Zehlendorfs Maulbeerbäume

Wo die Seidenraupen speisten

Wo die Seidenraupen speisten
Die Maulbeerbäume auf dem Zehlendorfer Dorfkirchhof haben eine interessante Vergangenheit,
Zehlendorf-Mitte - Das vom Bezirk Steglitz-Zehlendorf im Juli gekürte "Denkmal des Monats" macht auf die kuriose Tatsache aufmerksam, dass im Südwesten Berlins im 19. Jahrhundert Seidenraupen für den preußischen Hof gezüchtet wurden.

Drei Maulbeerbäume auf dem Kirchhof der Zehlendorfer Dorfkirche sind vom Bezirk in diesem Jahr zum Denkmal des Monats Juli erklärt worden. Die ursprünglich aus China stammenden Gewächse wurden vor über 200 Jahren von Ferdinand Schäde, einem in Zehlendorf tätigen Dorfschullehrer, angepflanzt. Insgesamt sollten 15 Maulbeerbäume Schäde dabei helfen, das eigene Gehalt aufzubessern – und zwar mittels einer privaten Seidenraupenzucht.

Seit der Regentschaft Friedrichs des Großen (1688 bis 1740) wurde die Seidenproduktion in Preußen systematisch ausgebaut, mit den angelieferten Kokons konnten die Produzenten gutes Geld verdienen. Auch Schäde entdeckte die Einnahmequelle für sich. Die Maulbeerbäume sollten den gefräßigen Tieren dabei als Nahrungsquelle dienen. Bis zur Verpuppung der Seidenraupen versorgte die gesamte Familie Schäde die Tiere im heimischen Wohnzimmer, später in der Dachkammer, mit dem Laub der Bäume vom Kirchhof. Anschließend lieferte Schäde die Kokons in der zuständigen Haspelei an. Dort wurden die Puppen abgetötet, der Kokon aufgelöst und der jeweilige Faden mit zwei bis sieben weiteren zu einem Webfaden gesponnen.

Heute haben die seit 1940 als Naturdenkmal ausgewiesenen Bäume auf dem Zehlendorfer Dorfkirchhof einen gewaltigen Stammesumfang von drei bis vier Metern. Sie sind, neben einem 160 Jahre alten Maulbeerbaum auf dem Althoffplatz, die letzten Zeugen der Seidenproduktion im Bezirk. Am Althoffplatz wurde ab 1845 eine große Plantage angelegt, auf der 35.000 Maulbeerbäume wuchsen und die zeitweise als bedeutendstes Seidenbauzentrum in Deutschland galt. Die Produktionsstätte wurde nach einer Seidenraupen-Seuche und mehreren strengen Wintern geschlossen. Heute erinnert der Name der Filandastraße (Filanda: Kokon-Haspelei und Zwirnerei) an die Zeit der Seidenraupen in Steglitz-Zehlendorf.

Wo die Seidenraupen speisten, Clayallee 357, 14169 Berlin

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