Berliner Persönlichkeiten zeigen ihren Kiez

Heide Meyers City West

Heide Meyer bei unserem Gespräch in der Berliner Kaffeerösterei.
Heide Meyer bei unserem Gespräch in der Berliner Kaffeerösterei.
Die legendäre Berliner Dessous-Expertin, Autorin und Unternehmerin Heide Meyer hat mit QIEZ.de über das Leben nach "Lady M" und ihren Kiez, die Straßen rund um den Kurfürstendamm, gesprochen.

Schon der Treffpunkt, den Heide Meyer für ihr Interview mit uns vorgeschlagen hat, verströmt einen einzigartigen West-Berliner Charme. Wir sind in der Kaffeerösterei in der Uhlandstraße verabredet – einem intensiv duftenden und gemütlichen kleinen Laden, in dessen angeschlossenem Café fast alle Tische besetzt sind. Mag das Wetter draußen auch noch so ungemütlich sein, hier kann man sich wunderbar entspannen.

Auch Berlins – wenn nicht gar Deutschlands – bekannteste Dessous-Verkäuferin Heide Meyer fühlt sich hier gut aufgehoben. 38 Jahre lang führte Meyer ihr Dessous-Fachgeschäft „Lady M“ am westlichen Ende des Kurfürstendamms. Und auch nachdem die heute 69-Jährige ihren legendären Laden vor drei Jahren an eine Nachfolgerin übergab, setzte sich die Unternehmerin nicht zur Ruhe. „Ich war 2010 alt genug, um dem Handel Adieu zu sagen, aber jung genug, um noch etwas Neues zu machen“, schmunzelt Meyer.

Beratung für junge Unternehmerinnen

Heute berät die Dessous-Expertin, auch als Dozentin, Dessous-Verkäuferinnen, Jungunternehmerinnen und Gründerinnen in Sachen Marketing, Verkauf und Mitarbeiterführung. Und auch als Autorin ist Meyer aktiv. In ihrem im Dezember 2012 erschienenen Buch „Mutter Corsage. Enthüllungen einer Dessous-Verkäuferin“ gibt sie unterhaltsam ihre Erfahrungen mit den männlichen und weiblichen Kunden, aber auch ein Stück bundesdeutsche Geschichte weiter. Mit ihrer frühen Selbstständigkeit im Jahr 1972 zählte Meyer zu den Vorreiterinnen der Emanzipation, auch wenn ihre Dessous von Seiten der Frauenbewegung meist abgelehnt wurden. „Der BH galt seinerzeit als das Symbol für Einengung und falsch verstandene Weiblichkeit“, erinnert sich Meyer, die in den kommenden Monaten auf Lesetour ist.

Und auch die Berliner Geschichte ist eng mit dem Leben der Dessous-Fachfrau verbunden. Bereits seit den 70er Jahren lebt Heide Meyer, die vor ihrer Selbstständigkeit einige Jahre im KaDeWe arbeitete, in Wilmersdorf. Vor sechs Jahren zog sie vom Olivaer an den Fasanenplatz. In ihrem Kiez fühlt sich die Unternehmerin, die noch immer viele (Geschäfts-)Reisen unternimmt und sich auch gerne in Mitte oder Prenzl’berg aufhält, gut aufgehoben „Wilmersdorf passt als Wohnort gut zu mir. Hier herrscht genau die richtige Mischung aus Modernität, Tradition und Komfort, Ruhe und Lebendigkeit“, findet Meyer.

„Vor allem der Ku’damm ist für mich ein Traum. Innerhalb der lebendigen Metropole Berlin ist er für mich die schönste Einkaufsstraße. Der ganze Kiez ist ein urbaner Lebensraum mit einem einzigartigen Charakter und alles, was man braucht – vom Arzt bis zum exklusiven Modegeschäft – ist in wenigen Minuten erreichbar“, beschreibt sie die Vorzüge ihres Kiezes. Früher sei sie immer ein wenig neidisch auf München gewesen. Doch gerade in den vergangenen Jahren habe sich Berlin und vor allem auch die City West toll entwickelt. Heute könne in Europa nur noch London mit Berlin mithalten. „Wäre ich 20 Jahre jünger, würde ich vielleicht noch einen Ausflug nach Mitte wagen“, so Meyer. „Dort ist der Wandel, dem Berlin permanent unterliegt, einfach am stärksten spürbar. Doch jetzt gerade passen die Straßen rund um den Ku’damm am besten zu mir. Hier kann ich beides haben, Veränderung und Stetigkeit.“

Empfehlenswerte Adressen

Besonders schätzt Heide Meyer die vielen Restaurants in ihrem Kiez. Gerne schaut sie etwa im Hamlet oder im Manzini vorbei, beide sind in der Ludwigkirchstraße zu finden. Auch das kulturelle Angebot rund um den Kurfürstendamm nimmt die Unternehmerin häufig wahr. „Hier kann ich zum Beispiel einen Ausflug in die Bar jeder Vernunft oder das Haus der Berliner Festspiele empfehlen“, sagt sie. Doch auch die unauffälligen Seiten liebt die Dessous-Fachfrau an ihrem Kiez. „An schönen Sommertagen sitze ich gerne vor dem Restaurant Weyers am Ludwigkirchplatz unter Bäumen und betrachte die jungen Familien auf dem gegenüberliegenden Spielplatz.“ An solchen Tagen zeige sich Wilmersdorf von seiner beschaulichsten Seite.

Am Ende unseres Gesprächs müssen wir der Fachfrau natürlich auch noch einen Tipp zum Thema Dessous entlocken. Zunächst einmal stellt Meyer klar, dass sie H&M dafür dankbar sei, „dass sie den BH zu einem festen Bestandteil des Outfits gemacht haben“. Wenn die Kundin schließlich „aus der H&M-Mode herausgewachsen“ sei, bleibe immer noch genug Zeit für den Besuch von Dessous-Fachgeschäften. „Das Wichtigste bei der Anprobe ist für jede Kundin, dass sie in der Umkleidekabine ehrlich zu sich selbst ist. Man sollte sich immer die Frage stellen, ob man sich wirklich gut fühlt“, erklärt Meyer.

Heide Meyers City West, Ludwigkirchstraße 10A, 10719 Berlin

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