Coolness auf vier Rädern

Was macht eine richtige Berliner Kiez-Karre aus?

Über die persönliche Automobilität im Allgemeinen und Berlins Verkehrssituation im Besonderen kann man sicher geteilter Meinung sein. Tatsache ist aber, dass der ganz besondere Charakter dieser Stadt auch eine nicht minder spezielle Art von Vehikel hervorgebracht hat – die sich definitiv nicht nur mit dem Status „Verbrauchtfahrzeug mit Rest-TÜV“ abhandeln lässt.

Echte Kiez-Karren sind wie die Stadt, in der sie rollen: Herb, etwas verlottert, nie wirklich sauber, auch sicherlich nicht neu, aber dafür mit einem unerklärlichen Nimbus der Coolness umgeben. Autos, nach denen man sich umdreht, auch wenn man kein großer Liebhaber ist. Autos, bei denen man das „Karre“ immer mit Respekt ausspricht, es keinesfalls abwertend meint. Auf den folgenden Zeilen zeigen wir dir, was eine solche rollende Kiez-Legende ausmacht und dazu auch einige Modellvorschläge – eingebettet in eine kleine Liebeserklärung an dieses ganz spezielle rollende Kulturgut dieser Stadt.

1.Verblichener Luxus oder ungewöhnlicher Charme

Würde ein rundherum angerosteter Polo 6N in verblichenem „Harlekin“-Buntanstrich (eines jener Autoexperimente der 90er) mit Bärchenradkappen als Kiez-Karre durchgehen? Wohl eher nicht, höchstens als ironisches Statement. Nein, bei dieser ganz speziellen Art von Fahrzeug geht es um etwas anderes.

Dazu musst du ein bisschen auf Berlins Gebäudebestand schauen. Damit meinen wir keine vollrestaurierten Gründerzeithäuser in Prenzlauer Berg. Eher die verwohnte Variante, die schon seit Jahren keine pflegende Hand mehr gesehen hat, aber urgemütlich und kultig eingerichtet ist. Sowas bringt uns direkt zur Kiez-Karre, denn sie ist ganz ähnlich.

Ein sehr guter Ansatz wären Fahrzeuge, die einst als Oberklassemodell galten und sehr viel Geld kosteten. Ein gnadenlos gutes Beispiel ist das Mercedes C126 Coupe – du kennst es vielleicht aus dem Film „Bang Boom Bang“; alternativ die Limousinen-Variante W126. Dieser Wagen war in den 80ern der Gipfel deutscher Autobauerkunst und entsprechend hochpreisig. Selbst heute, mit hunderttausenden Kilometern auf dem Tacho, an den Flanken durchgescheuerten Ledersitzen und vielleicht einem bösen mattschwarzen Lack (natürlich gerollt, nicht professionell gesprüht oder gar foliert) verströmt dieser Wagen denselben Charme wie beispielsweise ein im extremen „Shabby Chic“ dastehender Küchenschrank aus den 50ern.

Allerdings sind ehemalige Luxuskarossen nicht die einzigen Anwärter auf den Kiez-Karren-Status. Ebenfalls dabei sind:

  • Autos, die früher einmal einen Status als typische, prollige Tuning-Karren hatten. Etwa VW Scirocco II oder – natürlich – der Opel Manta B. Just sie haben aber meist Seltenheitswert, weil die Tuning-Welle viele schon längst vor dem TÜV scheitern ließ.
  • Dicke US-Fahrzeuge praktisch aller Klassen. Je größer, desto besser. Besonders beliebt: Alte Limousinen aus den 70ern und 80ern mit ihrem unsagbar eckigen „Three Box Design“.
  • Vans und ähnliche Wannen. Ganz besonders, wenn man ihnen noch die frühere Nutzung ansehen kann. Sie sind auch deshalb genial, weil sie so leicht zum Wohnmobil umgebaut werden können.
  • Generell (für Privatleute) eher ungewöhnliche Mobile – hier ist die Spanne besonders breit; sie beginnt beim Leichenwagen und endet beim ehemaligen Kommunal-Pritschenwagen der Stadtreinigung längst noch nicht.
  • Exoten aus anderen Ländern, speziell Osteuropa oder der DDR. Diese sprechen typischerweise eine ganz eigenständige Formensprache – und decken ebenfalls eine breite Designpalette ab.

