Mascha fragt nach

Corona vs. Sex – Singles müssen jetzt stark sein

Frau mit nacktem Oberkörper im Bett von hinten
Umarmungen und körperliche Nähe? Für viele gerade echte Mangelware.
Flirten, daten, feiern: Covid-19 hat da mal ruckzuck den Riegel vorgeschoben. Und Sex in Zeiten von Corona? Können sich zumindest Singles quasi ganz abschminken. Jetzt heißt es stark sein und mit sich selbst Spaß haben, weiß Kolumnistin Mascha. Zumindest gibt es ja noch das Internet.

Kontaktsperre. Bähm! Das ist ein unangenehmes, bedrohliches Wort. Ganz besonders, weil es für viele Menschen auch heißt: Sexualkontaktsperre. Denn Corona und Sex, das mag vielleicht für Paare in den kommenden Wochen oder Monaten eine absolute Selbstverständlichkeit sein und die düstere Zeit ein wenig fluffiger gestalten. Für Singles oder Menschen, die ihre SexpartnerInnen aktuell nicht sehen können, dürfte dagegen das Thema Enthaltsamkeit eine ganz neue Bedeutung bekommen. Das muss man erstmal verkraften, so on top.

Klar, wir sind noch gut dran, wir haben ja das Internet. Und da ist Sex, trotz Corona, natürlich jederzeit verfügbar. Wenig verwunderlich, dass die Porno-Plattform Pornhub schon zu Beginn der Pandemie steigende Klickzahlen auf seinem Portal vermeldete, insbesondere in Italien, wo Covid-19 bekanntermaßen schon länger und heftiger wütet. Sogar das Angebot wurde ganz zeitgemäß angepasst, mittlerweile gibt es Pornos, in denen die Darsteller Atemschutzmasken und Gummihandschuhe tragen. Naja, also meine Lust auf Sex schraubt diese drollige Idee nicht nach oben, aber bitte. Geschmäcker sind ja verschieden. Und auch Hersteller von Sextoys könnten zu den wirtschaftlichen Glückspilzen gehören. Wie faz.de berichtet, sollen sich etwa beim Sextoy-Shop Eis.de die Bestellzahlen seit Beginn der Krise verdoppelt haben.

Vibratoren und Pornos: Was bleibt Singles auch sonst?

Vibrator und Pornos für ein bisschen Spaß mit sich selbst – Corona sorgt beim Sex für ganz neue Herausforderungen. Aktuell finde ich das ganze Thema noch so überwältigend und anstrengend, dass ich lieber zwölf Stunden alle Nachrichten checke und zur Beruhigung eine Runde alleine durch die Gegend radele, anstatt mit meinem Auflege-Vibrator und einem Haufen Gleitgel in der Hand von einem Orgasmus zum nächsten zu masturbieren. Aber was, wenn das Ganze jetzt Wochen, ja Monate so bleibt? Und Sex auf unbestimmte Zeit nur noch mit sich selbst möglich ist?

Klar, das ist im Angesicht der schwerwiegenden Probleme für uns alle, für die Gesellschaft, erstmal ein Randthema. Aber so ganz ohne ist es eben nicht, die Sache mit Sex in Corona-Times. Okay, viele Paare werden jetzt rufen: „Denkst du, wir haben gerade Bock und Zeit, unsere nackten Leiber aneinander zu reiben, wenn nebenan die Kinder vor Langeweile die Einrichtung zerlegen? Oder der Job in Gefahr ist? Mal GAR nicht!“ Dann rufe ich aber zurück: „Das sehe ich ein. Aber zumindest habt ihr die Möglichkeit zu vögeln. Oder, noch viel wichtiger, euch mal in den Arm zu nehmen. Zu küssen. Tröstend über den Kopf zu streicheln.“ Wer jetzt Single ist oder eben in Quarantäne oder ohne SexpartnerIn unter demselben Dach, muss schlichtweg komplett auf alles verzichten, was nicht aus Silikon und Plastik, sondern aus menschlicher Haut besteht. Und wer alleine lebt, hat noch nicht mal MitbewohnerInnen, die zumindest den in-den-Arm-nehmen-Part übernehmen können. Sofern Körperkontakt in der WG noch möglich ist.

