25 Jahre Topographie des Terrors

Erinnern, aufklären, aktivieren

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Das jüngste Gebäude der "Topographie des Terrors" hat eine absichtlich zurückhaltende Architektur.
Das Dokumentationszentrum "Topographie des Terrors" wird ein Vierteljahrhundert alt. Als es eröffnet wurde, um über die Verbrechen des Nationalsozialismus aufzuklären, verlief direkt daneben noch die innerdeutsche Grenze.

Vor fünf Jahren wurde nicht gefeiert. Zum 20-jährigen Jubiläum der „Topographie des Terrors“ war der Bau des endlich festen Hauses der Stiftung gerade erst in Angriff genommen worden. Erst dessen Eröffnung am 6. Mai 2010 wurde von der zur selbstständigen Stiftung öffentlichen Rechts erhobenen Institution groß begangen.

Endlich am Ziel, so könnte auch am heutigen Mittwoch das Motto lauten, beim Festakt zum 25-jährigen Bestehen des Dokumentations- und Informationszentrums. Geplant sind unter anderem Reden von Ingeborg Berggreen-Merkel, Abteilungsleiterin des Kulturstaatsministers Bernd Neumann, Berlins Regierendem Bürgermeister und der Vorsitzenden des Vereins Aktives Museum, Christine Fischer-Defoy.

Der Weg dieser Stätte der Geschichte war mit Rückschlägen übersät. Kaum zu glauben angesichts der über 600.000 Besucher im Jahr, die sich die Freilichtausstellung entlang der Grundmauern der einstigen Gestapo-Zentrale ansehen und dabei mit den Grundzügen der Geschichte der NS-Verbrechen vertraut gemacht werden. Besonders bei ausländischen Berlin-Besuchern ist die „Topographie des Terrors“ sehr erfolgreich. Im Schatten der Mauer, von der hier noch ein Stück steht, erfahren sie etwas über die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Architektur mit Respekt vor der Geschichte

Das setzt sich in dem flachen, pavillonartigen Gebäude der Stiftung fort, dessen Ausmaße man nur erahnen kann, da es die Mitarbeiterbüros und die viel gerühmte Bibliothek im Untergeschoss versteckt. Mit voller Absicht sollte der Bau kein architektonisches Ausrufezeichen darstellen, sondern sich gegenüber der Wucht und Last der Geschichte zurücknehmen. Diese behandelt es in einer Dauerausstellung zu den Ämtern und Tätern des NS-Regimes sowie der Wechselausstellung – derzeit zum einstigen Regierungsviertel in der angrenzenden Wilhelmstraße.

2004 war der Wettbewerb für das Bauwerk neu gestartet worden, nachdem es zuvor lange Querelen um den kaum realisierbaren und unbezahlbaren Erstentwurf des Schweizer Architekten Peter Zumthor gegeben hatte. Das Budget schrumpfte auf 20 Millionen Euro. Es gewann die kaum bekannte Architektin Ursula Wilms – ein Glücksgriff, wie auch der hinzugezogene Landschaftsarchitekt Heinz W. Hallmann. Mittlerweile war sich auch die Institution selber darüber im Klaren, was sie brauchte, „einen undekorierten Schuppen“, wie es Andreas Nachama locker formulierte. Nachama hatte bereits als Mitarbeiter der Berliner Festspiele Anfang der Achtzigerjahre die Erinnerung am historischen Ort der Prinz-Albrecht-Straße mitgestaltet, wurde 1987 Leiter der „Dauerausstellung Topographie des Terrors“ und 1994 Direktor der Stiftung.

Am Anfang stand eine Hinweistafel

Bescheiden waren schon die Anfänge des Erinnerungsorts gewesen. 1981 wurde eine Hinweistafel aufgestellt, ganz klein neben dem aus seiner Kriegsruinendämmerung erweckten Martin-Gropius-Bau mit der opulenten „Preußen“-Schau. 1987, zur groß inszenierten 750-Jahr-Feier der Stadt, wurde dann im ehemaligen Kellergewölbe des von der Gestapo annektierten Gebäudes eine Ausstellung eröffnet, zunächst als Provisorium. 1989 – immer noch vor der Wende – richtete der Senat eine Sachverständigenkommission ein, die das Konzept für eine dauerhafte Einrichtung ausarbeitete.

„Durch die Teilung der Stadt war das Gefühl für das Topographische verloren gegangen“, blickt Andreas Nachama, Berliner des Jahrgangs 1951, zurück. Wo konkret geschah das, was man abstrakt über das NS-Regime wusste? An einem historisch authentischen Ort wird nun darüber aufgeklärt. Im Stiftungsgesetz ist der Zweck der „Topographie“ festgeschrieben: sie dient der „Vermittlung historischer Kenntnisse über den Nationalsozialismus und seine Verbrechen sowie der Anregung zur aktiven Auseinandersetzung mit dieser Geschichte, einschließlich ihrer Folgen nach 1945“.

Der Nachsatz verdient Beachtung, denn die Institution beschäftigt sich auch mit der Nachwirkung und Rezeption der NS-Geschichte, veranstaltet dazu Ausstellungen, Lesungen und Diskussionen. Heute begeht sie ihr 25-jähriges Jubiläum – und ist dennoch jung, denn erst durch das zwei Jahre alte eigene Haus wurde sie vervollständigt. Aus der Geschichtslandschaft Berlins ist die „Topographie des Terrors“ nicht mehr wegzudenken. Im Foyer erfahren Besucher in der Ausstellung „Das Aktive Museum und die ‚Topographie des Terrors'“ mehr über die Entstehungsgeschichte der „Topographie“.


Quelle: Der Tagesspiegel

Topographie des Terrors, Niederkirchnerstr. 8, 10963 Berlin

Telefon 030 2545090
Fax 030 25450999

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