Mascha fragt nach

Dating- und Sex-Trends - von wegen neu, von wegen Trend

Dating- und Sex-Trends - von wegen neu, von wegen Trend
Spoiler: Einfach kuschelig im Bett vögeln gehört nicht zu den Sex-Trends 2019.
Kolumnistin Mascha sieht sich aktuell einer Flut angeblicher Sex-Trends und Dating-Fallen im Netz ausgesetzt. Doch beim genaueren Hinschauen ist sie verwirrt: Neu ist hier das wenigste - und wenn, dann ist der vermeintliche Trend oft hanebüchener Quatsch. Ein paar Beispiele.

Ich weiß nicht, ob es tatsächlich neu ist oder mir vorher einfach nicht aufgefallen war: Im Netz wimmelt es derzeit von sogenannten Sex- oder gerne auch Dating-Trends, die angeblich gerade DAS Ding sind. Klickt man dann einen dieser aufregenden Ankündigungen an, verbirgt sich dahinter aber oft ganz großer Käse. Beziehungsweise nichts, auf das irgendwie der Begriff „Trend“ passt. Okay, ich weiß natürlich, dass Online-Autor*innen einen recht unfairen Kampf mit Google zu führen haben und ihre Texte nicht nur mit guten Inhalten, sondern vor allem mit gefragten Keywords ausstatten müssen – und was klicken die geneigten User*Innen lieber als so schöne Begriffe wie „Sex-Trend“? Ich bin da voller Verständnis, komme aber nicht umhin, mir einige dieser trendigen Supertrends mal etwas genüsslicher auf der Zunge zergehen zu lassen.

Dating-Trends? Neu sind die eher weniger

Omnipräsent sind sogenannte Dating-Trends. Ghosting, Cushioning, Orbiting, das Netz ist voll von diesen Begriffen. Dingen einen Namen geben, die den aktuellen Dating-Zeitgeist zu reflektieren scheinen – von mir aus. Aber für mich ist ein Trend erstmal etwas Neues, das gerade eine Hochphase erlebt. Liest man sich aber ein bisschen rein, merkt man: Neu sind diese ganzen -ings nicht. Sondern jahrelange Dating-Realität. Etwa Ghosting: Man lernt jemanden kennen, schreibt oder telefoniert, trifft sich vielleicht sogar, alles scheint gut zu laufen – doch dann: Zappenduster, der andere meldet sich nicht mehr und reagiert auch nicht mehr auf Nachfragen. Jo, das fühlt sich kacke an, ist aber nicht neu! Nennt mich einen Pechvogel, aber das ist mir schon passiert, bevor ich mein erstes Smartphone hatte.

Wer viel datet und nicht immer ein sicheres Händchen hat, der wird auch mal geghostet. Eigentlich schon seit mindestens einem Jahr im Netz zu finden, aber gerade mal wieder als neu angepriesen: Caspering, sozusagen die softere, aber genauso miese Masche wie Ghosting. Man meldet sich zwar noch dann und wann bei einem Dating-Partner, aber Versprechen oder angebliche Lust auf weitere Treffen verlaufen ins Leere. Auch das ist doch ein Klassiker! Einzig dem Cushioning gestehe ich zu, eine Art Trend zu sein – geht es doch darum, sich möglichst viele Dates warmzuhalten, um ja nicht alleine dazustehen, wenn die aktuelle Nummer eins abspringt. Mehrgleisig fahren, das ging auch schon zu Mamas und Papas Zeiten, aber dank Dating-Apps wie Tinder und Co ist das heute natürlich in viel größerem Stil und viel einfacher zu praktizieren. Trotzdem finde ich: Nun ist es auch mal gut, unsägliche, aber dennoch gängige Verhaltensweisen in immer neue Worthülsen zu quetschen.

Sex-Trends aus der Hölle

Noch schlimmer wird es aber bei den sogenannten „Sex-Trends 2019“. Vor allem die Dating-App Jaumo tut sich hier mit einem ganz besonderen Ranking hervor. Wie und nach welchen Kriterien hier die aktuelle Auswahl getroffen wurde, kann ich anhand der Pressemeldung nicht erkennen. Weil, steht da nicht. Von daher kann ich auch nicht sagen, was diese putzigen Beispiele nun dazu prädestiniert, ein Trend zu sein. Da wäre etwa die gute Cock Cam, die mich natürlich sofort an meinen kürzlichen Sextoy-Test erinnert (der übrigens tatsächlich einen Aufhänger hatte – nämlich einen Sexspielzeug-Schadstoff-Test der Stiftung Warentest). Ich hatte seinerzeit einen Kamera-Vibrator getestet, offenbar gibt es aber nun auch Penis-Ringe mit entsprechender Kamera-Funktion. Neue Gadgets, so fragwürdig sie auch sind, in eine Trend-Liste zu packen, na von mir aus.

Aber dann: Ein Vibrator, in den eine kleine Urne mit der Asche des verstobenen Partners eingearbeitet wird? Öhm, ob das nun extrem geschmacklos oder tatsächlich eine gute Idee zur Trauerbewältigung ist, will ich mal außen vor lassen. Aber ein Trend? Ganz sicher nicht. Und nun wird es richtig Banane: „Sex-Trend“ Nummer drei ist es nämlich, dass sich einige Frauen offenbar Auberginen-Badekugeln von Lush in die Vagina gesteckt haben. Weil, die Aubergine, das wissen alle Emoji-Freunde, ist ja seit einer Weile als sexy Schwanz-Ersatz im Smartphone-Kosmos bekannt. Uff. Hier kann ich noch nicht mal sagen, ob dieser „Trend“ mir nun erklären soll, dass die Aubergine, hihi, ein echt geiles Gerät ist – oder dass, haha, sich ein paar fehlgeleitete Damen tatsächlich blubbernde Badekugeln als vermeintliche Sex-Toys eingeführt haben. Das ist übrigens nicht gesund, darauf wird immerhin hingewiesen. Ich fürchte, dieses Teil ist gemeint – man möchte es sich gar nicht vorstellen.

Und es bleibt gemüsig in dem Jaumo-Ranking, denn offenbar haben findige Frauenärzte in den vergangenen Monaten auch hin und wieder Knoblauch und Petersilie aus weiblichen Intimbereichen entfernen müssen. Angeblich seien diese Frauen der Meinung gewesen, das sei gut gegen Pilzinfektionen oder für die Periode oder was weiß ich. „Vereinzelte“ Frauen, schreibt selbst Jaumo. Aber, vollkommen egal, das reicht hier für das Prädikat: Sex-Trend 2019! Da helfen auch Trend vier und fünf nicht mehr, im Gegenteil: Ein Vape-Pen soll Raucherinnen bei jedem Zug eine Vibration in den Schlüppi zaubern und ein Penis-Tracker Kalorien und Anzahl der Stöße beim Geschlechtsverkehr zählen. Wow. Wenn das mal kein sexy Jahr 2019 wird, bei all dieser Inspiration.

Der einzige Sex-Trend, den ich aktuell feiere ist: Endlich wird mehr, anders, offener über Sex reden. Über die Vielfalt der Körper, Bedürfnisse, Ängste, Scham und alles, was abseits der angeblichen Norm passiert. Das kann von mir aus jedes Jahr immer wieder als Trend gefeiert werden – so lange, bis es Normalität geworden ist.

Soweit: Gut, dass ich da mal nachgefragt, beziehungsweise nachgedacht habe.

Eure Mascha

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