Volles Wochenende auf der Partymeile

Ballungsraum Tiergarten

Fanmeile, CSD, Laufveranstaltung: Die Straße des 17. Juni und ihre Umgebung werden am Wochenende aus allen Nähten platzen.
Fanmeile, CSD, Laufveranstaltung: Die Straße des 17. Juni und ihre Umgebung werden am Wochenende aus allen Nähten platzen. Zur Foto-Galerie
Die Straße des 17. Juni quillt über: ab Freitagabend werden bei Christopher Street Day, Fanmeile und Spree-Wettlauf hunderttausende Besucher auf der Verkehrsader durch den Tiergarten unterwegs sein. Zukünftig soll eine derartige Ballung von Events vermieden werden.

Die Massen kommen: Auf der Straße des 17. Juni finden in den nächsten 24 Stunden zwei der größten Veranstaltungen des Jahres statt. Zunächst feuern heute Abend 450.000 Zuschauer auf der Fanmeile am Brandenburger Tor die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gegen die Griechen an. Dann zelebrieren am Samstag Schwule und Lesben den 34. Christopher Street Day (CSD) – auch dazu werden sechsstellige Besucherzahlen erwartet.

Wer bei der Fußball-Massenekstase dabei sein will, sollte frühzeitig eintreffen. Beim letzten deutschen Spiel gegen Dänemark am vergangenen Sonntag war der Andrang so groß, dass die Veranstalter manche Zugänge bereits eine Stunde vor Anpfiff schließen mussten. 30 Minuten vor Beginn des Spiels war nur noch der westlichste Eingang, kurz hinter der Yitzhak-Rabin-Straße, offen. Viele Fans mussten abgewiesen werden.

Platz für noch mehr Fans?

Könnte die Fanmeile verlängert werden? Bis zum Kleinen Stern wäre dies kein Problem. Die Modemesse „Fashion Week“ errichtet ihr Zelt westlich davon am Großen Stern, die Modeschauen beginnen am 4. Juli. Mehr Platz gebe es nicht, sagte Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) am Donnerstag. Die 400 zusätzlichen Meter könnten weiteren 150.000 Fans Platz bieten. „Mir ist es lieber, die Leute auf dem 17. Juni zu haben, als dass sie frustriert in die Stadt abziehen“, sagt Harald Büttner, Leiter des Grünflächenamts. Bisher sei aber kein Antrag des Veranstalters eingegangen. Einen solchen würde man jedoch „wohlwollend“ prüfen, sofern er die notwendigen Vorkehrungen für Sicherheit und Verkehr beinhalte.

Model und Fotograf bei der letzten Fashion Week
Veranstalter Willy Kausch will sich noch nicht festlegen. „Das ist unheimlich schwer zu planen“, sagt er. An Videoleinwände komme man derzeit schwer heran, die Sponsoren müssten bereit sein, mehr Geld auszugeben. Sollte Deutschland das Viertelfinale überstehen, möchte sich Kausch mit den Geldgebern zusammensetzen. Zum Endspiel könnten dann möglicherweise doch mehr Fans im Tiergarten feiern. Mit dem bisherigen Verlauf der größten Berliner Fußball-Party ist er zufrieden. „Alles ist wunderbar gelaufen, die Euphorie aus den Vorjahren hält an“, sagt er.

Wenn Deutschland endlich wieder den Titel holt, können die Hauptstädter die Mannschaft vermutlich am Brandenburger Tor feiern. „Wenn sie Europameister werden, werden Bezirk und Land alles dafür tun, dass sich die Mannschaft den Fans stellt“, sagt Stadtrat Spallek. Jogi Löw hatte bereits vor dem Turnier angekündigt, nach einem Finalsieg kommen zu wollen.

CSD: Neue Route, mehr Politik

Auf dem 17. Juni wird schon kurz nach dem Deutschland-Spiel umgebaut: Die Fanmeilenbuden werden durch die des CSD ersetzt. Die Parade bekam zwangsweise eine neue Streckenführung, weil die traditionelle Route über den Großen Stern von Fashion Week und Fanmeile blockiert ist. 2012 soll der CSD politischer werden und vor der Russischen Botschaft Unter den Linden gegen die Diskriminierung von Homosexuellen in dem Land demonstrieren. „Wir werden den Checkpoint Vladimir auferstehen lassen“, sagte Bodo Niendel von den Organisatoren. Dass die Veranstalter gegen den Bezirk Mitte wegen hoher Auflagen und Gebühren klagen wollen, sieht Stadtrat Spallek gelassen. Der CSD müsse mehr zahlen, weil er mehr Flächen in Anspruch nehme. In der Nähe der Paradestrecke geht es am Samstag ebenfalls rund: Der „Lichtenauer Wasserlauf“ startet um 10 Uhr am nördlichen Rand des Tiergartens von der Lutherbrücke, führt bis zur Marschallbrücke und am Nordufer der Spree wieder zurück.

In Zukunft soll es auf dem 17. Juni jedoch weniger gedrängt zugehen. Stadtrat Spallek verlangt, dass sich Veranstalter und Senat besser mit dem Bezirk abstimmen. Das Kinderfest „Nisan“ wäre auch auf dem Tempelhofer Feld nicht fehl am Platze und das Radrennen Velothon könne ebenfalls eine andere Richtung nehmen. Die Fanmeile solle beibehalten werden. Die Straße sei für solche Zwecke infrastrukturell gut geeignet. Eine Veranstaltung ist Spallek schon losgeworden. Die B-Parade, Nachfolgerin der Loveparade, zieht nach jahrelangen vergeblichen Anläufen nicht durch den Tiergarten. „Wir gehen vor die Hangars am Flughafen Tempelhof“, sagt Sprecher Ralf Lipus, wo am 21. Juli sowieso der „Berlin Summer Rave“ stattfindet. Dort ist die B-Parade jedoch ebenfalls nicht willkommen. „Zu spontan, das haben wir aus Sicherheitsgründen abgelehnt“, sagte ein Sprecher.

Am 12. Juli um 22 Uhr heißt es wieder: Freie Fahrt für Autos zwischen Großem Stern und Brandenburger Tor. Doch nicht durch den kompletten Tiergarten: Ab Mitte Juli lässt der Bezirk die John-Foster-Dulles-Allee für 500.000 Euro sanieren. Die ist dann bis zum Berlin-Marathon Ende September dicht.

Foto Galerie


Quelle: Der Tagesspiegel

Ballungsraum Tiergarten, Großer Stern, 10557 Berlin

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