Die Buden müssen weg

Freud' und Leid am Breitscheidplatz

Freud' und Leid am Breitscheidplatz
Am 1. Mai ist Schluss. Dann müssen alle Buden rund um die Gedächtniskirche verschwunden sein. Mehr Bilder siehst du in unserer Bilderstrecke - klick dich durch! Zur Foto-Galerie
City West - Currywurst, China-Pfanne, Berlin-Souvenirs: Seit 1999 können Touristen auf einem kleinen Markt rund um die Gedächtniskirche allerhand erstehen. Bis zum 1. Mai sollen die Verkaufsbuden allerdings vom Breitscheidplatz verschwunden sein. Wir haben uns vor Ort umgehört, wie der Beschluss von Baustadtrat Marc Schulte (SPD) rund um die Kirche ankommt.

„Das ist mal wieder typisch: die Großen können machen was sie wollen und wir müssen es aushalten“, empört sich ein Souvenir-Verkäufer in seiner Bude am Fuße der Gedächtniskirche. Spätestens Anfang Mai ist auch bei ihm Schluss: Auf einen Beschluss von Charlottenburg-Wilmersdorfs Baustadtrat Marc Schulte hin sollen zu diesem Zeitpunkt die Verkaufsstände auf dem Breitscheidplatz der Vergangenheit angehören. Als Hauptgrund führt Schulte den in der unmittelbaren Nähe eines Gotteshauses unpassenden Vergnügungscharakter der rund 20 Buden an, die am Fuße der Gedächtniskirche vor allem Fast Food und billige Souvenirs verkaufen.

Die Gewerbetreibenden auf dem Breitscheidplatz sehen das naturgemäß anders: „Wir haben dafür gesorgt, dass der Platz um die Kirche immer recht sauber geblieben ist. Außerdem sind bei uns nicht nur die Touristen, sondern auch viele Anwohner, Geschäftsleute und sogar die Kirchenmitarbeiter gern vorbeigekommen. Wenn unsere Buden weg sind, stehen nicht nur 200 Leute auf der Straße. Es gibt dann auch weit und breit nichts Günstiges mehr zu Essen“, betont eine Crêpes-Verkäuferin. Sie selbst arbeite zwar erst seit wenigen Monaten auf dem Breitscheidplatz, aber viele der Verkäufer seien hier schon seit 1999 aktiv.

Soziale Kontrolle und Kirchengeld

Doch auch eine gemeinsame Protestaktion aller Budenbesitzer und -verkäufer konnte am Beschluss von Baustadtrat Schulte nichts ändern. Und das, obwohl Gemeindepfarrer Martin Germer auf der Seite der Imbissbetreiber steht. Verständlicherweise: Das Geld für die Vermietung der Flächen kann die Kirche gut gebrauchen. Und dass die Budenbesitzer ein wachsames Auge auf das Geschehen rund um die Kirche haben, darf als Argument sicher auch nicht leichtfertig von der Hand gewiesen werden. Bei unserem Besuch auf dem Breitscheidplatz zumindest wirkten viele Verkäufer engagiert und eng mit dem Geschehen rund um die Kirche verbunden.

Trotzdem, nicht überall ist man über das Ende der Buden traurig. Die Verkäuferin im Weltladen, der bereits seit Ende der 70er Jahre im Glockenturm beheimatet ist, findet es gut, dass die Buden zumindest aus der unmittelbaren Umgebung der Gedächtniskirche verschwinden. „Der Geruch und die Billigprodukte passen einfach nicht in den Rahmen“, findet sie. Doch auch für die Argumentation von Pfarrer Germer hat die engagierte Seniorin Verständnis. Darüber hinaus merkt auch sie an, dass man „spätestens seit Mövenpick geschlossen hat“ kaum noch ein bezahlbares Café rund um den Breitscheidplatz findet. Ihre Idee: „Vielleicht sollte man die Buden neu anordnen, auf eine höhere Qualität der angebotenen Produkte achten und dafür sorgen, dass man rund um die Gedächtniskirche wieder Kaffee und Kuchen essen kann.“

Das größte Problem bleibt für das Team vom Weltladen jedoch die Tatsache, dass das Gotteshaus bereits seit Jahren eingerüstet ist. Eigentlich sollte das unschöne Baugerüst längst verschwunden sein, doch letzte Arbeiten stehen noch aus und der Abbau könnte sich bis zum Sommeranfang verzögern. Bleibt abzuwarten, wie sich der Breitscheidplatz nach dem Aus der Verkaufsbuden, dem Ende der Einrüstung und der Eröffnung des neuen Einkaufszentrums Bikini Berlin entwickeln wird. Es tut sich jedenfalls eine Menge im Herzen der City West.

Foto Galerie

Gedächtniskirche / Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, Breitscheidplatz 1, 10789 Berlin

Gedächtniskirche / Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche

Bei diesem Dach erklärt sich der Spitzname der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche von selbst: "Hohler Zahn".

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