Caligariplatz in Weißensee

(Fast) Vergessene Fimkulisse

Im sogenannten Roten Salon in der Brotfabrik treffen sich Literaturinteressierte zu Lesungen.
Im sogenannten Roten Salon in der Brotfabrik treffen sich Literaturinteressierte zu Lesungen.
Das Kulturzentrum Brotfabrik und der Verein Glashaus wollen den Caligariplatz in Weißensee in einen belebten Kiez-Treffpunkt verwandeln. Zum zehnten Jubiläum sind alle Anwohner zu einer kostenlosen Filmvorführung eingeladen und am 15. September soll der Caligariplatz von vielen freiwilligen Händen neu bepflanzt werden.

Der Name des Caligariplatzes erinnert an die filmgeschichtliche Bedeutung von Weißensee: Kurz nach dem 1. Weltkrieg wurde in dem Berliner Ortsteil der 1920 uraufgeführte Stummfilm-Klassiker „Das Cabinet des Dr. Caligari“ gedreht. Er verankerte die Filmstadt Berlin auf der Weltkarte des Kinos und gilt bis heute als Meilenstein des expressionistischen Films. Zu Ehren des Drehortes benannte man vor 10 Jahren den Platz vor der Weißenseer Kultureinrichtung „Brotfabrik“ in „Caligariplatz“ um.

Auch das Kulturzentrum selbst kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Das in der 1890 eröffneten Backstube gebackene Brot wurde noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein mit Pferdekutschen im gesamten Stadtgebiet ausgeliefert. Heute beherbergen die ehemaligen Ställe eine Galerie und auch ein Kino, ein Theater und eine Kneipe sind auf dem Gelände der Brotfabrik untergekommen.

Gemeinsam mit dem Verein Glashaus setzt sich Jörg Fügmann, der Leiter der Kultureinrichtung, für den ehemaligen Bezirk Weißensee ein. Nach der Verwaltungsreform vor zwölf Jahren und der damit einhergehenden Zusammenlegung der Bezirke habe der Ortsteil einen großen Teil seiner Identität eingebüßt, so Fügmann. Mit fünf großen Schildern will man die Erinnerung an die bedeutende Vergangenheit Weißensees wach halten.

Ein anderes Projekt, das der Verein vor vier Jahren in Angriff nahm, scheiterte. Damals gestaltete man ein verwahrlostes Grundstück mit Bänken und Tischtennisplatten zum „Kiezplatz“ um. Die als Nachbarschaftstreffpunkt konzipierte Anlage wurde von der Bevölkerung jedoch nicht angenommen – im vergangenen Jahr musste die Fläche deshalb für ein Neubauprojekt geräumt werden.

Ungeliebter Wendehammer

Dennoch geben Fügmann und das Team aus der Brotfabrik nicht auf. Obwohl eine in den 60er Jahren angelegte Wendemöglichkeit für Autos den damals noch namenlosen Caligariplatz deutlich verkleinerte, bemüht man sich weiter darum, das Areal zu einem attraktiven Kieztreffpunkt zu machen. Zweimal in der Woche ist Markt und vor acht Jahren setzte sich Fügmann für das gestalterische Konzept zweier Architekturstudentinnen ein. Mit einem verzerrten Schwarz-Weiß-Muster sollte der Platz weithin sichtbar zu einer Hommage an den hier gedrehten Dr.-Caligari-Film werden.

Tatsächlich orientierte sich der Bezirk bei der anstehenden Pflasterung an der Idee der Studentinnen – auch wenn das Karo-Muster deutlich konventioneller ausfiel. „Der Bezirk liebt ordentliche Quadrate“, bedauert Fügmann. Die Gelegenheit für die Beseitigung des Wendeplatzes ließ man zwei Jahre nach der Umbenennung ebenfalls ungenutzt verstreichen: „Wer will sich schon mit Bürgern wegen fehlender Parkplätze anlegen?“

Pünktlich zum zehnten Geburtstag des Caligariplatzes und zum Aktionstag „Berlin – unsere saubere Stadt: Mach mit!“ nehmen Fügmann und sein Team ein neues Projekt in Angriff. Gemeinsam mit Anwohnern möchte man am 15. September ab 10 Uhr die Baumscheibe an der Caligariplatz-Kastanie bepflanzen. Alle freiwilligen Helfer sind herzlich willkommen.

Bereits eine Woche früher, am 8. September, kann man sich um 21 Uhr von einer kostenlosen Filmvorführung auf das 10-jährige Jubiläum des Platzes einstimmen lassen. Gezeigt wird – natürlich – „Das Cabinet des Dr. Caligari“ mit Live-Musik.

 


Quelle: Der Tagesspiegel

Brotfabrik, Caligariplatz 1, 13086 Berlin

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