Sanierung in Biesdorf

Was lange währt, wird endlich Schloss

Was lange währt, wird endlich Schloss
Die Turmvilla im Schlosspark Biesdorf soll endlich saniert werden. Dann wird aus einem Geschoss zwei.
Nach über 60 Jahren bekommt das Schloss Biesdorf in Marzahn sein Obergeschoss zurück, das durch einen Brand gegen Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört wurde. Über zehn Jahre ist es her, dass die "Stiftung Ost-West-Begegnungsstätte Schloss Biesdorf e. V." den Wiederaufbau forderte. Nun ist endlich ausreichend Geld da. Nur ein Betreiber fehlt noch.

Im Frühling 1945 brannte das Schloss Biesdorf. Man munkelt, Nazis hätten das Feuer gelegt. Deswegen hat das Schloss Biesdorf seit nunmehr 67 Jahren kein Obergeschoss. Nun konnte endlich das Geld aufgebracht werden, um dem denkmalgeschützten Gebäude zu altem Glanz zu verhelfen und dessen fehlendes Stockwerk zu rekonstruieren. Die Sanierung soll 2015 vollendet werden. Dann präsentiert sich die spätklassizistische Turmvilla als kulturelle Einrichtung mit gastronomischem Angebot. Das Bezirksamt von Marzahn und Hellersdorf hat noch niemanden gefunden, der die Anlage dann führt. Deshalb rief der Bezirk europaweit dazu auf, sich bei Interesse an dem Projekt zu melden.

In die obere Etage zieht die Galerie „Bilderstreit“, die eine ständige Ausstellung von Bildern, Aquarellen und Zeichnungen aus dem Kunstarchiv in Beeskow beinhaltet. Die in Zukunft ausgestellten Arbeiten von Künstlern aus der ehemaligen DDR stammen aus dem Besitz von Staatsorganen und Parteien der DDR und wurden nach dem Mauerfall zusammengetragen.

Als Gegensatz plant Kulturstadträtin Juliane Witt (Linke) kontemporäre Kunst ins Erdgeschoss des Schlosses zu hängen. Die Ausstellungen sollen sich immer wieder ändern, Konzerte, Lesungen, Tagungen, und Gastronomie das Programm abrunden. „Wir wollen das Schloss als historischen Ort erlebbar machen“, erklärt Stadträtin Witt. Das Gebäude wird außerdem mit barrierefreien Eingängen ausgestattet, Treppen werden ausgebessert, Wände renoviert. Der potentielle Betreiber, der die Bewerbungsfrist zum 15. September einhalten muss, kann sich mit eigenen Ideen einbringen: Planung und Bau sollen ein gemeinsames Projekt werden, sagt Witt.

Zehn Jahre Beharrlichkeit

Die Bauskizzen sind beim Wilmersdorfer Architektenbüro Pinardi noch in der Entstehung. Das Büro muss sich nun einer schwierigen Aufgabe annehmen: Die originalen Baupläne, die die Villa vor 1945 skizzieren, gibt es nicht mehr. Einzig durch Fotos können die Architekten Schlussfolgerungen zum damaligen Bau ziehen. So ist unklar, welche Maße das Obergeschoss bis zum Giebel wirklich hatte, ergänzt Immobilienstadtrat Stephan Richter (SPD). 7,5 Millionen Euro kommen von der Stiftung Klassenlotterie, EU und Bezirk für die Sanierung, wobei die kleinste Summe mit 250.000 Euro aus Marzahn-Hellersdorf beigesteuert wird. Die Parkbühne und der Schlosspark werden nicht in die umfangreiche Sanierung mit einbezogen.

Der Baustart war eigentlich längst geplant. Doch wie es in Berlin recht häufig der Fall ist, konnte der Termin nicht eingehalten werden. Nun soll im ersten Quartal 2013 die Aufstockung ihren Lauf nehmen, sagt Witt. Die Pläne müssen noch beim Senat durchgehen. Heinrich Niemann von der „Stiftung Ost-West-Begegnungsstätte Schloss Biesdorf e. V.“ kämpfte schon 2001 für das Projekt. Der Stiftung ist es durch ihre Beharrlichkeit mit zu verdanken, dass die Sanierungsmaßnahmen schlussendlich auf den Weg gebracht werden können. Das war das Ziel, welches sie sich bei Ihrer Gründung auf die Fahnen schrieb. Bereits 2002 war es der Vereinigung möglich, die heruntergekommene Fassade für 1,75 Millionen Euro aus Fördergeldern zu erneuern.  

Geschichte und Zukunft

1868 ließ Hans-Hermann von Rüxleben auf seinem Rittergut das Schloss Biesdorf errichten. Knapp 20 Jahre später ging es an den Unternehmer Werner von Siemens über. Als er es seinem Sohn Wilhelm weiterreichte, fing dieser damit an, das sechs Quadratkilometer große Gelände zu einem Landschaftspark zu machen. Als das Grundstück 1927 der Stadt Berlin übergeben wurde, begann eine zunehmende Vernachlässigung. Zu guter Letzt wurde die Villa 1945 auch noch in Brand gesteckt, was zwar nicht die völlige Demolierung, aber die provisorische Reparatur und Abtragung des Obergeschosses zur Folge hatte.

1994 zog der Verein Ball e. V. in das Gebäude und organisierte kulturelle Veranstaltungen und handwerkliche Kurse. Die Organisation ist mehrfach im Bezirk vertreten. Er unterstützt im Leben, kümmert sich um Arbeitslose und arbeitet mit dem Bezirk in der Arbeitsförderung zusammen. Das Schloss ist ideal für die Arbeit. „Vielleicht gibt es ja eine Möglichkeit, mit dem neuen Betreiber weiterzumachen“, sagt Geschäftsführer Frank Holzmann. Am heutigen Mittwoch um 16 Uhr will er sich dafür stark machen, wenn in einer Gesprächsrunde der Frage auf den Grund gegangen werden soll, in welcher Form regionale Akteure eingebunden werden sollen. Müsste Ball e. V. die Stätte räumen, so gäbe es das BSR-Gebäude gleich in der Nähe, welches bereits als Zweitstandort genutzt wird. Der Bau würde dann intensiver beansprucht werden, meint Holzmann.

Wenn es nach dem Stiftungsvorsitzenden Niemann geht, bezöge der künftige Betreiber den Verein später mit ein. Der Bezirk zeigt sich nachsichtig gegenüber dem Neuen: „Das Schloss ist zwar ein schöner Standort, aber auch nicht so einfach zu bespielen“, sagt Witt und spielt damit auf den Straßenlärm an. Dennoch hofft die Bezirksleitung auf rund 60.000 Besucher jährlich. Auch von der Internationalen Gartenausstellung 2017 erhofft sich der Bezirk Großes. Diese könnte sich über den Park, das Schloss und die Freilichtbühne verteilen, meint Stadträtin Witt.

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Quelle: Der Tagesspiegel

Schloss und Park Biesdorf, Alt-Biesdorf 55, 12683 Berlin

Schloss und Park Biesdorf

Von 6.30 Uhr bis 23 Uhr ist der Park des Schlosses Biesdorf für Besucher zugänglich.

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