Besondere Einkaufsstraßen in Berlin

Die Reichsstraße

Die Reichsstraße im Berliner Westend.
Die Reichsstraße im Berliner Westend.
Ein siegreicher Reiter weist den Weg zum Olympiastadion. Unbekleidet, dafür mit Lorbeerzweig in der Hand, lenkt der der junge Mann sein Bronze-Ross, ewig unterwegs in Richtung der berühmten Sportstätte. Die Reichsstraße weitet sich etwa mittig auf ihrem Verlauf zwischen Theodor-Heuss-Platz und Spandauer Damm zum Steubenplatz. Hier steht seit einem halben Jahrhundert "Der Sieger", das 1902 von Louis Tuaillon geschaffene Reiterstandbild.

Hier zweigt unter anderem die Olympische Straße ab. Und hier entlässt der U-Bahnhof Neu-Westend die Besucher und Bewohner der ehemaligen Villenkolonie an die frische Luft, die schon der spätere Kaiser und damalige Preußenkönig Wilhelm I. 1868 rühmte: „Westend hat eine große Zukunft, ja hier oben weht eine reine, frische Luft.“

Freilich war Wilhelms Euphorie noch ungetrübt vom modernen motorisierten Trubel, der heute scheinbar unablässig versucht, den Stau auf dem Stadtring zu umfahren oder einen Parkplatz im geschäftigen Teil der Reichsstraße zu. Der König begeisterte sich vielmehr für die Pläne von Projektentwickler Heinrich Quistorp, der seinerzeit die Leitung der Westend Gesellschaft  übernommen hatte. Es wurde vermessen und geplant, die Sommer- und Landhäuser der Gegend wichen repräsentativen Villen. 1878 wurde Westend in die reichste deutsche Stadt – Charlottenburg – eingemeindet und trumpfte mit Straßenbeleuchtung und Abwassersystem auf.

Elegantes Wohnviertel nach Londonder Vorbild

Das wohlhabende Bürgertum sollte sich hier zu Hause fühlen, in einem eigenen eleganten Wohnviertel. Londons schickes West End stand Pate für das neue Quartier mit großbürgerlichen Villen und gepflegten Gärten. Um 1900 war die Bebauung der Kolonie weitgehend abgeschlossen. Angebunden an den Rest der Welt wurde der neue Vorort durch die Straße 7a des Bebauungsplans Westend, 1906 zum Gedenken an die Reichsgründung umbenannt.

Die Pläne gingen auf: Gehobenes Bürgertum und auch die „Prominenz“ schätzten und schätzen das Westend. Nicht nur die Villen, auch die Mietshäuser wie beispielsweise am Sachsenplatz – seit 1947 Brixplatz – zogen Neu-Westender an. Ist es heute noch – oder wieder: Marlene Dietrich lebte einst in der Akazienallee, der Mediziner Robert Koch und der Schriftsteller Stefan George in der Ahornallee. Max Schmeling war zu Gast in der Westend-Klause am Steubenplatz, ab und an auch Hans Albers, Joachim Ringelnatz sowieso. so nah an der Innenstadt lebt man hier, gleichzeitig am Grunewald, ein Vorort mitten in der Stadt, nicht nur für Villenbesitzer.

Spezialisierter Einzelhandel statt Shoppingmalls

Südlich des Brixplatzes beginnt „Neu-Westend“ mit seinen Miets-, Reihen- und Einfamilienhäusern. Hohe Mietshäuser mit großen Wohnungen entstanden am Fürsten- und am Theodor-Heuss-Platz. Reihenhäuser entlang der Westendallee, und später gab es im Norden sogar sozialen Wohnungsbau. An der Reichsstraße gibt es keine praktischen Shoppingmalls, sondern spezialisierten Einzelhandel. Hier muss man auch mal ein paar Meter laufen, vom Fernseh-Fachgeschäft zur Konditorei, vom Bio-Laden zum Juwelier. Die Liste der Traditionshäuser an der Reichsstraße ist lang, nicht wenige sind seit einem halben Jahrhundert und länger hier.

Unruhig wird es hier eigentlich nur, wenn der Rest der Stadt zu Gast ist. Beim DFB Pokalfinale zum Beispiel. Aber auch bei Heimspielen der Hertha oder bei großen Konzerten im Olympiastadion kann es voll werden. Die Besuchermassen schieben sich durch die Reichsstraße. Und biegen dann ab. Beim „Sieger“, dem Wegweiser am Steubenplatz.

 

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Quelle: Gelbe Seiten

Die Reichsstraße, Reichsstraße, 14052 Berlin

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