QIEZ-Geschichte(n)

Lichtenbergs Ortsteile: Fennpfuhl

Lichtenbergs Ortsteile: Fennpfuhl
Plattenbauten und viel Grün: Der Ortsteil Fennpfuhl in Berlin-Lichtenberg.
Anlässlich des 725. Jahrestags der ersten urkundlichen Erwähnung Lichtenbergs hat das Bezirksamt die an vielen Bildern und Informationen reiche "Kurze Geschichte eines Berliner Bezirks" herausgegeben. In mehreren Kapiteln wird dabei auch der Entwicklung der verschiedenen Lichtenberger Ortsteile nachgegangen. Wir haben uns das Buch für euch angesehen und stellen euch heute den Ortsteil Fennpfuhl vor.

Bis 1972 bestand das Gebiet rund um ein kleines Gewässer namens „Fennpfuhl“ im Bezirk Lichtenberg lediglich aus Brach- und Gartenland sowie einigen wenigen Altbauten rund um den ehemaligen Roederplatz. Von ihnen sind nur die Volkshochschule, ein Bau aus dem Jahre 1913, und einige Häuser zwischen der Erich-Kuttner- und der Karl-Lade-Straße erhalten. Die verbliebenen Kleingartenkolonien des Viertels erinnern dagegen bis heute an ein mutiges Stück deutscher Geschichte: Der spätere Entertainer Hans Rosenthal konnte die NS-Zeit nur überleben, weil drei Frauen ihm in ihren Gärten Zuflucht gewährten. An das selbstlose Handeln von Ida Jauch, Emma Harndt und Maria Schönbeck erinnert vor Ort eine Gedenktafel.

Anfang der 60er Jahre kehrte ins Grün rund um den Fennpfuhl schließlich Leben ein. In der Erich-Kuttner-Straße entstand ein Vorzeigehaus der DDR: der Versuchsbau P2, aus dem schließlich die Serie WBS 70, der meistgebaute Typ des DDR-Wohnungsbaus, hervorging. Das Gebiet sollte seine Vorreiterstellung nicht so schnell wieder loswerden: Ab Dezember 1972 wurde rund um den Fennpfuhl die erste zusammenhängende Großsiedlung in Plattenbauweise errichtet. Wie es sich für einen offiziellen Probelauf des staatlichen Wohnungsbauprogramms gehörte, wurden in das Stadtquartier auch Krippen, Kindergärten, Versorgungseinrichtungen, Schwimm- und Sporthalle sowie eine Poliklinik integriert. Zum Zentrum des neuen Viertels entwickelten sich das gut besuchte Kaufhaus am Anton-Saefkow-Platz sowie die rund um den Fennfpuhl angelegten Grünflächen mit dem Gaststättenkomplex „Seeterrassen“.

Das beliebte Viertel konnte seine Stellung als attraktives, grünes und zugleich stadtnahes Wohnquartier nach der Wende weitgehend aufrecht erhalten: In das zentrale Kaufhaus zog der Kaufhof-Konzern, es entstanden unter anderem ein neuer Hotelkomplex, verschiedene Büro- und Geschäftskomplexe sowie das Castello-Einkaufszentrum an der Landsberger Allee (Bauzeit 1998 bis 2000). Das früher so beliebte Kaufhaus am Anton-Saefkow-Platz konnte mit dieser Entwicklung nicht mithalten: Nach mehrjährigem Leerstand wurde es zu einem Wohnhaus umgebaut. Und auch die früheren Seeterrassen sollen abgerissen werden.

Doch zurück zu den guten Nachrichten: Mit der Bezirksreform 2001 wurde das mit 1,75 Quadratkilometer Fläche relativ kleine Wohngebiet Fennpfuhl als eigener Ortsteil anerkannt. Im selben Jahr konnte außerdem die Sanierung der umliegenden Wohnhäuser sowie die Gewässersanierung des Fennpfuhls abgeschlossen werden. Auch die Parkanlagen sind heute ein beliebter Naherholungsraum und der Anton-Saefkow-Platz wurde neu gestaltet. Alles in allem können die rund 32.000 Einwohner (Stand 2012) mit ihrem Kiez recht zufrieden sein.

Das Buch „Lichtenberg. Kurze Geschichte eines Berliner Bezirks“ (ISBN 978-3-00-043170-8) steht zum Ausleihen in allen Lichtenberger Bibliotheken bereit.

Lichtenbergs Ortsteile: Fennpfuhl, Anton-Saefkow-Platz, 10369 Berlin

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