplinen und die großen Events gehören in das Portfolio jedes seriösen Wettanbieters.

Die Brücke zum Schach, das als Königsdisziplin im Denksport gilt, wird erst bei näherer Betrachtung erkennbar. Der ehemalige Profiboxer Vitali Klitschko hat bereits darauf hingewiesen, dass beide Disziplinen ein hohes Konzentrationsvermögen erfordern und es erfordern, sich innerhalb kürzester Zeit auf den Gegner einzustellen und die passende Strategie für die Auseinandersetzung mit seinem Gegenüber zu entwickeln.

Die kognitiven Fähigkeiten beider Disziplinen sind sich also sehr ähnlich. „Die Sportarten sind sich gar nicht so fremd“, sagt David Pfeifer, Trainer beim Verein Chess Boxing Club Berlin (CBCB), im Gespräch mit dem Spiegel. „Beide sind extrem taktisch und aggressiv. Und Schachspieler mögen es, den Gegner zu dominieren und ihm ihren Willen aufzuzwingen, wie Boxer.“

Der besondere Reiz für Sportler und Publikum liegt in dem schnellen Wechsel zwischen Vollkontakt- und Denksport, der in jeder neuen Runde erfolgen muss. Hier bringen Schachboxer beeindruckende Fähigkeiten mit, die die Sportart zu einem echten Kunstkniff machen.

Chess Boxing Club: Die Wiege des Schachboxens steht in Berlin

Das Schachboxen ist untrennbar mit Berlin verbunden. In der Hauptstadt steht die Wiege dieser ungewöhnlichen Kombinationssportart. Die Idee hatte der niederländische Aktionskünstler Iepe Rubingh, der 2003 den ersten Schaukampf in Berlin ausführte und dort nur ein Jahr später den Chess Boxing Club als ersten Schachboxverein der Welt gründete. Die Inspiration zu diesem Experiment zog der inzwischen verstorbene Visionär aus dem französischen Comic Froid Équateur.

2003 wurde in Berlin auch die World Chess Boxing Organisation (WCBO) gegründet, die noch im selben Jahr den erste Weltmeisterschaftskampf im Schachboxen in Amsterdam ausrichtete. Von Berlin aus verbreitete sich der ungewöhnliche Sport schließlich in die ganze Welt. Auch hier war Iepe Rubingh mit großem Engagement beteiligt. „Iepe war im Iran, in Indien, in den USA, in Finnland, in Frankreich, Italien, der hat den Sport auf der ganzen Welt promotet“, sagt Josef Galert, der den Chess Boxing Club Berlin als Vorstand unterstützt.

Im Zentrum des Chess Boxing Clubs stehen neben der Liebe zu einer interessanten Sportart auch eine umfassende Philosophie und gemeinsame Werte, die im Training gelebt werden. Es geht um eine geglückte Kombination aus Denksport und Kampfsport, um spielerisches Denken und Handeln, um gegenseitiges Unterstützen, um den Ansporn. Es geht um körperliche und geistige Fitness, um die Kontrolle des Adrenalins in Drucksituationen, um pfeilschnelles Schlagen und rasantes Ziehen. So definiert der Chess Boxing Club Berlin auch heute noch das gemeinsame Engagement seiner Mitglieder.

Die Regeln beim Schachboxen

Da beim Schachboxen zwei sehr unterschiedliche Disziplinen aufeinandertreffen, sind auch die übergeordneten Regeln eines Zusammentreffens eher komplex. Sowohl für die ausgetragene Schachpartie als auch für den Boxwettkampf gelten die grundsätzlichen Regeln der jeweiligen Disziplin.

Eine Begegnung im Schachboxen wird zwischen zwei Kontrahenten ausgetragen, die in derselben Gewichtsklasse eingeordnet sind. Jeder Wettkampf umfasst 11 Runden, von denen 6 Runden auf Schach und 5 Runden auf Boxen entfallen. Den Beginn macht eine Schachrunde und da beide Disziplinen im Wechsel ausgetragen werden, endet der Wettkampf auch auf dem Schachbrett.

Eine Schachrunde wird über 4 Minuten ausgetragen. Gespielt wird die Partie als Schnellschach mit 12 Minuten Bedenkzeit pro Spieler. Die Bedenkzeit darf in den sechs Schachrunden zu je vier Minuten aufgebraucht werden. Ist die Bedenkzeit eines Spielers abgelaufen, verliert er durch Zeitüberschreitung. Eine Boxrunde umfasst 3 Minuten. Zwischen beiden Disziplinen liegt jeweils eine Pausenzeit von einer Minute, in der die Kontrahenten die Boxhandschuhe an- oder ablegen können.

Für die Wettkampfentscheidung wird jede Runde separat gewertet. Beim Boxen können die Kämpfer durch KO oder einen Kampfabbruch durch den Schiedsrichter gewinnen. Ein technischer KO nach Punkten wird miteinbezogen, wenn es auf dem Schachbrett zum Remis kommt oder wenn der Kampf durch technischen KO vorzeitig beendet werden kann. Wird der Kampf in einer von beiden Partien durch einen Kontrahenten entschieden, ist die Begegnung vorbei.

Die Schachpartie wird klassisch durch ein Schachmatt gewonnen oder durch die Zeitüberschreitung eines der beiden Kontrahenten. Auch eine Aufgabe in beiden Disziplinen ist möglich. Kommt es zum Remis, entscheidet die Punktewertung im Boxen über Sieg und Niederlage. Kann auch hier nur ein Unentschieden festgestellt werden, wird der Spieler zum Sieger ernannt, der die schwarzen Schachfiguren geführt hat. Dieses Ergebnis ist aber nur eine theoretische Möglichkeit und wurde in der gesamten Geschichte des Schachboxens noch nicht angewendet.

Im Dezember winkt die WM

Eines der größten Ereignisse im Schachboxen steht noch in diesem Jahr bevor. Anfang Dezember wird die Weltmeisterschaft im Schachboxen auf Sizilien ausgetragen. Die erste Schachboxen-WM fand am 03. November 2007 in Berlin statt. In der Tape Gallery trafen erstmal Gegner aus der ganzen Welt aufeinander und trugen einen spannenden Wettbewerb aus. Bis 2013 fand die WM im Schachboxen unter der Schirmherrschaft der World Chess Boxing Organisation (WCBO) statt. Seit 2013 ist die Chess Boxing Global GmbH für die Ausrichtung verantwortlich.

Genau wie im regulären Profiboxen treten auch bei der Schachboxen-WM männliche und weibliche Sportler in der jeweiligen Gewichtsklasse gegeneinander an. Hierfür hat die Chess Boxing Global GmbH für den Profibereich folgende Einteilungen festgelegt:

Damen:

Leichtgewicht: bis 55 kg

Mittelgewicht: bis 65 kg

Halbschwergewicht: bis 75 kg

Schwergewicht: ab 75 kg

Herren:

Leichtgewicht: bis 70 kg

Mittelgewicht: bis 80 kg

Halbschwergewicht: bis 90 kg

Schwergewicht: ab 90 kg

Die Teilnahme ist ab einem Alter von 17 Jahren möglich.

Nach einem Jahr unfreiwilliger Pause kann die Weltmeisterschaft in diesem Jahr Anfang Dezember voraussichtlich wieder ausgetragen werden. Gastgeber ist in diesem Jahr Sizilien. Auch ein Team des Chess Boxing Clubs Berlin wird im Dezember im Ring und am Schachbrett um den Titel kämpfen.

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