GEMA-Erhöhung 2013

Die Stille beim Volksfest

Stille Nacht: Straßenfeste wie der Weihnachtsmarkt am Gendarmenmerkt oder in Spandau müssen bald die Musik abschalten oder linzenzfreie Bänder abspielen.
Stille Nacht: Straßenfeste wie der Weihnachtsmarkt am Gendarmenmerkt oder in Spandau müssen bald die Musik abschalten oder linzenzfreie Bänder abspielen.
Volksfest-Veranstalter in Berlin müssen sich, genau wie die Club-Betreiber, im Januar 2013 warm anziehen. Die GEMA will auch bei Open-Air-Musik die Gebühren drastisch anziehen. Ob es deswegen still auf Berlins Straßen wird oder der Protest der Akteure bald laut durch eben diese hallt, wird sich zeigen. Eins ist jedoch klar: Die Event-Manager sind nicht glücklich.

Die GEMA hat sich nicht nur die Clubbetreiber zum Feind gemacht. Denn auch bei Straßenfesten soll Musik ab Januar 2013 durch die neuen Regelungen teurer werden. Das schmeckt den Veranstaltern gar nicht. Die Erhöhung könnte dazu führen, dass den Versterkern der Stecker gezogen wird.

Die Bezirksmarketing-Gesellschaft „Partner für Spandau“ weiß nun endlich Näheres: Die GEMA teilte Geschäftsführer Sven-Uwe Dettmann mit, dass im kommenden Jahr zwei Drittel mehr an Gebühren für Musik von ihm verlangt werden. Der Spandauer Weihnachtsmarkt könnte möglicherweise nur noch mit lizenzfreier Musik vom Band beschallt werden. Auch Havelfest oder der Bayerntag, der kommenden Samstag auf dem Marktplatz sein 30. Jubiläum feiert, müssten damit auskommen, wenn Dettmann seine Idee in die Tat umsetzt.

Die Künstler sind die Leittragenden

Lothar Grasnick, Geschäftsführer der Präsenta GmbH, ist nicht weniger übel gelaunt. Seine Firma ist zuständig für das 16. Berliner Bierfestival in Friedrichshain, welches heute Mittag eröffnet wurde und drei Tage dauert. Die Karl-Marx-Allee zwischen Strausberger Platz und Frankfurter Tor wird dann Schauplatz zahlreicher Veranstaltungen, die über 19 Bühnen verteilt werden. Natürlich kommt auch das Bier nicht zu kurz: 2000 Sorten wird es geben, die von 300 verschiedenen Brauereien aus 86 verschiedenen Ländern zur Verkostung gebracht wurden. Bei freiem Eintritt kann man morgen und am Sonntag ab 10 Uhr das Fest genießen.

„Die Grenze des Unerträglichen ist längst erreicht“, meint Grasnick. Die jetzigen GEMA-Gebühren könnten für fünf weitere Bühnen aufkommen. „Die Lizenzgebühren entsprechen fast den Künstlergagen“, beschwert sich der Veranstalter. Wenn 2013 die Erhöhung hinzukommt, wäre es schwierig derartige Feste weiterhin zur organisieren oder es würden wenigstens die Unterhaltungskünstler wegfallen. „Die Leidtragenden sind letztendlich die Künstler, die dann keine Engagements mehr erhalten.“

Lizenzfreie Musik als Lösung

Nicht viel anders sieht es Sven-Uwe Dettmann, der für den Weihnachtsmarkt 2011 ungefähr 12.000 Euro an die Rechteverwalter zahlen musste. Bei Straßenfesten sind deren Inspekteure ganzzeitig anwesend. „Die wussten bei einem Gespräch genau, an welchem Stand ein CD-Player wann welches Lied gespielt hat.“ Die 7000 Euro, die im nächsten Jahr noch hinzukommen, lassen auch in Spandau Gebühren und Gage miteinander aufschließen.

„Das ist moderner Straßenraub“, schimpft Dettmann. Inzwischen trat ein Musikverlag an Dettmann heran. Für 1500 Euro bot er der ihm zwölf CDs mit lizenzfreier Musik (das Urheberrecht wir 70 Jahre nach Tod des Komponisten aufgehoben) für die gesamte Weihnachtsperiode. „Einschließlich der Kosten für die Bühne selbst würden wir 50.000 Euro sparen“, meint der Geschäftsführer. Nun sei eine zentrale Beschallung eine Möglichkeit.

Lieber spenden, als Gebühren zahlen

Dettmanns Idee ist es nun, zusammen mit Kommunalpolitik und Kollegen aus der Branche, gegen die GEMA Stellung zu beziehen.

Helmut Russ ist Macher des Weihnachtsmarktes am Gendarmenmarkt und seit neuestem auch vom Gauklerfest am Schinkelplatz, das vom 30. August bis 9. September stattfindet. Dettmanns Vorschlag käme ihm mehr als gelegen. „Eine weitere Erhöhung würde uns hart treffen“, erklärt Russ. „Wir haben immer gesagt, wenn die GEMA den Bogen überspannt, spielen wir nur noch Musik, die nicht geschützt ist.“

Im Gegensatz zu vielen anderen Festen, zahlten die rund 600.000 Besucher, die 2011 den Gendarmenmarkt entlangschlenderten je einen Euro Eintritt. Sollte es die GEMA dort wie bei den Clubs gleichtun und ein Zehntel des Preises verlangen, kämen die Veranstalter auf 60.000 Euro, erklärt Rust. „So viel spenden wir bisher jährlich dem Bezirk für wohltätige Zwecke.“


Quelle: Der Tagesspiegel

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