Kreuzberg
Dicker Bruno in Kreuzberg

Wild essen!

Wild essen!
Beim Dicken Bruno gibt's Wild aus der Uckermark. Zur Foto-Galerie
Der mächtige Wildschweinkopf lockt die Kinder an, die ihren Eltern davon erzählen. In der Kreuzberger Marheineke-Markthalle hängt er in einer Ecke und bewirbt den kleinen, aber feinen Imbiss daneben, der sich auf Wildgerichte spezialisiert hat.

Salami, Frischfleisch, Gulasch und Brühe gibt es auch zum Mitnehmen. Die letzte Neuheit ist Wilddöner, der in drei Größen angeboten wird. Das Motto des kleinen Ladens: handfest, nahrhaft, hundertprozentig Fleisch aus der Uckermark. Kommunikation gehört ebenfalls zu den Stärken des Mannes mit der grünen Schürze, der den Imbiss betreibt. Es sind Wahrheiten, die ihm über die Lippen gehen. Je nach Stimmung schimpft er über Touristen, berichtet, wie er von einem Wildschützer geohrfeigt wurde. Solch ein Mitteilungsbedürfnis wirkt ansteckend, so dass man den Laden satt und gut unterhalten verlässt.

Er kommt aus Wanne-Eickel – so steht es auf seiner Jacke und hat etwas zu bedeuten. Dort kommt er her, dort spielt die Geschichte seiner Kindheit: Seine Eltern hätten so schwer gearbeitet, dass er selbst ab dem 50. Lebensjahr frei machen wollte. Nun ist er 50 und arbeite gar nicht, sagt er. Sein langer Arbeitstag sei vielmehr eine Freude, selbst wenn er müde macht. Jede Nacht kocht er für seinen Imbiss in einer Restaurantküche – gegen Miete, versteht sich. Das Gulasch hat zwölf Stunden hinter sich, die Brühe braucht drei Tage und drei Nächte. Es ist ein archaisches, ehrliches Arbeitsmodell, das ihn bestimmt, und der Fleischanteil im Gulasch ist höher als anderswo. Seine Frau ist für den Grünkohl zuständig, das kann sie einfach besser.

Auf dem Umweg in die Küche

Der Mann heißt Gregor und sein Laden „Der dicke Bruno“ – eine Hommage an den Vater, 150 kg bei 178 cm Körpergröße. Der war ursprünglich Bildhauer, in späteren Jahren dann Inhaber der ersten Behinderten-integrierten Kunstprofessur an der Uni Dortmund. Die Mutter hatte eine Kneipe, für die sich der Vater das Stamm-Menü ausdachte und nach sich selbst benannte: Frikadellen in Brühe, dazu Bier. Das war ein großer Erfolg. Weil sie keine Zeit hatten, vernünftig für die Kinder zu sorgen, steckten sie die in Internate. Gregor war bei den Jesuiten. Die Eltern schufteten, die Mutter hat die viele Arbeit zugrunde gerichtet. Andauernd stand sie im Zigarettenqualm – Gregor eröffnete 2002 die erste Nichtraucherkneipe Berlins.

Nach dem Abitur ging er zur Bundeswehr, die war ein Ponyhof gegen das Internat, „totschweigen hilft am meisten“, er begann ein Medizinstudium, doch die Krankenhaus-Welt war nichts für ihn. Er wurde Vater, ließ sich scheiden, begann eine Lehre als Fliesenleger, stumpfte ab. „Ich war gewalttätig …“, sagt Gregor. Heute hat er wieder feste Prinzipien, ein Gewissen und Ehre, er erklärt es so: Auf dem Pferdemarkt von Wanne-Eickel galt immer der Handschlag. Vertrag sei für Anwälte, Handschlag für Kaufleute: Wenn die Hand gestunken hat, wollte sie keiner mehr anfassen, dann fällt sie ab, fault sie weg.

„Habe so’n Hausmann-Job gemacht, putzen, kochen, Hausaufgaben.“ Er war gut in der Küche und konnte organisieren. Ein sehr altes Rezept: am ersten Tag die Knochenbrühe mit karamellisierten Zwiebeln und Salz kochen, am zweiten durchsieben, am dritten Tag 10 Stunden mit 5–6 kg Fleisch bei maximal 70° garen, entfetten, Sherry, Lorbeer, Wacholder dazu: deftig wie bei Großmuttern. „Fast life …, slow food“ – der kleine Laden öffnet ohne Eile im Laufe des Vormittags und dann geht’s volle Kraft bis zum Abend, so wie die Markthalle, bis 20 Uhr.

Foto Galerie

Dicker Bruno, Marheinekeplatz 15, 10961 Berlin

Telefon 030-95994472

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Montag bis Freitag von 8 bis 20 Uhr | Samstag von 8 bis 18 Uhr

Dicker Bruno

Beim Dicken Bruno gibt's Wild aus der Uckermark.

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