Durch den Kiez

Christoph Letkowski: "Glückstag? Nein, das ist Friedrichshain!“

Christoph Letkowski:
High Five? Der Volkspark Friedrishain ist Christophs Longboard-Teststrecke. Zur Foto-Galerie
Er ist auf vier Rollen genauso gut wie zu Fuß: Christoph Letkowski, leidenschaftlicher Longboard-Fahrer, Schauspieler und Musiker nimmt uns mit auf eine sportliche Tour von Mitte nach Friedrichshain. Komm mit!

Vor genau zehn Jahren hat Christoph Letkowski sein erstes Engagement an der Berliner Volksbühne angetreten. Gemeinsam mit Schauspielkollege Tom Wlaschiha (bekannt mitunter aus Game of Thrones) spielte er in einer Operette namens Frühling. „Tom und ich hatten blaue Kostüme aka Ganzkörperkondome an und sangen uns jeden Abend ins Gesicht“, erzählt uns der 35-Jährige, nachdem wir uns an dem berühmten Berliner Theater am Rosa-Luxemburg-Platz getroffen haben.

An den Anruf zum Vorspiel erinnert sich Christoph noch gut: „Ich war gerade mitten im Umzug nach Friedrichshain, also in die Nähe der Spielstätte – das war wohl Vorhersehung.“ Da es schnell gehen musste, drückte er seinem Vater den gerade ausgeladenen Kühlschrank in die Hand mit den Worten: „Vati – es geht um alles.“ Das hat sich ausgezahlt. Heute ist Christoph neben dem Theater auch in den Krimi-Reihen Tatort und Nachtschicht zu sehen. Aber auch im Kino beweist er sein Können, ob nun in der Buchverfilmung Feuchtgebiete (2013) oder in dem demnächst erscheinenden Psycho-Thriller Die Vierhändige (ab November 2017).

Ohne Rad aber mit Christoph! 2007 hatte er an der Volksbühne seinen ersten Auftritt.

Sein rundes Jubiläum an der Volksbühne feiert Christoph mit einem Musikvideo für seine Band Von Eden. Drehort: Die Kantine im Theater. Regisseur: Christoph. Und Hauptdarsteller: Klar – Tom, der aktuell in dem Thriller Berlin Falling zu sehen ist.

Hartes Erbe und Männer-WG

Bei dem Dreh zur Single Mein Ende begegnete ihm auch der neue umstrittene Intendant Chris Dercon auf dem Gang. Christoph kann die Entscheidung, Castorfs Erbe in seine Hände zu geben, nicht nachvollziehen. „Bei der Historie des Hauses hätte der Senat seine schützende Hand darüber halten sollen. Man darf aus der Volksbühne kein Gastspielhaus machen. Martin Wuttke (Schauspieler) sagte einmal ‚DAS ist das Theater‘ – ich sehe es auch so. Eine Chance würde ich Dercon allerdings geben.“

Wir steigen ein, und zwar in den VW-Bus von Christoph, um eine Runde mit dem Longboard im Volkspark Friedrichshain zu drehen. Der Park liegt nur wenige Gehminuten von seiner WG mit Kumpel und Schauspielkollegen Steve Windolf entfernt – hier landete auch der besagte Kühlschrank. Sonst sitzen in dem Wagen die anderen drei Bandmitglieder und langjährigen Freunde von Christoph: Matthias Preisinger (Violine), Philipp Rohmer (Bass) und Nicolai Ziel (Schlagzeug), um gemeinsam zu Auftritten zu fahren.

„Die Geschichte der Band fing so richtig mit dem Soundtrack zu Feuchtgebiete an, hier haben wir einen Song beigesteuert“, erzählt Christoph. Das ist nun rund vier Jahre her. Musik macht er allerdings schon, seit er zehn Jahre alt ist, und hat auch schon in einigen Bands gespielt. Mit Von Eden wird es nun aber Ernst: Das Debütalbum ist vor Kurzem rausgekommen und sie spielen ab September eine Tour.

Seinen schon bekannten Namen für das neue Projekt Von Eden zu nutzen war für den Sänger und Texter aber keine Option. „Ich will das lieber trennen. Wir wollen mit dem was wir tun eine musikalische Relevanz erzeugen. Das ist ein langer Weg, aber solange es aus dem Herzen kommt und du nicht anders kannst, wird das schon seine Richtigkeit haben.“ Davon ist er überzeugt, selbst ohne Major-Label an der Seite.