Das heißt: Eine Kiez-Karre ist auf jeden Fall immer ein Fahrzeug, das so im heutigen Straßenbild Seltenheitswert hat. Und faktisch immer hat es auch schon viele Jahre auf den Achsen.

2. Keine weiße TÜV-Weste

Das vorherige Kapitel hat es schon ein wenig angerissen: Eine Kiez-Karre ist nicht nur alt, sondern auch definitiv kein garagengepflegtes Schätzchen, welches seit der Erstzulassung pünktlich alle 10.000 Kilometer eine Inspektion bekam. Vielleicht haben die Dichtungen des Motors ihre besten Tage schon hinter sich; wahrscheinlich sind die Scheinwerfer etwas matt (oder sogar mit Moos gefüllt). Und mit Sicherheit finden sich rundherum Stellen, an denen nicht mehr der Lack die äußere Oberfläche darstellt, sondern Rost.

Am besten lässt sich die Kiez-Karre an diesem Punkt so beschreiben, dass du als Besitzer alle zwei Jahre aufs Neue mit etwas Sorge auf den herannahenden TÜV-Termin blickst – und der Prüfingenieur mit gerunzelter Stirn immer eine mehr oder weniger lange Liste von Dingen notiert, die gefixt oder zumindest beobachtet werden müssen, bevor er die Plakette aufs hintere Kennzeichen klebt.

Pro-Tipp: Als Besitzer eines solchen Fahrzeugs solltest du unbedingt eine gute Werkstatt in der Hinterhand haben, wo man sich auf solche Spezialfälle versteht. Das ist in aller Regel keine hochglänzende Markenwerkstatt mit Autohaus, sondern ebenfalls ein typisches Berliner Hinterhof-Urgestein; alternativ tut es aber auch eine von Berlins Mietwerkstätten.

3. Ein wettergegerbtes Äußeres

Ein Wagen, wie wir ihn hier skizzieren, wird in der globalen Auto-Szene typischerweise als Rat bzw. Ratte bezeichnet. Im Gegensatz zu vielen anderen (vierrädrigen) Ratten handelt es sich hierbei aber sicherlich nicht um ein Fahrzeug, bei dem der Besitzer absichtlich nachgeholfen hat – ähnlich wie ein großstädtischer SUV, dessen Halter Matsch aus der Sprühdose appliziert (ja, sowas gibt es wirklich). Nein, dieser verlotterte Look wurde einzig und allein durch den Zahn der Zeit erschaffen – womit Kiez-Karren immer auch ein sich im ständigen Wandel befindliches Kunstwerk darstellen.

Doch warum kann der Zahn der Zeit an diesen Fahrzeugen so gut nagen? Natürlich, weil sie schon seit Jahren nicht mehr in den Genuss eines wettergeschützten Stellplatzes kamen. Eine Kiez-Karre parkt das ganze Jahr am Straßenrand oder auf einem ähnlichen Parkplatz:

  • Der Lack ist deshalb ungleichmäßig ausgebleicht;
  • Es finden sich überall Ablaufspuren von Regenwasser, vielleicht sogar in Rostrot;
  • Die ganze untere Hälfte ist mit geradezu sedimentären Schichten von Berliner Straßendreck bedeckt;
  • Auf den waagerechten Oberflächen finden sich die klebrigen Hinterlassenschaften vom Berliner Stadtgrün und den fliegenden Bewohnern.
  • Wenn es Chromteile gibt, so sind sie samt und besonders angelaufen, matt oder sogar rostig.

Und obwohl manche Kiez-Karre ständig im Alltag bewegt wird (sie ist ja auch nur ein Gebrauchsfahrzeug, wenngleich mit hohem Kult-Faktor), so ist es auch nicht ungewöhnlich, an manchen Teilen Moosansätze zu sehen. Doch niemals würde der Besitzer diese Spuren unter dem scharfen Strahl einer SB-Waschanlage beseitigen.

Pro-Tipp: Bonuspunkte gibt es für nicht minder verwitterte und/oder aus der Zeit gefallene Aufkleber. Besonders, wenn diese vom früheren Leben des Fahrzeugs als gepflegtes Statussymbol zeugen. Bei eBay findest du sogar solche alten Sticker für schmales Geld.

4.Maximale Personalisierung

Es dürfte dir vielleicht mittlerweile klar sein, dass ein solcher Wagen auch jenseits der genannten Punkte nicht mehr im Serienzustand sein wird. Im Gegenteil, er ist eine sicht- und fahrbare Ausprägung des Charakters seines Besitzers. Als solcher darf es schlicht keinen Serienzustand geben.

