Neuer Kunstraum in Wedding geplant

Krematorium goes Kultur

Das ehemalige Krematorium in Wedding soll zum Kulturstandort werden. Bereits 2002 wurde die Einäscherungsanlage geschlossen. Sie war nicht rentabel genug.
Das ehemalige Krematorium in Wedding soll zum Kulturstandort werden. Bereits 2002 wurde die Einäscherungsanlage geschlossen. Sie war nicht rentabel genug.
Der historische Weddinger Bau, in dem jahrzehntelang ein Krematorium untergebracht war, soll zum Kulturstandort umfunktioniert werden.

Was war nicht alles im Gespräch für die neue Nutzung des 100 Jahre alten Gebäudes, das ehemals das Weddinger Krematorium beherbergte. Von einem Sarg-Supermarkt war die Rede, von einem „Selbstbesinnungszentrum“ für Esoterikanhänger und – ja, selbst davon: Büroräume für eine PR-Agentur. Den Kampf um die Räumlichkeiten haben jetzt die zwei Berliner Filmemacher und Immobilienkaufmänner Jörg Heitmann und Frank Duske gewonnen – mit einem Konzept, das eher bodenständig ist: Ein „Kultur-Campus“ soll geschaffen werden, wo früher Trauernde Abschied nahmen. Gerade wurde die Urkunde zum Verkauf des Baudenkmals an der Gerichtstraße 37–38 unterzeichnet. Das hat der Liegenschaftsfonds am Montag, den 18.3.2012, bekanntgegeben.

Denkbar sei eine Ansiedlung von Künstlerateliers, Galerien und Stiftungen, äußerte sich Duske auf Nachfrage. Noch würden aber die zukünftigen Mieter nicht feststehen, und vor 2013 sei die Umsetzung nicht zu erwarten. „Überall stehen noch Öfen, Regale, Blechschrott und Möbel herum, und wir haben noch nicht mal einen eigenen Schlüssel.“ Zudem wolle man die trüben Milchglasfenster, die in dem Krematorium „keine gute Stimmung aufkommen lassen sollten“, teilweise oder ganz entfernen. Eventuell werde es zuerst etwa ein Jahr lang eine Zwischennutzung geben, beispielsweise durch Filmdrehs und Fotoshootings.

Die Urnen sind bereits umgesetzt

Der südliche Wedding sei jedenfalls „unter Kunstschaffenden in puncto Wohnen und Arbeiten längst kein Geheimtipp mehr“, so Duske. Er zieht bestehende Kulturstandorte des Weddings zum Vergleich heran, etwa das Stadtbad, das Ex-Rotaprint-Gelände und die Uferhallen. Heitmann, der Geschäftspartner Duskes, der schon bei der Nachnutzung des Fichtebunkers in Kreuzberg sowie des Taut-Hauses am Engelbecken als einer der Projektentwickler auftrat und inzwischen zur Geschäftsführung der „Kulturpark Wedding GmbH in Gründung“ gehört, betrachtet das Krematorium als „einmalige Immobilie“. Die „ruhige Insellage inmitten eines Wohngebiets“ eröffne gemeinsam mit der vorteilhaften Verkehrsanbindung „viele Möglichkeiten für Künstler und Galeristen“.

Die Einäscherungsanlage mit ihrer Fläche von 8500 Quadratmetern war von dem Architekten William Müller geplant und von Hermann Jansen erweitert worden; 1912 wurde sie als das erste Krematorium Preußens eröffnet. 2002 jedoch folgte die Schließung der unrentablen Einrichtung, damit die zwei anderen Krematorien in Ruhleben und am Baumschulenweg fortan eine höhere Auslastung verzeichnen. Ein Konsortium aus den Benelux-Ländern hatte sich zwar noch interessiert an der Einäscherungsanlage gezeigt, um dem „Leichentourismus“ ins Umland etwas entgegenzusetzen, denn die dortigen Gebühren sind niedriger. Daraus wurde jedoch nichts. Das Bezirksamt Mitte ließ die Urnen im Herbst 2011 in eine neue Anlage umsetzen. Die Umgebung ist auch der Standort anderer historischer Bauten, etwa des denkmalgeschützten Postamts „N 65“ und des Gartendenkmals „Friedpark Urnenfriedhof Gerichtstraße“.

Der Liegenschaftsfonds legte laut Geschäftsführer Holger Lippmann Wert darauf, „das Ensemble zu schützen und die bauliche Struktur sowie das äußere Erscheinungsbild zu wahren“. Lippmann gab sich optimistisch, dass dem geplanten Kulturstandort ein „tragfähiges Konzept“ zugrunde liege.


Quelle: Der Tagesspiegel

Krematorium Wedding, Gerichtstraße 35, 13347 Berlin

Telefon 030 46067324

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Das ehemalige Krematorium in Wedding soll zum Kulturstandort werden. Bereits 2002 wurde die Einäscherungsanlage geschlossen. Sie war nicht rentabel genug.

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