Berliner Persönlichkeiten zeigen ihren Kiez

Die Regisseure von "Kamerapferd" und ihr Kreuzkölln

Die Regisseure von
Die beiden schlossen sich 2010 als Regie-Duo unter dem Namen "Kamerapferd" zusammen. Zur Foto-Galerie
Das Regie-Duo Erik Schmitt und Stephan Müller, besser bekannt als "Kamerapferd", erhielt in der Vergangenheit bereits mehrere Preise für seine unkonventionellen Kurzfilme. Auf QIEZ.de verraten die beiden, warum sie gern im Reuterkiez, auch als Kreuzkölln bekannt, leben und arbeiten.

„Kreuzkölln ist das Wimmelbild unter den Kiezen“, sagt der 31-jährige Regisseur Stephan Müller, der sich seine Inspiration, so wie sein Freund und Kollege Erik Schmitt, gern aus dem Neuköllner Alltag holt. Müller und Schmitt gründeten 2010 ihre Firma Kamerapferd im bunten Neukölln. Seither haben sie den Deutschen Kurzfilmpreis gewonnen und waren in diesem Jahr mit ihrem 15-Minuten-Streifen „Nashorn im Galopp“ auf der Berlinale zu sehen.

Beim Treffen der beiden kreativen Köpfe im Café Ringo in der Sanderstraße wird schnell klar: Humor und Situationskomik werden bei ihnen ganz groß geschrieben – ob beim Filmdreh oder im wahren Leben. „Im Sommer ist Kreuzkölln eine Bombe“, erzählt Müller und fügt kurz darauf lachend hinzu: „Eine Stinkbombe!“ Tatsächlich zog der gebürtige Köpenicker vor rund einem Jahr von Neukölln zurück ins ruhige Friedrichshagen, um am Ende eines Arbeitstages dem ganzen Trubel zu entkommen. Dafür nimmt er auch den längeren Fahrweg in Kauf.

Stephan Müller

„Es ist keine Katastrophe hier!“

„Aber es ist auch keine Katastrophe hier!“, verteidigt Schmitt (32) sein Revier. Der zugezogene Mainzer lebt bereits seit sieben Jahren in einer Altbauwohnung im Reuterkiez. Er mag, dass die meisten seiner Freunde in Neukölln wohnen, das mache es für ihn lebenswert. „Obwohl es immer kommerzieller wird, ist es schon schön hier. Die bunte Mischung aus Künstlern, Studenten und jungen Leuten macht den Kiez so besonders“, erklärt der 32-Jährige, der Kommunikationswissenschaften an der Freien Universität Berlin studierte.

Schade finden beide Regisseure, dass im nördlichen Neukölln – wie an so vielen Orten in Berlin – die Gentrifizierung ihren Lauf nimmt. „Gleich hier um die Ecke gab es das Sanderstüble, eine richtige Ur-Berliner Kneipe mit einem tollen Wirt. Leider musste sie schließen, weil die Miete zu teuer wurde“, so Schmitt. Ein paar Geheimtipps in Sachen Kneipen und Bars haben die zwei dennoch: „Das Bal am Kottbusser Damm ist ein guter Imbiss. Der Besitzer dort macht das echt mit Herzblut, für ihn ist der Kunde noch König“, sagt Müller. Außerdem empfehlen sie die Bar Fuchs & Elster und das Freudenreich.

Erik Schmitt

Urlaubsstimmung wie am Mittelmeer

Zum Entspannen schlendern Schmitt und Müller am liebsten am Kanal entlang oder gehen ganz nach oben auf das Dach der Neuköllner Arkaden, von wo aus sie einen perfekten Blick auf das Dreiländereck (Neukölln, Kreuzberg, Treptow) haben. „Im Sommer ist es wirklich schön. Da kommt Urlaubsstimmung wie am Mittelmeer auf“, räumt Müller nach seiner anfänglich geäußerten Skepsis nun doch ein und fügt hinzu: „Es macht Spaß, wenn hier überall so viel Action läuft und man merkt, dass man mit seinen Ideen nicht allein ist.“

Ideen holen sich die Regie-Allrounder, die besonders gern mit visuellen Tricks und Kniffen arbeiten, von ihren Neuköllner Mitmenschen und der großen Vielfalt Berlins. „Was Inspiration und Input angeht, liegt man in Berlin am saugenden Busen der Stadt“, so Schmitt. Dennoch ist das Filmbiz trotz relativ günstiger Lebenskosten in der Hauptstadt eine Herausforderung. „Herzblutprojekte umzusetzen und sich trotzdem nicht am Existenzminimum zu bewegen, ist nicht leicht. Mit Werbefilmen könnten wir natürlich viel mehr Geld verdienen, aber das macht dann auch nicht so viel Spaß“, erklären beide abschließend.

Lesen Sie nächste Woche in unserer Reihe „Berliner Persönlichkeiten zeigen ihren Kiez“: Annabelle Mandeng

 

Foto Galerie

Die Regisseure von "Kamerapferd" und ihr Kreuzkölln, Sanderstraße 2, 12047 Berlin

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