Armaturenbrett und Sitze mit Fake-Leopardenfell überzogen? Mini-Berberteppiche im Fußraum? Der Schaltknauf mit einem umgewidmeten Golfschlägerkopf gekrönt? Eine Minibar im Kofferraum oder ein riesiges Airbrush auf der Motorhaube? Vielleicht auch der ganze Wagen als Hommage an die Berliner Techno-90er in Neonfarben lackiert? Hier lautet die Antwort auf all diese und ähnliche Fragen: Ja!

Eine Kiez-Karre ist rundherum personalisiert. Und natürlich gehört es auch dazu, ein vielleicht braves Äußeres unter Verwendung von breiten (aber unbedingt ebenfalls verwitterten) Alufelgen und einer Tieferlegung etwas „abzuhärten“ – die Kiez-Karre ist definitiv nicht der freundlich schauende Familien-Labrador, sondern eine immer etwas übellaunig dreinblickende Bulldogge.

5.Immer einen guten Sound aus den Boxen und Auspuffrohren

Es gibt wahrscheinlich keine andere deutsche Stadt mit einer so riesigen Kulturszene, was die Musik anbelangt. Daher wäre es schon geradezu fahrlässig, wenn sich im Armaturenbrett einer Kiez-Karre nur ein Serienradio befände und aus den Serienlautsprechern nur rbb 88.8 dudeln würde.

Ein Gang zum nächsten Ausrüster in Sachen Autoradio ist also faktisch Pflicht – ebenso wie das Zusammenstellen von möglichst vielen Mix-USB-Sticks, -SD-Karten oder, wenn es Retro sein soll, -CDs.

Zumindest bei solchen Fahrzeugen, bei denen unter der Haube ein dickeres Triebwerk lauert, solltest du auch überlegen, ob dessen Sound nicht ebenfalls durch eine angepasste Auspuffanlage hörbar(er) gemacht werden sollte. Allerdings solltest du dabei wirklich doppelt nachdenken: auch so ist Berlin schon laut genug.

6.Das dicke B als Ehrenschild

Es ist schon seit einigen Jahren möglich, seinen Hauptwohnsitz von einem in einen anderen Zulassungsbezirk zu verlegen, ohne gezwungen zu sein, sich ein neues Kennzeichen zu besorgen – aus dem Grund wirst du überall in der Stadt auch Fahrzeuge mit Regionalkürzeln aus allen deutschen Gegenden sehen; das sind definitiv nicht nur Touristen, sondern auch Zugezogene, die sich Mühe und Kosten gespart haben, ihren Wagen in Berlin umzumelden – solange die neue Adresse in den Papieren eingetragen wird, ist das rechtlich kein Problem.

Allerdings sollte dir klar sein, dass eine Kiez-Karre sicherlich nicht HH oder M oder SU tragen sollte. Hier ist das „dicke B“ einfach ein Ehrenschild, der schon aus lokalpatriotischen Gründen (und seien sie nur ironisch gemeint) vorn und hinten montiert sein sollte. Doch ist das B ebenfalls nur Mindestmaß – schließlich ist es ziemlich einfach, auch den Rest zu personalisieren. Du musst nur die Verfügbarkeit prüfen und kannst dir dann passende Schilder anfertigen lassen.

Was dann hinter dem B stehen wird? Nun, hier ist deine Kreativität gefragt. Abzüglich von Berlins bereits vergebenen Kennzeichen bleibt hier noch ein ziemlich großer Spielraum – und „Besitzer-Initialen + Geburtsjahr“ ist definitiv nur eine von vielen Möglichkeiten.

7.Ein Kofferrauminhalt für alle Lebenslagen

Kennst du den Song Fumancar des Berliner Rappers Fumanschu? Falls nicht, solltest du dies ganz schnell nachholen. Nicht nur, weil der Track sozusagen eine Hymne auf Kiez-Karren ist, sondern auch ein paar wichtige Hinweise liefert:

„[…] Das Fumancar macht die Welt bizarr.
Was gefällt mir daran? Der Fumankofferraum.
Ein mobiler Garten Eden zum Stoffanbauen […]

(Quelle: royalbunker.de)

Damit wollen wir dich zwar nicht augenzwinkernd dazu animieren, im Kofferraum einer Kiez-Karre gärtnernd gegen das Betäubungsmittelgesetz zu verstoßen. Wohl aber dazu, diesen Raum für mehr zu nutzen als nur den kurzfristigen Transport von Alltagswaren.