Auf der Fahrt bekommen wir eine stimmliche Kostprobe von Christoph, aber nicht wie wir uns das vorstellen: Statt einem Song kriegen wir Werbe-Slogans à la Hollywood-Trailer zu hören. Wir sehen schon Arnold Schwarzenegger und Co. neben uns im Sitz. Einmal in einem Hollywoodfilm mitspielen? Das ist nicht unbedingt das Ziel des Mittdreißigers, schließlich „müsste ich ja alles hier aufgeben. Meine Motivation ist nicht, reich und berühmt zu werden. Außerdem glaube ich an den deutschen Film.“

Mittlerweile haben wir die Boards geschultert und suchen uns ein gutes Plätzchen für einen Testlauf. Dabei kommen wir an einer Skate-Rampe vorbei: „Hier habe ich meinen ersten Kurzfilm gedreht, da ging es um Seifenkisten-Rennen.“ Bei so viel Sportsgeist im Blut wundern wir uns dann auch nicht, dass Christoph den nahe gelegenen Kletterstein anvisiert. Klettern und Abkürzungen nehmen, das hat er vor einigen Jahren für den Film Parkour gelernt und wählt nach eigener Aussage bis heute lieber den kürzesten Weg, trotz mittlerweile lädiertem Knie: „Ich habe einen Meniskusriss zweiten Grades. Longboard fahren oder Kitesurfen funktioniert aber gut.“

„Das Leben ist für mich Beziehung“

Wenn er mal länger Zeit hat, dann geht es für den Mann mit Bier-Phobie deshalb auch ans Meer. Ob nun nach Sankt Peter-Ording oder nach Greifswald an die Ostsee. Hauptsache Wakeboard unter den Füßen und frischen Wind um die Nase. So ein Brett ist auch eine praktische Sitzgelegenheit, wie wir im Volkspark merken. So können wir uns direkt unter Christophs Lieblingsweide setzen. Er selbst beschreibt sich als Romantiker und das findet sich auch wieder in den Texten der Band. Von Edens Sound würde Christoph als Folk-Pop mit vielen Einflüssen wie zum Beispiel Rock beschreiben. „In unseren Texten geht es um Beziehungen. Denn Leben ist für mich Beziehung. Egal, ob nun Liebesbeziehung oder das Verhältnis zu Freunden, Familie oder im gesellschaftlichen Kontext. Kommunikation an sich ist auch Beziehung, wobei ich nie auslerne“.

Auf der Bühne flachst er schon mal ganz gerne mit seinen Bandkollegen und auch mit uns.

Der Schauspieler und Musiker wurde in Halle geboren und wuchs in Sachsen-Anhalt in einem 1000-Seelen-Dorf auf. Seine Jugend dort beschreibt er als nicht immer leicht, denn „wir waren zugezogen, meine Eltern Ärzte und ich war der einzige Punk, den es dort gab.“ Immer wieder wurde er von Rechtsextremen zusammengeschlagen, erinnert sich Christoph. Nach einer Zeit beim Bund und einem Engagement am Theater in Potsdam im Alter von 19 Jahren fing er wenig später eine Schauspielausbildung in Leipzig an. 2006 ging es dann in die Hauptstadt, weil schon viele Freunde dort lebten. Eine seiner ersten Stationen war das Kinder- und Jugendtheater Grips, wo er in dem Klassiker Linie 1 mitspielte.

Frozen Yoghurt, Cider und Boards

Ein surrendes Geräusch umgibt uns – mit das Schönste, was man bei 31,5 Grad Außentemperatur im Großstadtdschungel hören kann – nämlich die Kühlung. Wir haben den Volkspark gegen den Simon-Dach-Kiez getauscht und bestellen uns kalte Leckereien bei Moono Frozen Yoghurt. Wichtig für Christoph: ganz viel Fruchtsoße. Zur Feier des Tages bekommt er sogar ein Topping von dem freundlichen und um keinen Spruch verlegenen Besitzer: „Glückstag? Nein, das ist Friedrichshain“, antwortet uns Christoph mit überzeugenden Unterton.

Das gleich daneben liegende Café Dachkammer mit Balkon ist Christophs absoluter Lieblingsspot, um sich mit Freunden zu treffen. Zum Lunch verabredet er sich gerne in dem Restaurant Plusminusnull. „Hier treffe ich mich öfters mit unserem Gitarrendoktor Alex, der übrigens auch gerne mal Gitarren für James Hetfield von Metallica und Slash von Guns n’ Roses baut.“

Unsere letzte Station in Friedrichshain führt uns in das Longboard-Fachgeschäft Lassrollen in der Grünberger Straße. Besitzer Tom und Christoph kennen sich schon vier Jahre, dementsprechend herzlich ist die Begrüßung. Bei einem Cider beginnen recht schnell die Fachgespräche: Bareknuckle, Tails, Surf-Skate: Die beiden verstehen sich. Tom erzählt von einer neuen limitierten Version: „Davon gibt es nur drei in Europa“, erklärt er dem Schauspieler. „Damit kriegt er mich immer“, entgegnet Christoph fröhlich. In diesem Sinne, lass rollen, Christoph!

Aktuell kannst du Christoph im Kino neben Jessica Schwarz in dem Film „Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner“ sehen. Das Debütalbum der Band Von Eden „Wir sind hier“ ist am 11. August 2017 erschienen. Ab 20. September sind die vier Freunde unterwegs auf einer kleinen Deutschlandtour. In Berlin kannst du sie am 2. Oktober im Musik und Frieden live erleben.

Foto Galerie

Volkspark Friedrichshain, Am Friedrichshain, 10407 Berlin

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