Gutspark Neukladow

Ungeschliffener Diamant an der Havel

Blick aufs Wasser: Auf der Terrasse des Gutshauses in Neukladow.
Blick aufs Wasser: Auf der Terrasse des Gutshauses in Neukladow.
Schon bald erstrahlt der Gutspark Neukladow im neuen Glanz. Dann darf hier jeder - mit herrlichem Blick aufs Wasser - verweilen, feiern und Kultur erleben.

Blau so blau liegt der Große Wannsee in der Märzensonne. Wellen schmatzen am Pier der Dampferanlegestelle. Wildgänse kreisen hoch am Himmel. Dieselgeruch liegt in der Luft. Da kommt sie angetuckert, die BVG-Fähre Nummer 10. Ihr Name: „MS Tempelhof“. Immer zur vollen Stunde schippert das blau-weiße Schiff von Wannsee nach Kladow. Der 20 Minuten kurze Seeweg ist ganz bestimmt die schönste Art, zum Gutspark Neukladow zu gelangen.

„Can you take a picture?“, fragt eine füllige Spanierin, die sich wie die anderen Ausflügler eilig aufs Sonnendeck der Fähre schwingt. Gefragt, getan und abgelegt. Am Bug rauscht weiß die Gischt auf, schon bleiben Strandbad Wannsee und Halbinsel Schwanenwerder zur Rechten liegen und das Boot fährt linker Hand die Insel Imchen. In deren noch blattlosen Baumkronen bestellen Scharen von Vögeln ihre Nester. Vom Kladower Ufer leuchtet das Gutshaus gelb über die Havel herüber. Eine Viertelstunde Fußmarsch vom Anleger über die stille Imchenallee, durch das eiserne Gutsparktor, vorbei an vernagelten Wirtschaftsgebäuden – und schon steht man davor.

Für die drei Männer, die gerade prüfend die Fassade mustern, ist das Herrenhaus mit den blinden Fenstern das Herzstück ihrer jahrelangen Mühen. 1800 von David Gilly erbaut, an die 800 Quadratmeter groß, teils eingerüstet und von Handwerkerlärm erfüllt: Das ist das Gutshaus Neukladow, das vor seinem Verfall Bismarcks Mutter als Wohnsitz, einer Künstlerbohème aus Malern und Theaterleuten als champagnertrunkenes Idyll und der Arbeiterwohlfahrt als Erholungsheim diente.

In alter Schönheit erstrahlt

Vor einigen Monaten hat die von Rechtsanwalt Frank Auffermann und Jürgen Knebel mitgegründete Bürgerstiftung Gutspark Neukladow ihre Arbeit aufgenommen. Und der auf alte Bausubstanz spezialisierte Architekt Dag Schaffarczyk ist guter Hoffnung, im kommenden oder übernächsten Jahr mit der Sanierung von Haupthaus, Verwalterhaus und den Torhäusern am Haupteingang Neukladower Allee beginnen zu können.

Bereits zu Ostern soll das Gutshauscafé wieder eröffnen. In den gerade umgebauten Räumen prangen zumindest schon wieder die Holzfußböden in alter Schönheit. Und die seit 2007 für die Bespielung zuständige Gesellschaft „Kulturpark Berlin“ hat für den Sommer Kulturveranstaltungen und Hochzeitsfeiern gebucht, die Geld in die Stiftungskasse bringen. Von Mai bis September, wenn das Haus bis aufs Café für Feste zur Verfügung steht, sind schon alle Sonnabende ausgebucht, freut sich Auffermann.

Die 5,5 Millionen Euro, die die Sanierung der Gebäude und Gartendenkmäler im 190.000 Quadratmeter großen Park kosten, will die Stiftung selbst erwirtschaften. Vom Eigentümer, dem Land Berlin vertreten durch den Bezirk, sei da nichts zu erwarten, so Jürgen Knebel. Der Professor aus Spandau ist genau wie der aus Bonn kommende Wahl-Kladower Auffermann schon lange in den Gutspark verliebt.

Für jedermann offen

Als Knebel noch beim Bezirksamt war, musste er Kaufinteressenten die Immobilie mit integriertem Theater und Naturbühne vorstellen. Hier inszenierte schon Max Reinhardt und bei illustren Kladower Salon-Abenden hoben Gäste wie Gerhart Hauptmann, Max Slevogt, Georg Kolbe, Walther Rathenau oder August Gaul ihre Gläser. „Da habe ich angesichts der Schönheit des Geländes sofort gewusst, dass das hier öffentlich zugänglich bleiben muss“, sagt Knebel. Ein für eine Amtsperson eher unüblicher Reflex. „Ohne ihn hätte es mit der Stiftung nie geklappt“, sagt Auffermann, der den hügeligen Park Anfang der Neunziger zufällig beim Spazierengehen entdeckte. Für den Spandauer Dag Schaffarczyk ist das auf einem Plateau über der Havel erbaute Haus ein ungeschliffener Diamant. Und dass es eine für jedermann offene Kultur- und Begegnungsstätte wird, hat ihn überzeugt.

Dabei geht es weder Auffermann noch Knebel darum, möglichst viele Menschen herzuholen. Das entspreche weder dem Natur-, noch dem Denkmalschutz, noch dem kontemplativen Geist des Ortes, sagen sie. „Hier finden Sie innere Ruhe und können in einem Ort aufgehen. So ist der Park ausgerichtet.“ Und wahrlich, auf den Bänken über dem Haveluferweg sitzend, weht wunderbare Frühlingsmilde ins Gemüt. Weiße Segel ziehen, ein Lastkahn schiebt sich stromaufwärts ins Blickfeld. Solange es die Bürgerstiftung Gutspark Neukladow gibt, sei sie auch Pächter, sagt Jürgen Knebel. „Und das kann gerne ewig sein.“


Quelle: Der Tagesspiegel

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