Vom Kreuzberg bis zum Landwehrkanal

Kiezkultur und Straßenfest

Das Nationaldenkmal wurde nach einem Entwurf von Karl Friedrich Schinkel 1821 errichtet. Es steht auf der Spitze des Kreuzbergs und wird in die 10. Kiezkulturwoche einbezogen.
Das Nationaldenkmal wurde nach einem Entwurf von Karl Friedrich Schinkel 1821 errichtet. Es steht auf der Spitze des Kreuzbergs und wird in die 10. Kiezkulturwoche einbezogen.
Bereits zum zehnten Mal sorgt die Kiezkulturwoche in Kreuzberg für ein unterhaltsames kulturelles Programm mit nachdenklichen Zwischentönen. Vom namensgebenden Hügel bis zum Ufer des Landwehrkanals finden die unterschiedlichsten Veranstaltungen statt – und am Abschluss-Samstag trifft sich der Kiez beim Fest in der Hornstraße.

Aus einem zarten Pflänzchen hat sich in Kreuzberg etwas entwickelt, das man im schnelllebigen Berlin dank seines 10-jährigen Bestehens schon als Institution bezeichnen kann. Seit 2003 veranstaltet die Initiative „Kreuzberger Horn“ zusammen mit Partnern aus der Gegend jeweils im Spätsommer die Kiezkulturwoche, die am ersten Samstag im September mit einem Fest in der Hornstraße endet. Die Nebenstraße in Schleifenform wird dann für einen Tag zum Zentrum des lebenswerten Kiezes.

Die zehnte Ausgabe des Kulturfestivals wird heute Abend um 20 Uhr im Rathaus Kreuzberg eröffnet. Bezirksbürgermeister Dr. Franz Schulz hält die Begrüßungsrede, die Ausstellung „Kunst und Phantasie gegen Mieterverdrängung“ beschäftigt sich gleich zum Auftakt mit einem Thema, das vielen Menschen im Kiez unter den Nägeln brennt. Auch andere Veranstaltungen während der Kulturwoche greifen die steigenden Mieten auf: es gibt einen Kiezspaziergang, bei dem über betroffene Häuser informiert wird und einen Diskussionsabend mit dem Stadtsoziologen Sigmar Gude unter dem Titel „Wahres Wohnen  im Kiez oder Wohnung als Ware?“

Große Programmvielfalt

Historie und Unterhaltung sollen während der Woche jedoch keinesfalls zu kurz kommen. Am Sonntag findet eine Führung im Sockel des Schinkel-Denkmals auf dem Kreuzberg statt, am Montag wird im Yorckschlösschen an das Kreuzberger Kneipen-Bermudadreieck der Siebziger- und Achtzigerjahre erinnert. Am 29. August berichtet Eugen Herman-Friede, ein jüdischer Widerstandskämpfer, von seiner Kindheit in Kreuzberg während des Dritten Reichs.

Musikalisch animiert der Irische Liederabend am Samstag im Blarney Irish Pub zum Mitsingen, am 30. August tritt unter anderem Tom Lee Who in der Kneipe Zum Gerücht auf. Mehr Musik erwartet die Gäste des Hornstraßen-Fests am 1. September. Die Kiezkulturwoche denkt auch an die ganz jungen Kiez-Bewohner: die Theatergruppe Rafael spielt am Sonntag „Hosen, Hasen, freche Mäuse“ auf der Terrasse des El Maximón und am Dienstag gibt es in der Buchhandlung Anagramm eine Lesung für Kinder im Bilderbuchalter.

Die Intention der Organisatoren der Kulturwoche ist die Förderung des nachbarschaftlichen Miteinanders und kreativer Eigeninitiativen. Mit dem vielfältigen Programm werden ganz unterschiedliche Kiezbewohner angesprochen. Doch die beteiligten Kooperationspartner wollen darüber hinaus kritische Wachsamkeit gegenüber Ausgrenzung, Bau- und Mietspekulationen sowie kultureller Kommerzialisierung unterstützen. So versteht es auch die Kiezkulturwoche, die zwei Seiten Kreuzbergs zusammenzubringen, die den Stadtteil schon lange prägen: Kritik und Party.

Das vollständige Programm der 10. Kiezkulturwoche und des Straßenfests gibt es bei http://kreuzberger-horn.blogspot.de

Kiezkultur und Straßenfest, Hornstraße, 10963 Berlin

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