Dazu musst du einen Grundgedanken der Kiez-Karre verstehen: Sie ist im besten Sinn ein mobiles Wohnzimmer oder ein rollender Club. Sie bringt ihren Besitzer dorthin, wo etwas los ist oder los sein könnte. Gerade deshalb musst du aber auf alles vorbereitet sein:

  • Ersatzschuhe und eine Jacke
  • Notvorrat an Snacks und Getränken
  • Ein, zwei Klappstühle
  • Campingkocher oder Klappgrill
  • Ein stets gefüllter Reservekanister
  • Decke und/oder Schlafsack

Letztendlich sieht es so aus: Wo eine Kiez-Karre vorfährt, muss es dem Besitzer möglich sein, durch reines Greifen in diese „Wundertüte“ eine gute Zeit zu starten – ganz gleich ob spontanes Grillen oder auch nur eine Straßenrand-Alternative zum überfüllten Club.

8.Ein Fahrwerk für den Berliner Asphalt

Ist eine Kiez-Karre ein Fahrzeug zum Rasen? Klares Nein. Erstens, weil es davon schon genug in Berlin gibt und zweitens, weil der Straßenzustand der Stadt dies vielfach einfach nicht zulässt.

Das bringt uns auch zum Kern dieses Kapitels: Auch wenn du eine Kiez-Karre tieferlegst, solltest du dabei a) wirklich zurückhaltend vorgehen und b) bloß nicht nach der Maxime „gelobt sei, was hart ist“ vorgehen – nicht zuletzt deine Bandscheiben werden es dir danken, wenn die Stoßdämpfer nicht für Rennstrecken tauglich sind.

Das bedeutet (moderate) Tieferlegungsfedern gern, harte Stoßdämpfer nein. Du möchtest mit der Kiez-Karre gemütlich cruisen können, ohne dabei jedes Schlagloch zu spüren oder dank Kopfsteinpflaster mit den Zähnen zu klappern. Das ist nebenbei auch deutlich besser für den Erhalt des Wagens: Zu harte Fahrwerke können durchaus mit der Zeit Schweißnähte und andere Verbindungen zerrütten.

9.Potenzielle Kiez-Karren im Kurzportrait

Im ersten Kapitel hast du bereits einige Fahrzeugklassen vorgestellt bekommen, in denen sich gute Vertreter für eine Kiez-Karre finden. Um diesen Kreis im finalen Kapitel zu schließen, zeigen wir dir jetzt einige konkrete Kandidaten, falls du direkt nach dem Genuss dieser Zeilen im Netz auf die Suche gehen willst.

Der Mercedes T2 – die Berliner Wanne

Der Mercedes T2 war von 1967 bis 1996 das, was heute der Vario oder große Sprinter sind: recht üppige Transporter, die für zahlreiche Nutzer gefertigt wurden. Und falls du schon einmal den Begriff „Berliner Wanne“ gehört haben solltest, er geht ebenfalls direkt auf dieses Modell zurück. Denn Berlins Polizei setzte den T2 viele Jahre lang ein – überall dort, wo Polizeipräsenz in Massen nötig war.

Dementsprechend haben Chaostage und Hausbesetzungskämpfe ihre Spuren hinterlassen. Typische Polizei-Wannen trugen schon während ihrer Dienstzeit auffällig oft einen verlotterten Look. Sei dir jedoch darüber im Klaren, dass für die meisten T2-Varianten ein normaler B-Klasse-Führerschein nicht genügt (sie sind zu schwer).

Der Opel Omega B Kombi

Mit dem Omega hatte Opel einst ein Fahrzeug, welches in Sachen Größe und Ausstattung mit der Mercedes E-Klasse und dem 5er BMW konkurrieren wollte. Der B-Omega, der von 1994 bis 2003 gefertigt wurde, stellte das finale Modell unter diesem Namen dar.

Vor allem der Kombi dieser Baureihe ist als Kiez-Karre geeignet. Denn der Kofferraum ist wirklich riesig. Außerdem hat das ganze Fahrzeug einen charmanten Couch-Charakter – und ist derzeit am unteren Ende der Wertverfallskurve angelangt.

