Tuntenhaus

Gemeinschaft im Hinterhaus

Graffiti und farbige Aufschriften zeichnen die Gebäudefassade in der Kastanienallee.
Graffiti und farbige Aufschriften zeichnen die Gebäudefassade in der Kastanienallee. Zur Foto-Galerie
Zusammenleben unter Gleichgesinnten, mit Freunden und in der Geborgenheit einer Gruppe: Das sind Gründe für die homosexuellen Bewohner des Wohnprojektes in Prenzlauer Berg. Sie wohnen im dritten Berliner Tuntenhaus, ein einst besetztes Gebäude in der Kastanienallee.

Das Tuntenhaus Berlin ist ein Wohnprojekt von Schwulen und Tunten. Es befindet sich im Hinterhaus des ehemals besetzten Hauses in der Kastanienallee 86 in Prenzlauer Berg. Derzeit leben 17 Schwule wohnen in der Wohngemeinschaft im Hinterhaus. Die Ausstattung ist auf niedrigem Niveau, die Mieten sind gering. Das Haus gehört zu den letzten unsanierten Gebäuden in der Kastanienallee. Es gibt eine Ofenheizung und Außentoiletten, Bäder in den Wohnungen fehlen hingegen. Das Gemeinschaftsbad ibefindet sich in der ehemaligen Waschküche auf dem Dachboden.

Tuntenhäuser haben in Berlin eine jahrelange Geschichte. Das erste seiner Art gab es in der Bülowstraße in Schöneberg. Im Februar 1981 besetzten hauptsächlich homosexuelle Männer das Haus und lebten dort in Wohngemeinschaften miteinander. Sie hatten das Haus in Eigenarbeit renoviert und ausgebaut. Im Dezember 1983 wurde das Haus jedoch geräumt und schließlich abgerissen. In Friedrichshain besetzten Homosexuelle dann am 1. Mai 1990 ein Haus in der Mainzer Straße. Es war das zweite Tuntenhaus Berlins und eines der ersten besetzten Häuser in der Mainzer Straße. Nach heftigen Straßenschlachten räumte die Polizei die Mainzer Straße ein halbes Jahr später im November.

Probleme mit den Eigentümern

Nach der Räumung der Mainzer Straße zog ein Großteil der Bewohner in das heutige Tuntenhaus, das besetzte Gebäude in der Kastanienallee 86 in Prenzlauer Berg. Im Vorderhaus entstand hier ein alternatives Wohnprojekt. Im Hinterhaus eröffnete das dritte Tuntenhaus Berlin. Kurz darauf gab die Wohnungsbaugesellschaft Prenzlauer Berg den Besetzern Mietverträge. Das Haus wurde legalisiert. 2004 kaufte die Kastanienallee 86 GbR das Haus. Seither gibt es immer wiederKonflikte und Streitigkeiten zwischen Eigentümern und Mietern.

Die Kastanienallee 86 GBR, Besitzer des Hauses, will das Gebäude nun sanieren und den Dachboden ausbauen. Die Mieter im Vorderhaus und das Tuntenhaus Berlin sind allerdings dagegen und sträuben sich. Die Leuchtschrift „Kapitalismus normiert, zerstört, tötet“  wurde an der Fassade des Vorderhauses angebracht.  Die Mieter erwarten nach einer Sanierung Mieterhöhungen und neue Mieter. Das aber will niemand der aktuellen Bewohner so einfach akzeptieren.

 

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Quelle: kompakt

Tuntenhaus Berlin, Kastanienallee 86, 10435 Berlin Berlin

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