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Unterwegs auf der Bergmannstraße für Arme

Unterwegs auf der Bergmannstraße für Arme
Nicht nur die Kaffeenauten geben der Schützstraße in Steglitz ein schönes Gesicht. Zur Foto-Galerie
Rathaus Steglitz - Die Journalistin Maggie Riepl lebt seit vielen Jahren in Steglitz und kennt sich im südwestlichen Berlin gut aus. Auf QIEZ.de präsentiert sie ab sofort regelmäßig ihre ganz persönlichen Kiez-Perlen. Diesmal: ein Besuch bei den Kaffeenauten und ein Spaziergang durch Steglitz' hippste Straße.

Montage sind nicht besonders beliebt: Das Wochenende ist vorbei, man muss wieder früh aufstehen, zur Arbeit gehen. Seit kurzem sind Montage, um es mal ganz altberlinisch zu sagen, wieder „dufte“: Dann riecht es bei den Kaffeenauten in der Steglitzer Schützenstraße 4 nämlich ganz herrlich nach Zimt. Wochenanfang ist Zimtschnecken-Tag. Das wissen allerdings bereits viele. Also muss man sich sputen, wenn man noch eines der wunderbar süßen Teilchen mit dem fluffigem Teig abbekommen möchte.

Das kleine Café ist eine große Bereicherung im Viertel. Mit grünen, teils unverputzten Wänden, schlichten Möbeln, dem selbstentworfenen wuchtigen Tresen aus Eichenholz und einem Regal voller alter Kaffeekannen hat es durchaus charmantes Prenzl‘ Berg-Flair. Und erstaunt stellt man an den Gästen fest, wie viele junge Leute es doch im angeblich verschnarchten Senioren-Bezirk Steglitz gibt.

Ein Wohnzimmer für den Kiez

Dass so ein Café hier gefehlt hat, finden auch die sympathischen Besitzer Okan und Katrin. Der Laden stand schon ewig leer, man mietete und im Oktober 2014 eröffnete das Paar die Kaffenauten. Und die sind seither stets gut besucht: Wegen des guten Kaffees, den der stets freundliche Okan mit Liebe und besonderem Geschick für schicke Milchfächer auf dem Cappuccino zubereitet, wegen der leckeren Torten und Kuchen, die Katrin mit Leidenschaft bäckt, und wegen der entspannten Atmosphäre. Für viele Steglitzer ist es längst zum erweiterten Wohnzimmer geworden, man kommt gerne auf ein Schwätzchen.

Carrotcake, Cookies und New York Cheesecake gehören zum Standardrepertoire, außerdem gibt es saisonal wechselnde Kuchen, knusprige Croissants und belegte Brötchen. Neben Flat White (mit Bio-Milch) empfiehlt Okan vor allem den handgefilterten „brewed Coffee“.  Ist mega angesagt, muss man aber mögen, denn der schmeckt nicht wie einst Omas handgefilterter, sondern hat feine, zum Teil fruchtige Aromen, ist aber deutlich „dünner“, als das, was man aus der Espressomaschine gewöhnt ist. Das entsprechende Equipment wie Filtersysteme, Kaffeemühlen und Co sowie Kaffeebohnen für zu Hause kann man auch kaufen.

Mehr Adressen

Gastronomischer Neuzugang gleich nebenan: Da hat im Sommer das La Marmite eröffnet, eine Weinstube, nett, wenn auch nicht ganz billig, mit überwiegend französischem Angebot. Auch ein paar Kleinigkeiten wie gefülltes Brot, Salat und Käse kann man ab 16 Uhr essen. Schräg gegenüber von den Kaffeenauten ist etwas versteckt im begrünten Hof ein weiterer Weinladen das DiVinum zu finden.

Noch ein paar Häuser weiter gibt es das Lokal Madonna del Castello mit seinen Steinofen-Pizzen. Gerade wurde es um eine Eisdiele erweitert. Auf der Ecke Schützen-/Albrechtstraße befindet sich schon seit ein paar Jahren das Le Paris, das gerne zum günstigen Mittagstisch genutzt  wird und wegen der Auswahl an Quiches bekannt ist. Das Lokal gehört zum gegenüberliegenden La Casserole, dem einzigen  Restaurant mit gehobener Küche (aber auch gehobenen Preisen) in dieser Ecke. Das tunesische Besitzerpaar serviert seit Jahren gleichbleibende Qualität bei Entenbrust, Lamm und Fischspezialitäten. Auch Günther Jauch, dessen Töchter das nahe gelegene Gymnasium Steglitz besuchten, soll hier schon gesichtet worden sein – jedenfalls laut Steglitzer Gerüchteküche.

Alles so schön bunt hier! (c) Maggie Riepl

Daneben bietet das Antiquariat Morgenstern Bücher, aber auch Kaffee an. Siebenkorn auf der anderen Seite zählt zu den Bioläden der ersten Stunde.  Ein paar Schritte weiter stehen Eisfans bis in den Herbst hinein Schlange bei Vanille und Marille. Die Besitzer des coolen Kreuzberger Ladens im Bergmannkiez werden schon gewusst haben, warum sie in dem ehemaligen Winz-Kiosk eine Zweigstelle eröffneten. Die Schützenstrasse, so heißt es schon liebevoll im Kiez, wird wohl langsam zur „Bergmannstraße für Arme“.

Auf der anderen Straßenseite bietet die erste Rheinländische Bäckerei Mälzer, die jedes Jahr aufs Neue prämiert wird, ihr berühmtes Roggen- und Vollkornprodukte mit Natur-Sauerteig an. Die Schützenstraße hat Potential – und Platz. Der ehemalige Fleischabholmarkt Schützenstrasse/Leydenalle zum Beispiel steht seit längerem leer und wartet auf neue Mieter. Und auch im unteren Teil der Straße, wo es nur noch das New Pacha, eine Berliner Eckkneipe gibt, würde sich weitere gastronomische Vielfalt gut machen.

Foto Galerie


Quelle: QIEZ / externe Quelle

Die Kaffeenauten, Schützenstraße 4, 12165 Berlin

Telefon 030 85744644

E-Mail schreiben


Montag bis Freitag 09:00 bis 18:00 Uhr
Samstag 10:00 bis 18:00 Uhr

Die Kaffeenauten

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