Corona und Sex? Für Paare vielleicht

Was mir jetzt umso mehr bewusst wird: Mit dieser Situation musste eine gar nicht so kleine Anzahl von Menschen schon vor Corona klarkommen. Kein Sex, keine Nähe. Diesen Gedanken kann man so oder so mal mit in die Zukunft tragen und sich bewusst werden, wie wertvoll jede Art körperlicher Nähe ist. Jetzt müssen auch Menschen, die monate-, wenn nicht jahrelang daran gewöhnt waren, Sex per Dating-App wie eine Pizza nach Hause geliefert zu bekommen und für die Befriedigung und körperliche Nähe ausschließlich per Tinder, auf der Sexparty oder per Barbesuch konsumierbar war, komplett verzichten. Jetzt darf man ja noch nicht mal seine besten Freunde umarmen. Wann das wohl erste Auswirkungen auf die Psyche zeigt? Überaus übel ist die Situation auch für Menschen, die gerade frisch getrennt sind oder aus anderen Gründen Liebeskummer haben. Sex zur Ablenkung, ganz viel Daten, um das geschundene Ego wieder ein bisschen aufzupolieren – nope. Stattdessen sitzt man mit fettigen Haaren und Nudelsoße auf dem Pulli am Rechner und hat mit etwas Glück wenigstens noch einen Job, der einen auf andere Gedanken bringt. Eine Freundin ist genau in so einer Situation. Und sehnt sich, Überraschung, plötzlich wieder nach dem Ex-Freund. Manche Menschen haben vermutlich auch vor wenigen Wochen jemanden kennengelernt, vielleicht schon mal geknutscht, gefummelt, man will sich weiter kennenlernen – nix da. Spaziergang mit Abstand okay, aber wer es ernst nimmt mit der Kontaktsperre, kann jetzt nicht einfach in die Wohnung des neuen Dates fahren und ne Runde bumsen. Ist ja verboten. Und wäre auch wenig vernünftig, man weiß ja nicht, ob einer von beiden schon Covid-19 mit sich rumschleppt. Vernunft hat dieser Tage eben eine größere Bedeutung als Befriedigung. Selbst viele Paare, die nicht zusammenleben, grübeln derzeit, ob und wie sie sich sehen können, insbesondere, wenn sie in WGs leben.

Nochmal: Es gibt gerade Schlimmeres auf der Welt als eine Weile auf Sex und Dates zu verzichten. Gab es auch vor Corona schon. Aber es lohnt sich dennoch, das Thema nicht zu unterschätzen, denn wir wissen alle, wie das ist mit der Glückshormonausschüttung, die Kuscheln und Nähe so unabdingbar machen. Für viele Singles war Sex, meist zwangsläufig mit wechselnden PartnerInnen, die einzige Möglichkeit, genau das zu bekommen. Ganz zu schweigen vom Ausleben bestimmter Fetische und Vorlieben, die vielleicht an bestimmte Szenen und Clubs gebunden waren.

Dirty Talk und Masturbation: Coronakrise aushalten

Was also tun? Den Lieblingsvibrator ans Ladekabel stecken ist sicher eine gute Idee. Und auch wenn das kein echter Ersatz ist: Tinder und Co gibt es ja weiterhin. Und wie meine Kollegin bereits schrieb, sich austauschen, Flirts digital aufrechterhalten und sich auf die Zeit danach freuen, kann man auch jetzt. Auf vielen Dating-Apps, vor allem sehr expliziten wie der BDSM-App Whiplr, war es zudem seit jeher gang und gäbe, „Online-Play“ zu betreiben. Also dirty talk auf dem Smartphone in all seinen Ausrichtungen, ob getippt, als Voice-Message oder in einem ganz klassischen Telefonat. Wer das gut beherrscht und vielleicht hier einen digitalen Corona-Partner findet oder schon gefunden hat, kann damit ebenfalls ein bisschen Leidenschaft und feuchte Höschen in den Alltag holen. Auch Fotos und Videos dürften derzeit besonders gefragt sein. Aber Achtung: Bei aller Geilheit ist es nicht zu empfehlen, allzu freizügig intimes Material des eigenen Körpers ins World Wide Web zu blasen. Vor allem, wenn man das Gegenüber kaum kennt. Auch hier ist Vernunft gefragt.

So bleibt festzustellen, dass im Moment jede/r sein Päckchen zu tragen hat. Manche ein größeres, manche ein kleineres. Aber das ist ja kein Battle hier, vielmehr ist Verständnis füreinander gefragt. Und genauso wie die verheiratete dreifache Mutter vielleicht gerade nicht von ihrer Single-Freundin hören will „dir wird wenigstens nicht langweilig“, bringt es vielen Singles gerade wenig, dafür beneidet zu werden, dass sie alleine wohnen. Auch der Satz „dann gehst du eben mal zwei Monate nicht ins Kitkat und hörst mal auf mit der Tinderei“ mag vielen leicht über die Lippen gehen – aber aus genannten Gründen ist auch hier etwas Bedacht gefragt. Corona und Sex, das kann wie so vieles andere zur echten Geduldsprobe werden. Aber ich kann nur sagen: Freut euch auf die Zeit, wenn es wieder geht!

Bleibt gesund,

Eure Mascha

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