35 Jahre Traumfabrik: ufaFabrik feiert

Ehemals Besetzer - heute Kulturtreibende

Ehemals Besetzer - heute Kulturtreibende
Die ufaFabrik in Tempelhof: Kultur und Kinderbetreuung für den Kiez.
Victoriastraße - Alles begann mit einer Hausbesetzung. Etwa 100 Leute - Studenten, Intellektuelle und Künstler - schlossen sich 1972 zu einer Kommune zusammen und lebten in Kreuzberg. Als die Kommune größer wurde, besetzte sie 1979 das Ufa-Gelände in Tempelhof. An diesem Wochenende feiert sie ihr 35. Jubiläum.

Zur Geschichte der Hausbesetzer: Zunächst lebten die Kommunarden in zwei Fabriketagen in der Kreuzberger Oranienstraße. 1976 kam das Kulturzentrum „Fabrik für Kultur, Sport und Handwerk“ in der Kurfürstenstraße in Schöneberg dazu. Um alles unter einem Dach zu haben, suchten sie eine neue ausreichend große Bleibe. Zunächst wollten sie in die ehemalige Maschinenfabrik Prakma in der Waldemarstraße 62-64 ziehen. Der Senat ließ die Fabrik jedoch sprengen, obwohl eine einstweilige Verfügung gegen die Sprengung eingereicht war.

Damit so etwas kein zweites Mal passiert, beschlossen die Kommunarden zuerst zu besetzen und dann zu verhandeln. Diesmal sollte es das historische Ufa-Gelände sein: Es stand Jahre lang leer, die UFA-Gesellschaft war 1956 liquidiert worden und seitdem verfielen die Gebäude auf dem mehr als 18.500 Quadratmeter großen Areal.

Tempelhof zu konservativ

Auf das Gelände des ehemaligen Filmkopierwerks der Aktiengesellschaft für „Filmfabrikation“ (AFIFA), einer UFA-Tochter, wollten sie anfangs gar nicht ziehen. Tempelhof war ihnen zu konservativ. Aber sie träumten davon, eine Welt der kurzen Wege, eine kleine Stadt in der Stadt zu bauen. Das große Areal mit seinen sieben Gebäuden schien bestens dafür geeignet. Und: „Es galt, der Stadt ein Stück Geschichte zu erhalten. Die Geister der alten Ufa waren ja alle hier, wie Marlene Dietrich, Fritz Lang u.v.m. Hier wurde entwickelt, kopiert, synchronisiert und hier wurden die Filme das erste Mal gezeigt, bevor sie überhaupt Premiere hatten“, erklärte der Chef der Ufa-Fabrik Juppy (Josef Becher) in einem Interview für das Buch „West-Berlin“ von Olaf Leitner.

Am 9. Juni 1979 kam es zur Besetzung des Geländes durch die Kommune. Die Ufa gehörte damals der Deutschen Bundespost, die in Verhandlungen mit dem Berliner Senat war und das Gelände verkaufen wollte. Nach etwa drei Wochen intensiver Öffentlichkeitsarbeit und Verhandlungen mit dem Berliner Senat bekamen sie ein Bleiberecht.

Eigene Schule

Heute leben immer noch etwa 40 Menschen in der ufaFabrik. Sie verwalten und betreiben verschiedene kulturelle und soziale Projekte, eine Grundschule, ein Varieté, einen Zirkus, ein Gästehaus, einen Kinderbauernhof, verschiedene Säle und Studios, ein Theater, eine Freilichtbühne, eine Bäckerei, Konditorei, ein Café und eine Kinderzirkusschule. 

Das Nachbarschafts- und Selbsthilfe-Zentrum auf dem Gelände beinhaltet eine Geburtshilfe mit über 20 Hebammen, einen Familienpflegedienst sowie eine Sterbehilfe. Die ufaFabrik veranstaltet auch  Workshops und Projekte für Schulen aus ganz Berlin.

35. Geburtstagsfeier von 15. bis 17.8. mit ordentlich Programm, Eintritt frei. Mehr Infos findest du hier.

ufaFabrik Berlin e.V., Viktoriastraße 10, 12105 Berlin
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