Der F-Body Camaro

n den USA ist es schon seit Jahrzehnten Usus, Fahrzeuge auf Plattformen aufzubauen. Grund dafür ist, dass sich unter einem großen Dachkonzern viele Marken befinden, sie so eigenständige, aber dennoch gleichartige Fahrzeuge bauen können.

Ein (zumindest optisch) sportliches Beispiel hierfür ist die sogenannte F-Plattform von General Motors. Sie wurde von 1967 bis 2002 genutzt. Ein Fahrzeug, das besonders prominent darauf aufbaute, war der Chevrolet Camaro bzw. der recht ähnliche Pontiac Firebird. Zugegeben, vor allem die Generationen von 1970 bis 1981 sind ziemlich prollig, aber das wirkt im heutigen Berlin schon wieder derart überspitzt, dass es richtig cool ist. Plus: Durch die ewig lange Bauzeit gibt es (auch hierzulande) Ersatzteile in Hülle und Fülle.

Der VW T3

ie Berliner Wanne mag dir vielleicht zu groß sein. Wenn es eine Nummer kleiner sein darf, dürftest du beim VW T3 etwas finden. Auch dieser Transporter hat eine lange Geschichte als treuer „Lastesel“ mit verschiedenen Karosserievarianten zu bieten. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern T2 und T1 (der Ur-Bulli) ist der von 1979 bis 1992 produzierte T3 aber noch recht erschwinglich.

Pro-Tipp: Halte dich von den werksmäßigen Campern fern. Diese sind längst schon ziemlich teuer geworden.

Der BMW E32

berklassefahrzeuge aus den 80ern und frühen 90ern konnten mit Details aufwarten, die in anderen Klassen erst viel später optional oder sogar serienmäßig wurden. In diesem Sinne ist der 7er BMW der Baureihe E32 (1986-1994) das bayerische Gegenstück zum bereits genannten 126er Mercedes.

Dabei könnte die Designsprache nicht unterschiedlicher sein. Der BMW ist trotz seiner dicken Abmessungen ziemlich sportlich, wirkt weniger wie eine behäbige Luxuslimousine vergangener Tage, sondern eher wie ein Wagen, bei dem der Chef noch selbst ins Lenkrad greift. Keine Couch, eher ein stylischer Designer-Sessel.

Der Trabi

Nirgendwo steht geschrieben, dass Kiez-Karren die Abmessungen moderner SUV haben müssten – und einige der bisherigen Beispiele zeigen dies auch in aller Deutlichkeit. Nicht zuletzt angesichts Berlins bewegter Geschichte kann deshalb auch ein Wagen als coole Kiez-Karre gelten, den in den frühen 90ern nur so wenige haben wollten, dass einige sogar verschenkt wurden.

Dabei ist der Trabi aber nicht nur der perfekte Kleinwagen für Berlins Urban Jungle und die ständige Parkplatznot. Er kann auch einen Look ins Feld führen, der gleichzeitig kultig wie heute recht selten geworden ist. Bliebe vielleicht noch das Problem des Zweitaktmotors, der durch seine Konstruktion bekanntermaßen den Gipfelpunkt schlechter Abgaswerte darstellt. Dazu sei jedoch gesagt, dass sich schon Tüftler und Startups der Sache angenommen haben. Sie lassen einen Plan Realität werden, den es schon in den Wendejahren einmal gab: Raus mit dem Zweitaktmotor samt Tank, hinein mit einem Elektromotor und einer Batterie. Besseren Umweltgewissens kannst du kaum eine Kiez-Karre fahren – selbst wenn der Ost-Trabi mit dir durch den Westteil der Stadt rollen wird.

Zusammenfassung und Fazit

Es ist vielleicht heute nicht mehr nötig, sich zwischen Spandau und Köpenick per Auto fortzubewegen – oder generell via Verbrennungsmotor. Fakt ist aber, dass die Berliner Coolness sich unweigerlich auch auf den automobilen Bereich erstreckt. Und der gilt selbst dann noch, wenn ein solches Mitglied an einem trostlosen Straßenrand steht, halb bedeckt von Blättern, mit Moosansatz an den Scheibenwischern. Es braucht nur ein paar orgelnde Anlasser-Umdrehungen, bis der Motor räuspernd wie nach einer hart durchfeierten Nacht zum Leben erwacht, das B auf dem Kennzeichen wieder beleuchtet wird. Und wenn dann aus den Boxen noch der Mix aus einem Berliner Club ertönt, fühlt man sich zuhause – selbst wenn der Wagen gerade weit außerhalb der Stadt steht.

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