Areal in Nikolassee

Dauerhafte Bleibe für Sinti und Roma

Südosteuropäische Sinti und Roma suchen seit Jahrzehnten eine dauerhafte Bleibe in Berlin.
Südosteuropäische Sinti und Roma suchen seit Jahrzehnten eine dauerhafte Bleibe in Berlin.
Endlich entstehen sanitäre Anlagen und ein Servicegebäude auf dem Gelände am Grenzübergang Dreilinden, wo Sinti und Roma seit 1995 auf ein lebenswerteres Quartier hoffen. Schon im November 2012 soll das Projekt abgeschlossen sein, allerdings wird es teurer als geplant.

Das behelfsmäßige Quartier hatte fast zwei Jahrzehnte Bestand. Immer wieder wurden reisende Sinti und Roma, die sich seit 1995 in den Sommermonaten zu Hunderten auf dem Wohnwagenstellplatz am ehemaligen Grenzübergang Dreilinden treffen, hingehalten. Jetzt haben die Umbauarbeiten zu einem Dauerquartier mit sanitären Anlagen begonnen. Doch weil so lange gezögert wurde, kostet der Bau nun eine halbe Million Euro mehr, als in den ersten Entwürfen veranschlagt.

Ursprünglich war das gut 32.000 Quadratmeter große, neue Areal in Nikolassee als Parkraum für Lastwagen gedacht. Mitte der Neunziger stellte der Senat es für Sinti und Roma zur Verfügung. Bis zu 36 Familien gleichzeitig haben dort in ihren Wohnwagen gelebt. Sanitäre Einrichtungen waren all die Jahre nur in Containern untergebracht, Versorgungsleitungen verliefen oberirdisch. Jetzt soll das „heruntergekommene Areal“ hergerichtet werden, sagte die Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Daniela Augenstein. Dazu gehöre auch ein 475 Quadratmeter großes Servicegebäude, das anstelle der alten Container entstehen soll. Darin gibt es dann Platz für Toiletten, Duschen, Aufenthalts- und Technikräume. Schon Ende August würden die Bauarbeiten abgeschlossen.

Im November 2012 soll alles fertig sein

Auch eine Wiederaufforstung soll in dem Gebiet stattfinden. Geplantes Projektende: November 2012. Doch daran mag kaum jemand glauben. Bereits im Januar 2001 stand im Amtsblatt der Beschluss des damaligen Senators für Stadtentwicklung, Peter Strieder (SPD), es solle „umgehend ein ständiger Standort für Wohnwagen durchreisender Sinti und Roma in Berlin geschaffen werden“. 2,5 Millionen Euro wollte man für die Maßnahme investieren, doch das Geld fehlte.

Erst 2009 findet sich der Umbau des Stellplatzes wieder bei den Investitionen des Landes Berlin, diesmal finanziert mit drei Millionen Euro bis zum Jahr 2012. Dabei hatte sich die Senatsverwaltung für Bildung schon früh um die schulpflichtigen Kinder der Sinti und Roma gekümmert. Nun gebe es ein Konzept für ihre Beschulung, sagt Thorsten Metter, Sprecher der Bildungsverwaltung. „Die Kinder werden im Sommer in den umliegenden Schulen unterrichtet.“ Noch stehe aber gar nicht fest, wie viele Sinti und Roma kommen. Probleme mit der Sprache gebe es nicht, am Stellplatz Dreilinden hielten erfahrungsgemäß keine „Neuzugänge ohne Sprachkenntnisse“ aus Rumänien, wie in anderen Teilen der Stadt, meint Metter.

Es kehrt Ruhe und Normalität ein

Auch der Protest gegen die Dauercamper hat sich im Bezirk mittlerweile gelegt. Nur die rechte Randpartei Pro Berlin hetzt weiter auf Flyern gegen „die Zigeuner“. Zehlendorfs Stadtentwicklungsstadtrat Norbert Schmidt hat keine Beschwerden mehr vorliegen. Jahre zuvor gab es Anwohnerproteste und auch der Bezirk stellte sich quer, weil das Areal als Naturschutzgebiet ausgewiesen war.

Markus Rosenberg vom Verein zum Erhalt der Kultur der Sinti und Roma, der von der Bildungsverwaltung mit der Betreuung des Platzes beauftragt wurde, hofft, dass die Bauarbeiten wirklich zum Ende des Jahres abgeschlossen werden. „Es wäre ein Stück Normalität“, sagt er.


Quelle: Der Tagesspiegel

Dauerhafte Bleibe für Sinti und Roma, ehem. Kontrollp. Dreilind 2, 14129 Berlin

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