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Ein Tipp für die Großfamilie

Der Weg durch die unterhaltsame Cranach-Ausstellung.
Der Weg durch die unterhaltsame Cranach-Ausstellung.
Kulturforum - Oma, Opa, Mutter, Vater und Kind(er) - zusammen können sie einen wunderschönen Tag erleben. Im Kulturforum - wer hätte das gedacht?

Die Wikinger im Martin Gropius Bau – auch sehr schön. Aber es gibt für die Herbstferien auch noch anderes Sehenswertes. Aktives und Passives – zum Schauen und Selbstmachen. Das Ereignis für alle findet bei den „Alten Meistern“ in der Gemäldegalerie im Kulturforum statt (ja, Sie haben richtig gelesen, bei den alten ehrwürdigen Meistern), das zweite Ereignis ein paar Schritte weiter in der Kunstbibliothek des Kulturforums. Diese Ausstellung ist in erster Linie für unsere Generation und die unserer Kinder interessant. Unsere Enkelkinder – nun ja, für sie ist es sicher nicht so interessant.

Mitmachausstellung „Pop Up Cranach“

In der Gemäldegalerie überrascht schon der Titel „Pop Up Cranach“. Was steckt dahinter? Es ist eine „Mitmachausstellung“, in der Ihre Enkel-Kinder zu Forschern und Detektiven werden können. Und das anhand der Bilderwelten der der Cranach-Familie: Vater und Sohn. Es ist eine Zeitreise durch die Stadt Wittenberg mit acht Bildern. Sie geraten plötzlich in Bewegung, lösen sich in einzelne Teile auf, werfen Schatten, produzieren Geräusche und stellen Fragen. Woraus werden Farben hergestellt, was erzählt die Cranach’sche Bilderwelt, welche Bedeutung haben die Symbole? Wittenberg und die Reformation, das höfische Leben – an all das werden Ihre Enkel-Kinder spielerisch herangeführt. Mit Leichtigkeit und ihrem Alter gemäß.

Für Eltern und Großeltern gibt es im Rahmen der Ausstellung übrigens noch eine kleine Kostbarkeit zu sehen. Im Kupferstichkabinett ist ein Raum „Cranachs Helden“ gewidmet. Der Jüngere der Cranachs hat sie auf kleinen Blättern, nicht größer als Postkarten, festgehalten: Martin Luther, seine Mitstreiter, aber auch andere Größen der damaligen Zeit. Diese kleine Ausstellung läuft allerdings nur bis zum 16. November.

Was meinen Sie? Ist das nicht der ideale Tipp für ein Wochenende, wenn der Charme der Herbstspaziergänge endgültig verblasst? Darüber hinaus gibt es eine Fortsetzung und zwar im Atelier des Alice-Museums für Kinder im FEZ Berlin: Hands on Cranach heißt die Aktion. Und das heißt: malen, zeichnen, fotografieren, drucken, experimentieren – alles inspiriert durch die Welt der Cranachs.

Was Sie sonst noch dazu wissen müssen:

Pop Up Cranach läuft noch bis 12.04.2015. Eintritt: bis 18 Jahre 4,50 Euro. Oma, Opa, Mutter, Vater zahlen nur 2,50 Euro. Aber: Es kommt noch der Eintritt in die Gemäldegalerie hinzu: 10,00 Euro, ermäßigt 5,00 Euro, Kinder bis 18 Jahre frei. Alles Weitere finden Sie hier. Hands on Cranach: ebenfalls bis 12.04.2015. Eintritt 4,50, ermäßigt 3,50, Familien 13,50, ermäßigt 10,00 Euro.

„Krieg und Kleider 1914 – 1918“

Und jetzt kommen wir zu uns, den begleitenden Erwachsenen: Wenn Sie Ihre Enkel-Kinder versorgt sehen, dann gehen Sie von der Gemäldegalerie zur Kunstbibliothek und hinein in die Ausstellung „Krieg und Kleider 1914 – 1918: Modegrafik zur Zeit des Ersten Weltkriegs“. Sie werden überrascht sein – ich zumindest war es. Die Ausstellung zeigt sehr beeindruckend, dass Mode schon immer Ausdruck und Vorreiter für neue Einflüsse und Emanzipation war. Berlin, Paris und Wien – das waren damals die großen und einflussreichen Metropolen. Deutlich wird, wie sehr es in dieser Zeit gerade Berlin darauf ankam, sich von den Pariser Einflüssen zu lösen – entsprechend der politischen Situation. Der freiere Geist – in etwas kürzeren Röcken, in schwingenden Silhouetten wurde er sichtbar.

Es war wie das trotzige Aufbegehren gegen Lasten und Tabus. Neue Stoffe wurden entwickelt, Bastseide, Jerseygewebe und in Plauen blühte die Spitzenproduktion auf (dass z.B. Seide und Samt zu „Alltagsstoffen“ wurden, lag daran, dass es diese lange ohne Bezugsschein gab – im Gegensatz zu Wolle, die der Front vorbehalten blieb!). „Promenadenkleider“ waren en vogue – Straßenkostüme also. Mantelkleider, Capemäntel. Alles war also schon einmal da.

Die Ausstellung zeigt auch zum ersten Mal Modeskizzen von Annie Offerdingen, die für das damals sehr extravagante Modehaus „Alfred-Marie“ gearbeitet hat.  Aber schauen Sie selbst – Sie werden viel Überraschendes entdecken und sehr oft sagen: „Ach ja, so war es damals, ich erinnere mich …“

Die Ausstellung läuft noch bis zum 18. Januar 2015. Eintrittspreise 6 Euro, ermäßigt 3 Euro. Alles Weitere hier.

Dieser Text wurde uns zur Verfügung gestellt vom Blog Berlin ab 50, einem von fünf Berlinerinnen initiierten Portal für die Generation der Best Ager – und alle anderen interessierten Leser und Schreiber.


Quelle: Blog "Berlin ab 50"

Gemäldegalerie Berlin, Matthäikirchplatz, 10785 Berlin

Telefon 030 266424242

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