Ein-Quadratmeter-Haus

In der Welt zuhause

Tausend und eine Möglichkeit: Aus dem Ein-Quadratmeter-Haus lässt sich eine Menge herausholen.
Tausend und eine Möglichkeit: Aus dem Ein-Quadratmeter-Haus lässt sich eine Menge herausholen. Zur Foto-Galerie
Ein Haus zum Selber-Bauen und Überallhin-Mitnehmen: Der Architekt und Künstler Van Bo Le-Mentzel hat das Ein-Quadratmeter-Haus erfunden - und damit auch einen Beitrag zur Diskussion um die öffentliche Nutzung des urbanen Raumes geleistet. Vor dem EastSeven Hostel in Prenzlauer Berg kann man das Wohngefühl in den mobilen Hütten testen.

„Ich glaube nicht daran, dass ein großes Haus mit großem Glück zusammenhängt“, so der 35-jährige Architekt Van Bo Le-Mentzel gegenüber QIEZ.de. Mit seinem Ein-Quadratmeter-Haus hat er dieser Überzeugung ein Denkmal gesetzt. Via Internet oder bei Workshops können sich Interessierte Häusle-Bauer bei der Konstruktion des Hauses unterstützen lassen – zu kaufen gibt es das wohl kleinste Apartment der Welt nicht. „Ich möchte niemandem vorschreiben, wie sein Quadratmeter Freiheit auszusehen hat“, erklärt Le-Mentzel.

Freiheit – dieser Begriff ist dem in Laos geborenen Künstler in Bezug auf sein Projekt besonders wichtig. „Für mich war die Heimat immer schon der Ort, an dem die eigenen Freunde leben – das Ein-Quadratmeter-Haus gibt seinen Bewohnern die Möglichkeit, ihre Heimat zu verpflanzen und immer dort zu sein, wo man gerade leben will.“

Die Stadt gehört allen

Auch auf die Frage „Wem gehört die Stadt?“ wolle er mit dem flexiblen und individuellen Wohnraum eine neue Antwort geben. „Auch ohne ein eigenes Grundstück oder die notwendigen finanziellen Mittel sollen sich die Menschen ihren Teil der Stadt und der Kieze erobern können“, so Le-Mentzel, der bereits mit seinen Hartz-IV-Möbeln zum sozialen Diskurs in Deutschland beitrug.

70 Zentimeter breit, 100 Zentimeter lang und knapp zwei Meter ist das Haus, das sich auch aufgrund seines relativ geringen Gewichtes und dank seiner Rollen ohne Probleme transportieren lässt. „Sogar in den Zug oder den Fahrstuhl kann man das Haus mitnehmen“, verspricht sein Erfinder. Und ob man sich nun in einem Feld hinter dem Teufelsberg am wohlsten fühle, oder auf einem Kreuzberger Dach übernachten wolle, das Ein-Quadratmeter-Haus sei zu allen Experimenten bereit und habe sich bereits als Pancake-Küche, Gebetshaus oder kleines Büro bewährt.

Bereits 13 Holzhütten sind bei Berliner Workshops in den vergangenen Wochen entstanden. Vier von ihnen stehen vor dem EastSeven Hostel in der Schwedter Straße. Für einen Euro pro Tag kann man das Häuschen mieten – die Nutzung der Sanitäranlagen im Hostel ist inklusive. Doch nicht nur in der Hauptstadt stößt die Erfindung auf reges Interesse: „Auch in Usbekistan, Österreich oder den USA ist man an dem Projekt interessiert“, so der aus Vietnam stammende Architekt Le-Mentzel. In Washington denke derzeit eine Obdachlosenvereinigung über den Einsatz des Ein-Quadratmeter-Hauses nach.

Foto Galerie

EastSeven Hostel, Schwedter Straße 7, 10119 Berlin

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