QIEZ-Geschichte(n)

Der Prager Platz in Wilmersdorf

Der Prager Platz in Wilmersdorf
Am Prager Platz in Wilmersdorf findet in jedem Sommer das Fest der Nationen statt. Und auch sonst lässt sich über die Anlage eine Menge berichten ...
Einst flanierten hier so berühmte Persönlichkeiten wie Albert Einstein, Erich Kästner oder Maxim Gorki die Straßen entlang, heute ist die kreative Szene Berlins in andere Teile der Stadt abgewandert. Doch den Kiezbewohnern liegt der Prager Platz noch immer am Herzen - als Ort, an dem man wunderbar miteinander ins Gespräch kommen, einkaufen oder die Seele baumeln lassen kann.

Gleich vor der Haustür der QIEZ-Redaktion in der Bundesallee liegt er, der Prager Platz. Er wurde 1870 als Teil einer städtebaulichen Figur von Anton Wilhelm von Carstenn-Lichterfelde konzipiert. Vier als Grünflächen gestaltete Schmuckplätze – der Fasanen-, der Nürnberger, der Nikolsburger- und der Prager Platz – bilden dabei eine Art Rechteck, das die heutige Bundesallee (bis 1950: Kaiserallee) einrahmt. Nach dem Ausbau der Bundesallee zu einer Hauptverkehrsachse in den 60er Jahren ging der Charme der sogenannten Carstenn-Figur verloren.

Im Gedenken an den Prager Frieden

Erst 1888 wurde die zunächst Halberstädter Platz genannte Anlage in Prager Platz umbenannt. Der Name erinnert an den Prager Frieden von 1866, der den Deutschen Krieg zwischen Preußen und Österreich beendete. Die Grünanlage auf dem Prager Platz geht auf den Gartenarchitekten Richard Thieme zurück, der von 1903 bis 1945 als Leiter der Wilmersdorfer Gartenverwaltung tätig war. Er gestaltete den Platz als von Blumenrabatten und niedrigen Hecken eingefasste Rasenfläche. Flankiert wurde der zur Hälfte von einer verkehrsberuhigten Fahrbahn eingefasste, ovale Prager Platz von Gebäuden im Stile der späten Gründerzeit.

Nach seiner nahezu vollständigen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg verkam der Platz durch die Jahrzehnte zu einer gewöhnlichen Straßenkreuzung. Erst 1986 wurde, entsprechend ihrer historischen Struktur, mit der Neugestaltung der Anlage begonnen. Ein Jahr später erklärte man den Prager Platz im Zuge der Internationalen Bauausstellung IBA zum besonderen Stadtplanungs- und Architekturprojekt. Bis 2002 entstanden unter anderem ein Hotel und ein Einkaufszentrum. Seit 2007 findet sich am Prager Platz, dessen Zentrum ein Springbrunnen in einer flachen Granitschale bildet, ein 3,3 Meter hohes Monument der Rilke-Stiftung aus Prag.

Der Szene-Kiez der 20er

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich der Prager Platz zu einem kulturellen Zentrum Berlins. Zahlreiche Künstler und Intellektuelle siedelten sich in den umliegenden Straßen an. Den Höhepunkt erreichte diese Entwicklung in den 20er Jahren. Damals fühlten sich berühmte Persönlichkeiten wie Albert Einstein, Egon Erwin Kisch oder Erich Kästner im Kiez wohl. Letzterer setzte dem Prager Platz im Prolog zu seinem Kinderbuch „Emil und die Detektive“ ein Denkmal. Die „Prager Diele“ an der Ecke Trautenaustraße lockte darüber hinaus russische Intellektuelle wie Maxim Gorki, Vladimir Nabokov und Boris Pasternak ins Viertel. Der Zweite Weltkrieg beendete diese Glanzzeit des Prager Platzes.

Doch auch jenseits der kreativen Szene, die sich heute längst in Mitte, Kreuzberg oder dem Prenzlauer Berg tummelt, fühlen sich die Menschen, die heute zwischen Bundesallee, Bamberger- und Güntzelstraße leben, am Prager Platz sichtlich gut aufgehoben. Auf den Bänken rund um den Brunnen findet man bei Sonnenschein kaum einen freien Sitzplatz und auch in den Cafés und Geschäften rundherum herrscht stets rege Betriebsamkeit. Für viel Trubel sorgt außerdem in jedem Sommer das Fest der Nationen, in dessen Rahmen sich den Kiezbewohnern zahlreiche Länder und Vereine mit Leckereien, Bühnenauftritten und Mitmach-Angeboten präsentieren.

Der Prager Platz in Wilmersdorf, Prager Platz, 10779 Berlin

Weitere Artikel zum Thema Sehenswürdigkeiten

Bars | Essen + Trinken | Neueröffnungen | Sehenswürdigkeiten

Coole Drinks in einer Bar ganz aus Eis

Gerlinde Jänicke ist Morgenmoderatorin bei 94,3 rs2. In ihrer Kolumne auf QIEZ verrät sie jede […]