Denkmal des Monats Mai 2015

Das "Blaue Wunder" am Fischtalpark

Das "Blaue Wunder" am Fischtalpark
Dieses Gebäude in der "Papageiensiedlung" in Zehlendorf leuchtet in neuem alten Glanz.
Im Mai hat ein Gebäude aus der im Volksmund als "Papageiensiedlung" bezeichneten Wohnanlage rund um den U-Bahnhof Onkel-Toms-Hütte den Status als "Denkmal des Monats" im Bezirk Steglitz-Zehlendorf erhalten. Das Gebäude geht auf den Architekten Otto Rudolf Salvisbert zurück und besticht nicht nur mit seiner besonderen Farbigkeit.

Insgesamt haben drei Architekten in der zwischen 1926 und 1932 errichteten „Waldsiedlung Zehlendorf Onkel-Toms-Hütte“ ihre Handschrift hinterlassen. Neben dem Wohnkomfort lag ihnen dabei auch das äußere Erscheinungsbild der Wohnanlage für rund 20.000 Menschen am Herzen. Nördlich der Argentinischen Allee gestaltete Bruno Taut seine Etagenwohnungs- und Mehrfamilienhäuser aus einem Zusammenspiel intensiver Farben und klar gegliederter kubischer Formen heraus. Gegenüber, im Eisvogelweg und der südlichen Riemeisterstraße, ging es Hugo Häring mit einem betont unauffälligen Grün als einheitliche Farbgebung etwas weniger spektakulär an.

Das „Blaue Wunder“ hingegen ist dem Architekten Otto Rudolf Salvisberg zu verdanken, der in seinen Reihenhäusern ganz auf Individualität setzte. Während seine Häuser in der Reiherbeize dunkelrostrote Straßenfassaden aufweisen, wechseln sich im Waldhüterpfad grüne und gelbe Farbtöne ab. Blau geht es dagegen im Norden und im Süden der Wohnanlage zu. Dabei gehört das „Denkmal des Monats“ zu den am besten sanierten Anlagen. Hier lassen sich die Absichten des Architekten noch rund 90 Jahre nach der Errichtung ablesen. Die Doppelhaushälfte mit der Nummer 63 verfügt wieder über die ursprünglichen fassadenbündig sitzenden Holzfenster mit dunkelblauer Rahmung, den Dachüberstand mit roten Sparrenköpfen und dunkelbrauner Holzschalung und natürlich die charakteristische mineralisch-blaue Fassadenfarbe. Selbst der kleine, auf einem roten Klinkersockel stehende Anbau, ursprünglich als WC errichtet, wurde liebevoll restauriert.

Wer sich für die architektonische Geschichte Berlins interessiert, findet weitere Bauten von Salvisberg übrigens in der Harzer Straße 39 in Neukölln, in der Johannisberger Straße 35 und der Binger Straße 53 in Wilmersdorf oder der Douglasstraße 12 in Grunewald. Auch die Großsiedlung Weiße Stadt in Reinickendorf, die heute zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, hat Salvisberg als einer von vier Architekten entworfen.

Das "Blaue Wunder" am Fischtalpark, Am Fischtal 63, 14169 Berlin

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