Berliner Brunnen

Es plätschert wieder

Es plätschert wieder
26.03.2012: Die Fontäne am Viktoria-Luise-Platz in Schöneberg ist ab heute wieder aktiv. Nach und nach ziehen die anderen Berliner Brunnen nach.
Auf in eine neue Brunnensaison! An den Wasserspielen kann man sich allerdings noch nicht gleich überall von Anfang an erfreuen, denn die nehmen erst nach und nach ihren Betrieb auf. Häufig übernehmen Sponsoren die Kosten.

Die Sonne scheint, es ist Frühling. Passend dazu geht auch die Brunnensaison wieder los – und die meisten Wasserspiele können in diesem Jahr wegen der privaten Sponsoren auch tatsächlich sprudeln.

Auftakt in Schöneberg

Der Startschuss fällt am heutigen Montag, wie auch schon in den letzten Jahren, auf dem Viktoria-Luise-Platz in Schöneberg. Die Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) und Daniel Wall, Vorstandschef der Wall AG, haben am Springbrunnen um 11 Uhr symbolisch den Knopf gedrückt. Lichtenbergs Stadtentwicklungsstadtrat Wilfried Nünthel (CDU) eröffnete eine halbe Stunde später die Saison am „Brunnen der Jugend“ am Stadtplatz Wartenberger Straße, Ecke Wustrower Straße in Hohenschönhausen.

Die übrigen Brunnen im Bezirk werden „in den nächsten Wochen“ folgen – viele werden erst in der Woche vor Ostern wieder angestellt. Drei allerdings sind kaputt, darunter der Koggebrunnen an der Straße Alt-Friedrichsfelde und der Mühlenbrunnen (Am Mühlengrund). Auch die Schwimmfontäne im Fennpfuhl ist defekt, Nünthel hofft aber, dass sich ein Sponsor findet, der die Wiederinbetriebnahme noch in diesem Jahr gewährleistet.

Fast 300 öffentliche Brunnen gibt es insgesamt in der Stadt, und für viele hätte es sich ohne Sponsoren längst ausgeblubbert. Hauptgeldgeber sind die beiden auf Außenwerbung und Stadtmöbel spezialisierten Unternehmen Wall und Ströer.

Sponsoren ermöglichen den Betrieb

Laut einer Sprecherin investiert Ströer rund eine Million Euro für den Betrieb von 180 Zierbrunnen, Planschen und Wasserpumpen in sieben Bezirken. In Mitte, Reinickendorf, Steglitz-Zehlendorf und dem Pankower Ortsteil Weißensee seien Mitarbeiter gerade dabei, „notwendige Reparaturen an der Brunnentechnik und Reinigungsarbeiten“ auszuführen, heißt es. In Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Friedrichshain-Kreuzberg bezahlt Ströer ebenfalls den Betrieb; Wartung und Pflege fällt dort aber in den Zuständigkeitsbereich des Bezirksamts.

Die Firma Wall stellt seit 1998 insgesamt 75 Brunnen, Wasserspiele und Fontänen in Tempelhof-Schöneberg, Charlottenburg-Wilmersdorf, Pankow und Spandau zur Verfügung und investiert dafür jährlich rund 400.000 Euro.

Nach und nach sprudeln alle

Am 5. April nimmt Stadtentwicklungsstadtrat Carsten Spallek (CDU) den „Modernen Brunnen“ im Lustgarten in Mitte symbolisch in Betrieb, außerdem plätschern dann auch besonders bekannte Anlagen wie die Brunnen am Kanzleramt, der Neptunbrunnen vor dem Roten Rathaus und der historische Brunnen auf dem Pariser Platz. Bis zum 27. April 2012 sollen dann alle Wasserspiele in Mitte in Betrieb sein. 34 davon sponsert Ströer, während die Berliner Wasserbetriebe für den Molkenmarktbrunnen und die BHM Brauhaus GmbH für den Markthallenbrunnen in der Karl- Liebknecht-Straße in die Tasche greifen.

In Reinickendorf geht es erst am 24. April los, in Steglitz-Zehlendorf sollen alle Brunnen zwischen dem 2. und 30. April aktiv sein. In diesen Bezirken übernimmt Ströer die Kosten. In Charlottenburg-Wilmersdorf gewann dagegen die Wall AG als „günstigster Anbieter“ eine Ausschreibung, wie der zuständige Stadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) erklärte. Der als Treffpunkt von Berlinern und Touristen beliebte „Wasserklops“ auf dem Breitscheidplatz und fast alle anderen Brunnen werden erst in der Woche vor Ostern in Betrieb genommen – mit Ausnahme des defekten Brunnens in der Richard-Wagner-Straße und den reparaturbedürftigen Kaskaden am nördlichen Lietzensee (die Kaskaden am südlichen Teil des Sees sind nicht betroffen).

Werbeflächen für Sponsoren

Ströer und Wall bezuschussen die Brunnen nicht aus reiner Nächstenliebe: Als Gegenleistung bekommen sie Standorte für ihre Außenwerbeanlagen. Laut Fachleuten aus Bezirksverwaltungen zahlen die Unternehmen aber wohl trotzdem drauf, eine komplette Refinanzierung der Kosten durch Werbeeinnahmen gilt als unwahrscheinlich.

Aber nicht alle Bezirke nutzen die beiden Firmen. In Neukölln etwa hat Baustadtrat Thomas Blesing (SPD) schon vor Jahren erklärt, er wolle den Stadtteil „nicht mit Werbung zupflastern lassen“. Ab 5. April sollen die Kaskaden und Springbrunnen im Körnerpark, der Märchenbrunnen im Von-der-Schulenburg-Park, der Rathausbrunnen, der Zierbrunnen im Parkfriedhof und die Brunnenanlage im Schlosspark Britz wieder in Betrieb gehen. Hinzu kommt die Wasserskulptur „Fette Henne“ am Eingang zum Britzer Park, welche die Grün Berlin Park und Garten GmbH finanziert. Ein Dutzend weiterer Brunnen werde dagegen „aufgrund der fehlenden Finanzierung bereits seit Jahren nicht betrieben“, meldet das Bauamt.


Quelle: Der Tagesspiegel

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