Muslime in Berlin

Der Islamische Friedhof braucht Platz

Der Islamische Friedhof braucht Platz
Im Islamischen Friedhof am Columbiadamm reihen sich die Grabsteine dicht an dicht. Die muslimische Gemeinde fordert mehr Platz.
Der Islamische Friedhof am Columbiadamm in Neukölln hat bald keinen Platz mehr für seine Toten. Ein geplantes Erweiterungsprojekt auf dem Areal des Tempelhofer Rollfeldes scheiterte am Senat. Die einzige Ausweichmöglichkeit ist somit der Friedhof in Gatow. Doch der weite Weg schreckt viele Berliner Muslime ab.

Die muslimischen Gemeinden in Berlin gaben die Hoffnung bis zum Ende nicht auf. „Wir stehen seit Jahren mit dem Senat im Dialog, es gab schon Entgegenkommen – und nun diese Absage“, beklagt sich der Präsident der Islamischen Föderation Berlin, Fazli Altin. Seit dem gestrigen Montag ist es amtlich: Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung stimmt der eingangs vorgesehenen Erweiterungsfläche des ältesten in Deutschland existierenden Islamischen Friedhofes an der Sehitlik-Moschee am Neuköllner Columbiadamm nicht zu.

Das bisher genutzte Areal bietet aber nur noch Platz für rund 50 Gräber. „Dann ist Schluss“, ließ der Bezirk Neukölln zum Wochenbeginn verlauten. Andere Möglichkeiten der Bestattung für Muslime gibt es kaum. Zwei Gräberfelder existieren in Berlin, eines davon ist fast belegt und das zweite befindet sich im abgelegenen Gatow.

Fazli Altin sieht im Nein des Senats darum „eine Missachtung der Muslimischen Gemeinden.“ Jedes Jahr finden mehrere hundert Muslime in Berlin die letzte Ruhe.

Kein Platz auf der Tempelhofer Freiheit

Bereits vor einigen Jahren war absehbar, dass auf dem „Türkischen Friedhof“ am Columbiadamm der Boden für neue Gräber schwindet. Seit fünf Jahren engagieren sich der Bezirk Neukölln und die muslimischen Gemeinden für eine Ausdehnung der Fläche auf das benachbarte Gelände des früheren Tempelhofer Flugfeldes. Geplant – und zu Beginn auch vom Senat unterstützt – war die Bereitstellung einer Fläche von fünf Hektar für 7000 zusätzliche Gräber.

Ins Auge gefasst hatte man das jetzige Picknick-Gelände auf der „Tempelhofer Freiheit“, das vom Eingang am Columbiadamm aus gesehen linkerhand an der Friedhofsmauer liegt. Dort wird auch der Biergarten betrieben, und „es ist eines der wenigen von Bäumen beschatteten Areale auf der Freiheit“, heißt es bei der Grün Berlin GmbH. Daher könne man für das Picknick-Gelände schwerlich einen neuen Platz finden.

Die Stadtentwicklungsverwaltung entschied sich daher, die Interessen des Prestige-Objekts Tempelhofer Freiheit zu wahren und das Picknick-Gelände zu erhalten. Man werde aber alternative Ausbaumöglichkeiten untersuchen, teilte Senator Michael Müller (SPD) am Montag mit – In der Nähe des Sommerbads Neukölln oder an der Lilienthalstraße schaue man sich um. „Für uns ist das Projekt noch nicht gestorben.“

Gatow: ruhig, aber abgelegen

Neuköllns Baustadtrat Thomas Blesing (SPD) erhofft sich bei den im Gespräch befindlichen Grundstücken keinen Durchbruch, da sie nicht genügend Platz böten. Er sagt: „Die Zukunft der muslimischen Bestattungskultur in Berlin wird derzeit zu Grabe getragen“. Auf der einzigen weiteren Berliner Ruhestätte, dem 1988 auf dem Landschaftsfriedhof Gatow angelegten muslimischen Friedhof, sei zwar noch genügend Platz vorhanden, doch vielen in der Stadt lebenden Gläubigen ist er zu abgelegen. „Da kann man ja gleich in die Türkei fliegen“, ist die Meinung des islamischen Bestatters Orhan Aydogdu.

Berliner Muslime wohnen anteilig hauptsächlich in Neukölln und Kreuzberg, weshalb Bestattungsmöglichkeiten in der Nähe vonnöten sind. Von der ersten Generation der nach Berlin gezogenen Muslime hätten sich nur zehn Prozent in der Stadt beerdigen lassen, die in Berlin aufgewachsenen Nachfolgegenerationen zögen aber oft ein Grab am vertrauten Wohnort vor. Außerdem ist es in Berlin seit rund zwei Jahren möglich, seine Toten nach muslimischem Brauch im Leichentuch in die Ewigkeit zu geleiten. Bis dahin galt der Sargzwang.

Die Islamische Föderation hatte am Montag eine Idee für einen Kompromiss: Viele innerstädtische christliche Friedhöfe seien inzwischen zu weitläufig für ihren Bedarf. „Auf deren Freiflächen könnte man doch separate muslimische Gräberstätten anlegen.“

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Quelle: Der Tagesspiegel

Türkisch Islamische Gemeinde zu Neukölln e.V., Columbiadamm 128, 10965 Berlin

Türkisch Islamische Gemeinde zu Neukölln e.V.

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