Berliner Bar-Legende F-37

Wo Beuys und die Knef am Tresen standen

Die Bar und Galerie F37 nahe dem Fasanenplatz.
Die Bar und Galerie F37 nahe dem Fasanenplatz.

Fasanenstraße - Der Laden in der Fasanenstraße 37, in dem die Berliner Barlegende Rudi van Lak noch mit 83 Jahren seine Gäste begrüßte, ist älter als die Bundesrepublik selbst. 1947 eröffnete Anja Bremer hier die erste Privatgalerie nach dem Krieg. Bis in die 60er und 70er Jahre hinein ging die Kultur- und Politprominenz in der Galerie Bremer ein und aus.

Willy Brandt, Günther Grass, Joseph Beuys, Martin Kippenberger und Hildegard Knef waren Stammgäste in der Galerie Bremer. Klaus Kinski ist hier regelmäßig rausgeflogen, „weil er betrunken war und sich in Diskussionen verlor“, verrät Banker und Kunstmäzen Ulrich A. Redder, der die Galerie-Bar seit Ende letzten Jahres betreibt. „Dennoch war Kinski immer ein Freund des Hauses“, betont er.

„Uns war es wichtig, diesen traditionsreichen Ort wieder aufleben zu lassen“, sagt Redder. Seit Barlegende Rudi van Lak, Ehemann der 1985 verstorbenen Anja Bremer, das Traditionshaus ein Jahr vor seinem Tod an den Galeristen Rolf Rohlow verkaufte, hat der Ort eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Rohlow ließ die berühmte Bar, die Hans Scharoun, Architekt der Berliner Philharmonie, hier in den 1950er Jahren eingebaut hatte, abbauen und einlagern. Schon bald wollte sich der Galerist vergrößern, zog mit der Galerie Bremer in die Wielandstraße nahe dem Ku’damm und nahm den großen Namen mit. So kam es, dass Udo Walz die Galerie-Bar 2010 übernahm und das Haus in Fasanen 37 umbenannte.

Udo Walz gab nach zwei Jahren auf

Doch Udo Walz hatte mit seinem Engagement in dem alten Kulturort nur wenig Erfolg. Der Starfriseur hängte ein großes Bild mit seinem Konterfei ins Fenster, riss die alten Bänke raus und ersetzte sie durch orange-weiße Sitzmöbel. Die alte Kundschaft war entsetzt. Walz registrierte bald, dass er mit seinem poppigen Konzept in den historischen Räumen auf massive Akzeptanzschwierigkeiten im Kiez stieß. Nach knapp zwei Jahren gab er auf und Ulrich Redder übernahm den traditionsreichen Laden.

„Ein schönes Charlottenburger Wohnzimmer“ sollte es wieder werden, betont der Besitzer. Und das wird gut angenommen. In dem halben Jahr, im den es das F-37 jetzt gibt, hat sich ein beträchtliches Stammpublikum entwickelt. Gerade unter den Liebhabern der alten Salonkultur hat sich herumgesprochen, dass das Konzept der Galerie Bremer am ursprünglichen Ort weitergeführt werden soll. Das Publikum setzt sich längst nicht mehr nur aus den Leuten aus dem Kiez zusammen. „Vor allem nach Vernissagen in den befreundeten Galerien hier in der Fasanenstraße kommen die Gäste gern noch auf einen Cocktail zu uns“, sagt Redder. „Das ist ein sehr spannendes Publikum, das hier zusammen trifft.“

Jede Nacht eine lange Nacht der Kunst

„Kein Wunder, bei uns ist ja auch jede Nacht eine lange Nacht der Kunst“, lacht Alexander Görlich, Kurator der Galerie im F-37. Bis nachts um drei hat die Bar geöffnet und so lange können auch die ausgestellten Kunstwerke betrachtet werden. „Wir nehmen den Galeriebetrieb sehr ernst“, sagt Görlich. Es sind vor allem junge Künstler, die noch nicht am Markt etabliert sind, die er hier ausstellt. „Das ist doch das spannendste“, sagt der Galerist, „die zukünftigen Juwelen herauszukristallisieren und nach und nach aufzubauen.“ Preislich positioniert sich die Galerie F-37 im mittleren Segment. „Uns ist es wichtig, die Kunst auch verkäuflich zu halten“, sagt Görlich. Mit im Haus in der Fasanenstraße 37 sitzt auch die Galerie von Egbert Baqué, die zuletzt durch die David Bowie-Ausstellung auf sich aufmerksam gemacht hat. „Das ist eine tolle Koexistenz“, sagt Alexander Görlich. „Von wegen alle gehen nach Mitte – wir rocken hier die City West!“

Der Galerie- und der Barbetrieb befruchten sich im F-37 gegenseitig, sind sich Redder und Görlich einig. „Viele Liebhaber klassischer Barkultur kommen hierher und mögen unsere Whiskey- und Ginsorten. Da spezialisieren wir uns gerade heraus“, sagt der Besitzer. Es komme auch immer wieder mal vor, dass Gäste mit einem alten Cocktailrezept ankommen und bei den Barkeepern Erol und Godwin auf offene Ohren stoßen. „So entwickelt sich unser Angebot zusammen mit dem Publikum“, erzählt Ulrich Redder.

Dem Viertel rund um die Fasanenstraße mit ihren vielen Galerien wieder zu ihrem alten Charme zu verhelfen, ist Redder wichtig. Er hat die Räume der alten Galerie Bremer belassen, wie sie einst waren, mit den alten Dielen, dem edlen Stuck und der Raumaufteilung. Nach der Eröffnung im vergangenen Dezember kam Heidi, die letzte Frau Rudi van der Laks, auf ihn zu. „Sie haben den Geist der alten Bremer-Galerie verstanden und lassen ihn weiterleben“, sagte sie. „Das war ein tolles Kompliment für uns“, strahlt Ulrich Redder.

Neben dem Galeriegeschäft öffnet das F-37 seine Räume auch für Veranstaltungen und Lesungen – das nächste Mal am Donnerstag, 30. Mai mit der Lesung „Stadtgeflüster“. Die nächste Ausstellung trägt den Titel „Moving Identity“ und zeigt vom 5. bis 28. Juni Malereien des Künstlers Ulrich Matthias Knappek. Weitere Informationen finden Sie hier.

F-37 Bar und Galerie, Fasanenstr. 37, 10711 Berlin

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