Reingeschaut

Ein alternativer Blick auf die Berlinale

Über die Leinwand flimmerte der Klassiker: "Manche mögens heiß".
Über die Leinwand flimmerte der Klassiker: "Manche mögens heiß".
Meinekestraße – Die Berlinale direkt vor der Nase, doch an der Mobilität scheitert es. Kein Problem für die Bewohner einer Berliner Seniorenresidenz: Sie holen die Internationalen Filmfestspiele einfach kurzerhand zu sich ins Haus.

Aus dem vierten Stock hat Franziska Schulbin den besten Blick auf die Berlinale, denn gegenüber liegt das Haus der Festspiele – das Gebäude wurde 2012 zu einer der Spielstätten der internationalen Filmfestspiele. Glück für die 88-jährige Bewohnerin des Park Alterssitz City: „So kann ich genau beobachten, was auf dem roten Teppich passiert.“

Franziska Schulbin ist eine von vielen Bewohnern, denen es auf Grund ihrer eingeschränkten Mobilität nicht möglich ist, außerhalb der Seniorenresidenz einen Film im Rahmen der Berlinale anzuschauen. Glücklicherweise hatte Residenz-Leiterin Ines Voigt da eine Idee: „Wir sind so nah dran an den Berliner Festspielen und können den roten Teppich vom Fenster aus sehen, für die allermeisten Bewohner ist ein Besuch der Berlinale trotzdem unerreichbar, weil sie aufgrund ihrer Pflegebedürftigkeit nicht mehr in der Lage sind, solche Veranstaltungen zu besuchen“, meint die Heimleiterin. „Deshalb haben wir mit einer eigenen kleinen Berlinale die Filmfestspiele zu unseren Bewohnern geholt.“

Berlinale-Stimmung in der Seniorenresidenz

Die Bibliothek im siebten Stock des Hauses wurde dafür eigens umdekoriert. Filmfest-Atmosphäre schaffen Filmrollen und -projektoren. Eine Leinwand wird für großflächige Projektionen ausgefahren. Knabbereien und Getränke stehen bereit. „Film ab!“

Ein siebenminütiger Kurzfilm stimmt auf die Berlinale ein. Er zeigt, wie es bei den Filmfestspielen früher ablief. Danach steht ein Streifen aus dem Jahre 1959 auf dem Programm: „Manche mögen’s heiß“ – ein Klassiker. Warum dieser ausgewählt wurde, erklärt Residenz-Sprecher Markus Winkler: „Der Sinn, einen älteren Film auszuwählen, liegt darin, dass bei einigen Bewohnern mit Demenzerkrankungen nur noch das Langzeitgedächtnis funktioniert. Sie kennen den Film von früher – da werden Erinnerungen wach, an die sie anknüpfen können.“

Die Bewohner der Residenz finden‘s toll und verfolgen das Filmgeschehen gespannt: Ab und an ein Schmunzeln, ein wissender Blick und ein Kopfnicken zum Nachbarn oder zur Nachbarin. Hier mal ein Kommentar aus den Zuschauerreihen und ein kleines erschrockenes Zucken, wenn die Szene im Film doch zu gefährlich erscheint. Kein Blick durch den Spalt, den der zugezogene Vorhang auf das Gelände des Berlinale-Austragungsortes freigibt.

„Das Leben von Berlin im Haus“

Generell liegt es der Heimleitung am Herzen, das Haus in Verbindung mit anderen Ereignissen und Veranstaltungen für Angehörige der Bewohner, Interessierte und die Nachbarschaft aus dem Kiez zu öffnen. „Das fördert den Austausch und bringt das Leben von Berlin ins Haus“, betont Pressesprecher Markus Winkler. Die Bewohner nehmen rege an den Angeboten des Heimes teil und freuen sich über Aktionen wie Ausflüge, Themen- und Informationsabende oder musikalisches Kaffeetrinken, bei dem Unterhaltungskünstler oder Musiker zu Kaffee und Kuchen den Ton angeben. Letzteres ist eine öffentliche Veranstaltung, zu der jeder eingeladen ist.

„Wir wollen unseren Bewohnern immer etwas Neues bieten. Mit den Veranstaltungen kommt Abwechslung rein“, so Winkler. Der Heimleitung ist es wichtig, nicht das Bild von Alter, Krankheit und Trauer zu zeichnen, sondern zu zeigen, dass in einer Altersresidenz Leben stattfindet.

Dabei ist letztendlich auch der Austausch zwischen Jung und Alt wichtig. Zu diesem Zweck gibt es eine Kooperation mit den Sportfreunden Charlottenburg-Wilmersdorf. „Die Jugendmannschaften kommen häufiger zu uns in die Residenz. Hier kommen die jungen Leute mit den älteren Herrschaften ins Plaudern“, so Markus Winkler. Von den ausgetauschten Erfahrungen profitieren beide Seiten. Die Jugendlichen lernen so beispielsweise einiges über den Umgang mit Senioren dazu. Vorbildlich – finden wir!

Park Alterssitz City, Meinekestraße 14, 10719 Berlin

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