Bürgerinitiative im Wedding

Ein Baumhaus für die Nachbarschaft

3-D-Simulation des geplanten "Baumhauses" im Wedding - über die tatsächliche Gestalt entscheiden die beteiligten BürgerInnen.
3-D-Simulation des geplanten "Baumhauses" im Wedding - über die tatsächliche Gestalt entscheiden die beteiligten BürgerInnen.
Im Weddinger Gerichtstraßen-Kiez wollen junge Kreative einen alternativen Nachbarschaftstreff in Form eines Baumhauses einrichten. Zahlreiche Anwohner unterstützen das Projekt - doch noch ist die Finanzierung des einzigartigen Forums nicht gesichert.

In einem ehemaligen Künstleratelier im Erdgeschoss der Gerichtstraße 32 wollen die 27-jährige Politikstudentin Karen Wohlert und der US-Amerikaner Scott Bolden (44) ein ganz besonderes „Baumhaus“ einrichten: Mit Café, Ideenschmiede und Bühne soll der neue Nachbarschaftstreff zu einer „Plattform für Weltverbesserer – im wahrsten Sinne des Wortes“ werden, so Wohlert. Die Initiatoren träumen von einem fantasievollen, offenen Ort irgendwo „zwischen Avatar und Herr der Ringe“ – doch wie das „Baumhaus“ am Ende aussehen wird, darüber entscheide die gemeinsame Arbeit des Kiezes, betont Bolden.

Im Quartier Pankstraße scheint die Zeit für kreative Köpfe angebrochen. Vor wenigen Jahren zog es auch Wohlert und Bolden in den Kiez am ehemaligen Stadtbad. Beide schwärmen von der „lockeren Atmosphäre“ in ihrer neuen Heimat, die vom Quartiersmanagement als „besonders jung, international und arm“ beschrieben wird. Schon bald nach ihrem Einzug wurden sie auf die leerstehende Wohnung im ehemaligen „Lebenshaus Mitte“ aufmerksam. Gemeinsam mit Architekten, Künstlern, Designern und vielen freiwilligen Helfern aus dem Kiez planen sie nun, den 140 Quadratmeter großen Raum in einen einzigartigen Anlaufpunkt für die Weddinger Nachbarschaft zu verwandeln.

Kieztreff im Grünen

Die ungewöhnliche Form des Projektes geht dabei auf den Einfall des New Yorker Ingenieurs Bolden zurück. Die mächtige tragende Säule in der Mitte des früheren Ateliers weckte in ihm sofort die Assoziation mit dem „Stamm“ eines Baumes – das ideale Fundament für ein Baumhaus. Seit 20 Monaten investieren der Designer und Studentin Wohlert ihre Zeit nun schon in das Anfertigen von Skizzen und 3-D-Simulationen sowie in Verhandlungen mit den Berliner Behörden. Auch Nachbarn und tatkräftige Unterstützer konnten sie bereits für ihr Projekt gewinnen.

Der prominenteste Fan des Vorhabens ist Adrienne Goehler, die frühere Kultursenatorin und Gründungsmitglied der Grünen. Im Internet lobt sie das Baumhaus-Vorhaben als „das richtige Projekt zur richtigen Zeit“. Hinsichtlich der Finanzierung ist das Kiez-Projekt trotz des großen Zuspruchs jedoch noch nicht gesichert. Auf der Spendenplattform startnext.de kann zwar gespendet werden – bisher sind allerdings erst 1.400 der benötigten 33.000 Euro Startkapital zusammengekommen. Wohlert und Bolden lassen sich davon nicht entmutigen und prüfen alternative Finanzierungskonzepte.

„Die Welt zu verändern, soll Spaß machen“, so die Studentin. Mit ihrem „Baumhaus“ will sie ein Stück dieses Aufbruchsgedankens im Wedding verankern. Die Ängste vor der langsam einsetzenden Gentrifizierung, einer Aufwertung des Kiezes, sind den Initiatoren des „Baumhauses“ dabei bewusst. Bolden kennt die Probleme aus seinem New Yorker Heimatbezirk Brooklyn. „Wir können den Prozess nicht aufhalten – doch wir können die Bedingungen verändern“, so der Architekt.

Am Montag, den 22. Oktober findet um 19 Uhr der erste „Baumhaus Salon“ im Fluxbau des Radiosenders FluxFM (Pfuelstr. 5, 10997 Berlin, zweiter Hofeingang) statt. Dort können interessierte BürgerInnen mit Bolden und Wohlert diskutieren und sich über Unterstützungsmöglichkeiten für das Projekt informieren. Weitere Infos unter www.baumhausberlin.de.


Quelle: Der Tagesspiegel

Das Baumhaus, Gerichtstraße 23, 13347 Berlin

Telefon 0176 78566593

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