QIEZ-Geschichte(n)

Lichtenbergs Ortsteile: Rummelsburg

Lichtenbergs Ortsteile: Rummelsburg
Die Rummelsburger Bucht gilt als Goldküste, der Bezirk Lichtenberg ist nahezu durchsaniert.
Anlässlich des 725. Jahrestags der ersten urkundlichen Erwähnung Lichtenbergs hat das Bezirksamt die an vielen Bildern und Informationen reiche "Kurze Geschichte eines Berliner Bezirks" herausgegeben. In mehreren Kapiteln wird dabei auch der Entwicklung der verschiedenen Lichtenberger Ortsteile nachgegangen. Wir haben uns das Buch für euch angesehen und stellen euch heute den Ortsteil Rummelsburg vor.

Der Name des Ortsteils Rummelsburg geht auf einen Weinhändler zurück. Ende des 18. Jahrhunderts kaufte Johann Jacob Rummel eine ehemalige Ziegelei am Stralauer See (heute Rummelsburger See), die seinerzeit als Meierei genutzt wurde, und richtete dort ein Wirtshaus ein – genannt „Rummelsburg“. Der Name übertrug sich auf die benachbarten Kleinbetriebe, zu denen in der ländlichen Gegend unter anderem Fischereien und Gärtnereien gehörten.

1861 wurde die Ansiedlung dem Kreis Niederbarnim zugeordnet. In den 1880er Jahren erlebte die Bebauung durch die Eröffnung des Bahnhofs Stralau-Rummelsburg (heute Ostkreuz) einen Aufschwung, Wohn- und Gewerbebauten siedelten sich an. Zu den bedeutendsten Bauwerken der Siedlung gehörten das in den 70er Jahren errichtete und seinerzeit hoch moderne städtische Arbeiterhaus sowie die „Victoriastadt“, in der zur selben Zeit die europaweit ersten Wohnhäuser in Betonbauweise errichtet wurden.

Eigenständige Landgemeinde

Ab 1889 hatten das Gebiet am Ufer des Stralauer Sees, die Viktoriastadt sowie der Lichtenberger Kiez den Status einer eigenständigen Landgemeinde. Doch bereits 1912 wurde die mit etwa 55.000 Einwohnern bevölkerte Gemeinde Boxhagen-Rummelsburg der Stadt Lichtenberg zugeschlagen. Durch die 1902 eröffnete Bahnstation Rummelsburg-Ost (heute Nöldnerplatz) war das Gebiet gut an das Verkehrsnetz des Großraums Berlin angeschlossen. Acht Jahre später erfolgte die Eingliederung in die Gemeinde Groß Berlin. Das Boxhagener Quartier, das innerhalb der Ringbahn lag, musste in diesem Zusammenhang an Friedrichshain abgegeben werden. Heute erstreckt sich der Ortsteil vom Rummelsburger See im Süden bis zur Frankfurter Allee im Norden. Im Westen wird Rummelsburg von der Victoriastadt, ganz im Osten vom Betriebsbahnhof der Deutschen Bahn begrenzt.

Im 20. Jahrhundert entwickelte sich Rummelsburg durch die günstige Lage zu einem florierenden Wirtschaftsstandort. Zu den bedeutendsten Betrieben gehörten unter anderem die Knorr-Bremse, das Großkraftwerk der Familie Klingenberg, die Anilinfabrikation Agfa – ein Produktionsstandort für Acetatseide, in dem 1938 die Perlonfaser entwickelt wurde – sowie die Maschinenfabrik Juhl & Söhne, die 1908 in der Victoriastadt den 38 Meter hohen Schrotkugelturm errichtete – bis heute ein Wahrzeichen des Ortsteils.

Kulturell erlangte Rummelsburg unter anderem als langjähriger Wohnort vom „Milljöh“-Zeichner Heinrich Zille oder von Margarete Steffin, der Co-Autorin Bertolt Brechts, regionale Berühmtheit. Darüber formierte sich in dem klassischen Arbeiterquartier schnell und massiv eine Opposition zum NS-Regime. Zu den Widerständlern gehörten unter anderem Erwin Nöldner oder das Ehepaar Käthe und Felix Tucholla.

Nach Jahren des Stillstand zu Zeiten der deutsch-deutschen Teilung boomt in Rummelsburg seit einigen Jahren die Bautätigkeit. Vor allem entlang der Rummelsburger Bucht sind viele neue Wohnquartiere entstanden. Auch die Victoriastadt wird dank umfangreicher Sanierungsarbeiten zu einer immer beliebteren Wohngegend. Auch kulturell bemüht sich der Ortsteil um eine Aufwertung, etwa durch den Aubau der Max-Taut-Aula zu einem lebendigen Veranstaltungszentrum.

Das Buch „Lichtenberg. Kurze Geschichte eines Berliner Bezirks“ (ISBN 978-3-00-043170-8) steht zum Ausleihen in allen Lichtenberger Bibliotheken bereit.

Lichtenbergs Ortsteile: Rummelsburg, Lückstraße 23C, 10317 Berlin

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