Enthüllung am Tempelhofer Ufer

Eine Tafel für Rio

Eine Tafel für Rio
Drei Musiker von Ton Steine Scherben waren bei der Einweihung anwesend und posierten für die zahlreich erschienenen Fotografen: die Gründungsmitglieder R.P.S. Lanrue und Kai Sichtermann sowie der langjährige Schlagzeuger Funky K. Götzner (v.l.). Zur Foto-Galerie
Tempelhofer Ufer – An Rio Reiser, den 1996 verstorbenen Sänger der legendären deutschen Rockband Ton Steine Scherben, erinnert seit dem 20. August eine Porzellantafel an seinem ehemaligen Wohnhaus am Tempelhofer Ufer 32. Das Interesse an Reiser, seiner Band und ihren gesellschaftskritischen Texten scheint ungebrochen, wie der Andrang bei der Enthüllung der Tafel nahelegte.

An einem Dienstagmittag im August drängen sich an die 100 Menschen vor einem unscheinbaren, eingerüsteten Haus  am Tempelhofer Ufer in Kreuzberg. Normalerweise kommen hier nur Autofahrer und eifrige Besucher des nahen Technikmuseums häufiger vorbei, doch an diesem Tag steht das Haus mit der Nummer 32 im Mittelpunkt des Interesses. Grund ist sein ehemaliger Bewohner: Rio Reiser, Sänger und Gründungsmitglied der Rockband Ton Steine Scherben, lebte von 1971 bis 1975 mit seiner Band in dem Haus. Darüber hinaus gewährte er hier auch Obdachlosen Unterschlupf.

Bei seiner einführenden Rede vor der Enthüllung der Gedenktafel griff der Chef der Senatskanzlei, Staatssekretär Björn Böhning (SPD), die popkulturelle und gesellschaftliche Bedeutung der „Scherben“ auf. Reiser, der später auch als Solokünstler Erfolge feierte, sei ein „Pionier der deutschsprachigen Rockmusik“ gewesen, so Böhning. Das Neue an den Scherben-Texten war tatsächlich die unverblümte Gesellschafts- und Systemkritik, die es in dieser Form von einer deutschen Band zuvor noch nicht gegeben hatte.

Porzellan für den Scherben-Sänger

Die neue Kulturstadträtin von Friedrichshain-Kreuzberg, Jana Borkamp (Grüne), fragte sich stellvertretend für wohl einige der Anwesenden, was Reiser von einer Gedenktafel aus Porzellan gehalten hätte. Auf die nun angebrachte Version hatte man sich mit dem Hausbesitzer geeinigt. Die Tafel entspricht von der Gestaltung her jenen, die in Zusammenarbeit mit der Historischen Kommission zu Berlin im Gedenken an andere berühmte Berliner in der ganzen Stadt verteilt sind. In eine Reihe mit Persönlichkeiten von Hannah Arendt bis Conrad Zuse gestellt zu werden, hätte ihm vielleicht doch gefallen, mutmaßte Borkamp.

Nachdem Sema Binia von der Berliner Geschichtswerkstatt etwas zur Entstehung der Idee einer Rio Reiser-Gedenktafel gesagt und der Chor Acappellaplenum ein weiteres Reiser-Lied interpretiert hatte, schritten Böhning, Borkamp und Rainer Knauber vom Tafel-Sponsor GASAG zur Enthüllung. Die anwesenden Scherben-Mitglieder R.P.S. Lanrue, Kai Sichtermann und Funky K. Götzner folgten zögerlich, um ebenfalls vor der Tafel zu posieren. Noch hängt das Rechteck aus Porzellan unscheinbar an der Hauswand, halb verdeckt von Stangen und Gerüsten. Auch am Tempelhofer Ufer 32 finden Sanierungsarbeiten statt – was Reiser dazu wohl gesagt hätte?

Foto Galerie

Eine Tafel für Rio, Tempelhofer Ufer 32, 10963 Berlin

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