Potsdamer Brücke in Berlin

Überbrückung von Kunst und Historie

Auf dem Weg zur Neuen Nationalgalerie oder zur Staatsbibliothek sehen aufmerksame Beobachter auch noch ein anderes Denkmal – vorausgesetzt, sie schauen genau hin. Denn es ist ein Stück des Weges selbst: die Potsdamer Brücke in Berlin-Tiergarten.

Die Potsdamer Brücke mag kein herausragendes Stück künstlerischer Architektur sein, und sie erzählt auch nicht Tausende von Geschichten. Einige aber durchaus. Sie verbindet Orte, Zeiten und Menschen miteinander. Dabei ist sie in erster Linie eine gewöhnliche Straßenbrücke. Im Bezirk Tiergarten gelegen führt sie Fußgänger, Fahrradfahrer und – auf nicht weniger als sieben Fahrstreifen – Motorisierte über den Landwehrkanal. Die Bundesstraße 1 führt über die Brücke, die entsprechend stark befahren ist. Wer sie benutzt, gelangt auf direktem Weg vom Reichpietschufer zum Schöneberger Ufer. Staatsbibliothek und Neue Nationalgalerie liegen als attraktive Ausflugsziele in unmittelbarer Nähe.

Im Mittelalter nur ein hölzerner Steg

Mindestens seit dem 15. Jahrhundert befinden sich an genau dieser Stelle Brücken. Die erste war nicht mehr als ein hölzerner Steg. Er führte über den sogenannten Schafgraben. Eine der vielen Nachfolgerbrücken des Steges hieß denn auch Schaafbrücke, das war noch vor dem Jahr 1705. Mit den verschiedenen Zeitaltern entstanden immer wieder neue Brücken, gebaut mit den Möglichkeiten ihrer Zeit. So war etwa eine Doppelbrücke unter ihnen, also eine eigentlich aus zwei Brücken bestehende Brücke. Sie war von 1896 bis 1898 unter dem Namen Victoriabrücke bekannt.

Den heutigen Namen Potsdamer Brücke trägt das Verbindungsstück über dem Kanal seit 1903. Der Bau jedoch, wie er heute steht, ist bei Weitem nicht so alt. Entwickelt in den sechziger Jahren wurde die Brücke in ihrer jetzigen Gestalt erst am 13. August 1968, einem Dienstag, in den Straßenverkehr der Hauptstadt integriert. Es ist eine Balkenbrücke aus Spannbeton.

Denkmal für einen sowjetischen Retter

Ein Künstler, von dem mancher nichts anderes erwartet hätte, verewigte sich 1985 auf der Brücke. Norbert Radermacher meldete das Werk nicht an, ließ seine Aktion nicht genehmigen. Im Rahmen einer Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie platzierte er es insgeheim, auf Wadenhöhe. Das Ergebnis: Noch heute kann jeder, der das gelb überstrichene, metallene Geländer ins Auge fasst, sein Werk “Der Ring“ betrachten. Der Name ist ein wenig irreführend, denn tatsächlich sind es zwei große bronzene Ringe, die Radermacher an verschiedenen Stellen um die Geländerstäbe herum festgeschweißt hat.

Schweift der Blick weiter über das Geländer, bleibt er an einer Gedenktafel haften. Zu Ehren eines Soldaten ist sie hier befestigt. Die Geschichte spielt im Jahr 1945. So soll sie sich zugetragen haben: Am 30. April hisst die Rote Armee eine sowjetische Fahne auf dem Reichstagsgebäude, Hitler flüchtet im Bunker unter der Reichskanzlei in den Suizid. Die Potsdamer Brücke ist, wie schon so lange, alles andere als ein sicherer Ort. Ein kleines Mädchen läuft allein in unmittelbarer Nähe der Brücke umher – mitten im Gefecht. Ein junger sowjetischer Unteroffizier reagiert: Nikolaj Iwanowitsch Massalow rettet das Kind aus dem Kugelhagel.

Erinnerung an einen engagierten Droschkenkutscher

Ein weiteres Denkmal auf der Brücke erinnert an das Engagement eines Kutschers in den zwanziger Jahren. Gerhard Rommel schuf die Skulptur des “Eisernen Gustav“, die seit 2000 auf der Potsdamer Brücke an den Droschkenkutscher Gustav Hartmann erinnert. Hartmann hatte im Jahre 1928 mit einer Droschkenfahrt bis nach Paris große Berühmtheit erlangt. Damit wollte er den Untergang des Droschkengewerbes abwenden. Als “Eiserner Gustav“ ging er danach in die Geschichte Berlins ein.

Wer übrigens nach der Besichtigung der Potsdamer Brücke noch mehr in Wassernähe unternehmen möchte, dem bietet sich eine Schifffahrt auf dem Landwehrkanal und der Spree geradezu an. Direkt an der Brücke befindet sich eine Anlegestelle der Reederei Riedel. Auf ihren Fahrten lernen die Gäste Wissenswertes über Berlin und seine Sehenswürdigkeiten.


Quelle: kompakt

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