Kugelbahn

Szene-Treff im Soldiner Kiez

Das frühere Stammpublikum muss sich erst noch an die stylishe Kneipe gewöhnen.
Das frühere Stammpublikum muss sich erst noch an die stylishe Kneipe gewöhnen.
Eine szenige Kneipe mit einzigartiger Kegelbahn hat sich im Soldiner Kiez etabliert und zieht Gäste aus dem gesamten Stadtgebiet an. Auch ein paar alte Stammkunden haben dem neu gestalteten Laden die Treue gehalten.

Der Soldiner Kiez hat einen schlechten Ruf: Kriminelle Jugendliche, Arbeitslosigkeit und Armut werden dem Viertel zwischen Osloer- und Soldiner Straße zugeschrieben. Doch seit einiger Zeit treibt sich viel Szene-Volk aus Mitte, Kreuzberg oder Neukölln hier herum. Die überwiegend jungen Menschen streben auf eine Art Vereinsheim zu, einen schlichten Klinkerbau wie er von trendigen Großstädtern sonst eher gemieden wird. Doch spätestens wenn der Blick auf die bunt gemusterten Liegestühle auf der Terrasse fällt, sind die letzten Zweifel beseitigt: Dies hier ist keine verstaubte Kiez-Kneipe.

Der Laden nennt sich „Kugelbahn“ und liegt in der Grüntaler Straße. Früher war er eine angegraute Kegelbahn für älteres Publikum, das vor allem dem Alkohol und weniger dem sportlichen Vergnügen zusprach. Die wechselnden Besitzer gaben sich die Klinke in die Hand. Doch seit einem knappen Jahr hat sich der Charakter der Einrichtung vollkommen verändert.

Ein mutiger Schritt wird belohnt

Uwe Effertz und Jessica Schmidt, beide im Kiez beheimatet, haben die Kegelstube übernommen. Seit langen vermissten sie selbst einen ansprechenden Szene-Treff in diesem Teil von Gesundbrunnen und entschlossen sich, nach einem Blick auf das „Zu verpachten“-Schild an der Kneipe, im letzten September kurzerhand für eine Anmietung. „Uns war vorher nicht klar, ob das alles funktionieren würde“, erzählt Jessica Schmidt.

Der Versuch, im Soldiner Kiez eine schöne Bar mit gemütlichen Sofaecken im Stil der Sixties und viel Retro-Schick einzurichten, entpuppte sich als Wagnis. Vor allem vonseiten des ehemaligen Stammpublikums mussten sich die Betreiber bei ihrer rigorosen Entfernung von Plastiktischen und einengenden Zwischenwänden missbilligende Kommentare anhören. Einzig ein alter Holztisch durfte bleiben. „Der steht unter Naturschutz“, lacht Uwe Effertz.

Das von dem Tisch ausgehende versöhnliche Signal traf nicht auf taube Ohren. Viele Unzufriedene korrigierten ihre Meinung über die neu gestaltete Kneipe. „Schön, dass sich hier endlich mal was tut und dass immer mehr Leute kommen“, war an manchen Stellen zu hören. Lediglich mit dem Tannenzäpfle-Bier und der englischen Sprache an der Theke müssen sich die zurückgebliebenen Stammgäste noch anfreunden.

Gefragter Treffpunkt

Sie sind schon lange nicht mehr die einzigen Gäste: Längst zieht die Kneipe Publikum aus dem ganzen Stadtgebiet an. Freitags spielt im Untergeschoss Live-Musik und einmal monatlich steigt eine Party, die gemeinsam mit der Kolonie Wedding organisiert wird. Darüber hinaus gibt es immer sonntags ein amerikanisches Frühstück.

Um die Veranstaltungen kümmert sich die 29-jährige Jessica Schmidt, der zunächst vor allem ein amerikanisches Musikprogramm vorschwebte. Zur Eröffnung spielte die Rock’n’Roll-Band Doctor Voltage aus den Staaten. Doch von den ursprünglich etwas einseitigen Plänen ist das Paar abgerückt. Zum Glück: Vor einiger Zeit trat Automat auf, das neue Projekt des „Einstürzende Neubauten“-Mitglieds Jochen Arbeit.

Täglich außer montags ist die Kugelbahn geöffnet. Der Name weist auf eine weitere Besonderheit des Ladens hin. Eine 50 Jahre alte Kegelbahn sorgt im Keller für Abwechslung. Mit ihrem Scherenbahn-Typus ist sie im Stadtgebiet etwas ganz Besonderes. In Berlin findet man meist die klassische Bohlenbahn. Trotz ihres Alters sei die alte Lady pflegeleicht, erzählt Schmidt. Doch wenn einmal die Elektrik ausfällt, ist es schwer, einen Kenner solcher Anlagen herbeizuschaffen. Eine Grundsanierung der Bahn sei leider aus Kostengründen noch nicht möglich. „Es ist sowieso eher eine Spaßbahn“, so der 48-jährige Effertz. Aufgrund des großen Andrangs kämen er und seine Freundin ohnehin nur noch selten zum Kegeln.


Quelle: Der Tagesspiegel

Kugelbahn, Grüntaler Str. 51, 13357 Berlin

Telefon 0163 6351516

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Täglich von 19:00 bis 01:00 Uhr

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