Denkmal des Monats Juni 2014

Die Eisenbahnerhäuser in der Köhlerstraße

Für das 19. Jahrhundert ungewöhnlich komfortable Mietwohnungen beherbergten diese Eisenbahnerhäuser.
Für das 19. Jahrhundert ungewöhnlich komfortable Mietwohnungen beherbergten diese Eisenbahnerhäuser.
Lichterfelde-West - Vier für die Zeit erstaunlich komfortable Mietshäuser für Eisenbahner ließ der Unternehmer Johann Anton Wilhelm von Carstenn im 19. Jahrhundert unweit des heutigen S-Bahnhofs Lichterfelde-West bauen.

Der Wohnungsbau und die Verbesserung der Infrastruktur waren schon Mitte des 19. Jahrhunderts dringende Anliegen in und um die wachsende preußische Hauptstadt Berlin. Der Unternehmer Johann Anton Wilhelm von Carstenn wusste diese Bedürfnisse für seine Zwecke zu nutzen und erwarb 1865 die hochverschuldeten Güter Lichterfelde und Giesendorf, um auf den Flächen vor den Toren der Stadt zusätzlichen Wohnraum für gut betuchte Berliner zu schaffen.

Nicht nur der geringe Kaufpreis, sondern auch das Vorhandensein zweier Eisenbahnlinien nach Berlin sprach für den Erwerb eben dieser Flächen. Um seine neue Villenkolonie gut an die Hauptstadt anbinden zu können, musste die vorhandene Verkehrsanbindung jedoch noch ausgebaut werden. Der Einfachheit halber übernahm Carstenn persönlich den rasch genehmigten Bau zweier Bahnhöfe. Für die Errichtung weiterer nötiger Infrastruktur überließ er der Eisenbahngesellschaft zahlreiche Grundstücke – unter anderem ein 25.000 Quadratmeter großes Gelände zwischen Curtiusstraße, Jägerndorfer Zeile, Köhlerstraße und Friedrichstraße.

Von Bahnarbeitern und Ackerflächen

Hier, nur wenige hundert Meter vom Vorortbahnhof Lichterfelde (heute S-Bahnhof Lichterfelde-West) entfernt, wurden Mitte der 1870er Jahre vier kreuzförmig um Kleintierställe und Abortanlagen angeordnete Beamtenwohnhäuser errichtet. Die viergeschossigen Spätbiedermeierbauten waren nicht nur aufgrund ihrer Höhe im ländlichen Lichterfelde etwas Besonderes. Auch die Tatsache, dass die Mietwohnungen im Gebäude licht- und luftdurchflutet waren, stellte im Angesicht der üblichen Berliner Mietskasernen einen besonderen Luxus dar. Das unbebaute Umland wurde von den Bahnmitarbeitern lange als Ackerfläche zur Selbstversorgung genutzt. Abgesehen vom Einbau einiger WCs 1903 (jede Wohnung erhielt eine Toilette auf dem Flur) bzw. dem Einbau wohnungsinterner Waschräume nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Umbau der Stallungen in Garagen, blieben die vier Gebäude nahezu unverändert. Heute befinden sich die Wohnhäuser in Privatbesitz.

Übrigens: Im Laufe der Zeit ist das ehemalige Rittergut Giesendorf mit Lichterfelde zusammengewachsen. Nur die alte, denkmalgeschützte Dorfkirche und der Name der evangelischen Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf erinnern heute noch an das kleine Örtchen.

Weitere Infos findest du hier.

Die Eisenbahnerhäuser in der Köhlerstraße, Köhlerstraße 5-9, 12205 Berlin

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